Schreibkick: Hitzköpfe.

Meine Muse stöhnt leise vor sich hin. Ihr ist heiß. Und genau wie ich mag sie diese Hitze nicht. Deshalb ist sie auch gar nicht begeistert, dass das Juni-Thema beim Schreibkick sich um die Hitze drehen soll.
„Mah, geh bitte! Wer will denn irgendwas über Hitze schreiben!“, raunzt sie herum.

„Ja, wenn du es nicht weißt, woher soll ich es wissen?“, entgegne ich. Ich hänge völlig schlapp auf meinem Sessel, fühle mich durchweicht von der schweißtreibenden Schwüle und überlege, ob ich nicht überhaupt in den kühlen Keller ausweiche.
„Nein, bitte nicht!“, fleht die Muse mich an. „Da unten sind so viele Spinnen und ich ekle mich so davor. Wirklich! Du brauchst gar nicht so belustigt dreinschauen, Frau Vro. Mir graust vor den langbeinigen Viechern.“
„Du könntest ja Johnny Stripes mitnehmen. Der Kater fängt dir die Spinnen mit Wonne von der Decke.“
„Iiiiiih!“, quietscht jetzt meine Muse. „Hast du das jemals knacken gehört, wenn er Käfer und Spinnen frißt?“
Es beutelt sie fürchterlich, wenn sie nur daran denkt.

„Du, Fräulein von und zu Größenwahn?“ Meine Muse blickt alarmiert auf. Wenn ich sie so formell anrede, dann will ich wirklich was, dann ist es vorbei mit lustig.
„Was ist?“, fragt sie mich gedehnt und will die Antwort noch ein wenig hinauszögern. Sie ahnt schon, was jetzt kommt.
„Wir haben noch immer keinen Schreibkick für morgen fertig! Das ist jetzt bereits der dritte Anlauf! Was hat dir eigentlich am ersten Entwurf nicht gefallen?“

„Der war urfad. Nur ein Tatsachenbericht aus deinem Leben als Frau Vro. Dass du die Hitze nicht magst und Regen viel lieber. Dass du dieses oder jenes getan hättest. So ein Schmus halt. Das schreibst du oft genug. Für den Schreibkick dürfte es schon etwas Originelleres sein. Deine Leser fragen sich zu Recht, wofür du eigentlich eine Muse hast. Das bringt mich nur in Verlegenheit.“

„Aber du lieferst ja auch keine über-drüber-Geschichten!“ Ich bin genervt. Und frustriert.

Plötzlich erinnert sie sich. „Da war doch noch dieser zweite Entwurf. Was ist mit dem?“

„Nein, mein Fräulein, das geht nicht. Den kann ich nicht online stellen. Das ist nämlich nicht jugendfrei. Da geht es zwar eindeutig um Hitze, aber um eine andere Hitze.“
„Nur wäre das wirklich einmal etwas Anderes. Echt! Der war gut. Und du könntest deinen Lesern eine andere Seite von dir zeigen.“
„Von welcher Seite sprichst du? Ich habe keine andere Seite. Lass diese Andeutungen!“

Die Muse lacht laut auf, weil sie mir nicht glaubt. „Ich meine ja nur. Und man darf ja wohl noch Kopfkino haben. Was regst du dich da so auf! Brauchst jetzt nicht päpstlicher als der Papst sein. Hat dir womöglich wirklich der Storch deine beiden Kinder gebracht? Oder wie war das sonst? Und wenn du dann deine ehelichen Pflichten erledigst, drehst du das Licht ab, weil ja streng katholisch erzogen und so?“

Ich schaue meine Muse böse an. Sie geht eindeutig zu weit. „Das geht ja wohl nur mich und den Liebsten etwas an!“ Das hätte wirklich noch gefehlt, dass die Muse da mitmischt. Ein flotter Dreier, oder was? Ich hole zum Gegenschlag aus und wechsle das Thema. Höre gar nicht mehr, wie sie hinzufügt, der zweite Entwurf wäre wirklich nicht so übel. Ich müsse mich nur trauen. Sonst hätte ich das Folgende vielleicht nicht gesagt. Damit lande ich einen verbalen Treffer. Gar nicht nett! „Du bist ja letztlich nichts als ein Gespinst. Ein Hirngespinst! Ein gestricktes Hirngespinst. Ha!!“

Jetzt funkelt sie mich feindselig an. Das sei ja die Höhe! Wie ich es wagen könne, derartig mit ihr zu reden. Immerhin sei sie der kreative Kopf hier. Sie sei DIE Muse!
Ja ja, die mit den Flusen im Kopf, knurre ich sie an. Ob sie denn ein Beweisfoto sehen wolle. Jetzt weiß ich, warum ich damals ein Foto gemacht habe. Aber da ahnte ich noch nicht, dass es einmal wichtig sein könnte.

Sie macht auf Drama, schnieft laut und beklagt sich darüber, dass ich ja viel größer sei als sie und ich leicht auf sie hinabsehen und hinhauen könne. Dass sie es wirklich nicht nötig hätte, sich solch untergriffige Bemerkungen gefallen zu lassen. Ich stutze. Jetzt stehe ich da! Stehe da wie das Ungeheuer, das keine Kritik verträgt und gleich eingeschnappt ist. Dabei war sie es doch, die angefangen hat.

So sitzen wir da und ihre hochroten Backen leuchten mit meinen roten Ohrenspitzen um die Wette, wie wir uns da in der Hitze des Gefechts befetzen.

Da marschiert entschlossen der Schweinehund zwischen uns Kampfhähne, stellt laut polternd eine Schale mit Erdnüssen auf den Tisch und schreit: „Freibier für alle, die Runde geht aufs Haus!“

Das scheint das Stichwort zu sein. Heinzelfrau Rosalind und der Ernst meines Lebens schleppen ein Sechsertragerl Bier heran und der Schweinehund drückt noch schnell auf „publizieren“, bevor ich es mir für den Schreibkick wieder anders überlege.


Der Schreibkick ist eine Idee von Sabrina.

Mitgemacht haben
Eva

Das Schreibkick-Thema für den 1.7.2017 lautet: Abkühlung

Advertisements

3 Gedanken zu “Schreibkick: Hitzköpfe.

  1. Pingback: Schreibkick: Hitze | Evas Geschichten

  2. Pingback: Schreibkicks – Hitze – Der Azubi – Geschichtszauberei

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s