Operation Knofispitz.

Im November 2019 schrieb ich diesen Beitrag. Da war die Welt noch in Ordnung, eine Pandemie, geschweige denn ein Krieg in der Ukraine unvorstellbar. Seither hat sich viel verändert.

Damals ging ich morgens immer zum fahrenden Bäcker, der auch in unserer Firma Station machte, und kaufte einen Knofispitz (das ist ein Salzstangerl, ohne Salz, dafür mit einer Knoblauchpaste bestrichen und gebacken) und ein Nougatstangerl.

Das Nougatstangerl kaufte ich mir seit Jahren schon. Es ist kalorienreich, hat wenig Nährwert und ist eigentlich genau das, was man zum Frühstück nicht essen sollte. Aber es ist köstlich und eine kleine Sünde, es tut der Seele gut und wer will schon ewig leben?

Der Knofispitz ist jetzt nährwerttechnisch gesehen auch kein Aufschrei. Aber zumindest sagt man, der Knoblauch hielte einen gesund und wäre Garant für ein langes Leben (also im Grunde ein guter Ausgleich zum Nougatstangerl). Auch wenn er einsam mache, wie ein chinesisches Sprichwort warnt.

Jetzt ging bei der Kollegin und mir die Mär, dass ich mit meinem täglichen Knofispitz das Büro endlich Kollegen-frei bekommen wolle. Stimmt natürlich nicht. Aber es erheiterte uns sehr. Denn manchmal waren meine beiden Kollegen irgendwo in der Produktion unterwegs. Dann saß ich da ganz alleine in dem großen Raum mit meinem Knoblauchstangerl. Endlich hätte ich mir mit dem Knoblauch ein wenig Abstand verschafft.

Meine beiden Bürokollegen haben mir immer glaubhaft versichert, dass man den Knofispitz kaum riechen würde und das gar nicht störte. Sollten sie aus Höflichkeit so gesprochen haben, dann würden sie jetzt mit den Konsequenzen leben müssen.


Corona kam, der Bäcker wegen der Ansteckungsgefahr nicht mehr. Ich änderte meine Gewohnheiten, nahm die Jause von daheim mit, weit gesünder und vollwertiger als mein Nougatstangerl und der Knofispitz zusammen. Wenn man etwas lange genug macht, wird es eine neue Routine. Wenn heute der Bäcker vor dem Tor hupt, dann reagiere ich gar nicht mehr.

Der Witz mit dem Knoblauch taucht trotzdem immer mal wieder auf. So wie neulich, als ich Knoblauch-Ciabatta gebacken habe. Mit so unwahrscheinlich viel Knoblauch drin, dass dem liebsten Mann und mir daheim beim Backen die Tränen in die Augen gestiegen sind. Trotzdem muss der Knoblauch etwas Unwiderstehliches an sich haben. Denn die Ciabattas waren fast augenblicklich verspeist.

Ich sitze immer noch öfter allein in meinem Büro, die beiden Kollegen sind irgendwo in der Firma unterwegs. Aber am Knoblauch liegt das dann sicher nicht …

Werbung

2 Gedanken zu “Operation Knofispitz.

  1. Hallo Du! Schön, Dich gerade zu lesen und ich erinnere mich an vergangene Zeiten, die noch gar nicht so lange her sind, aber doch scheint es eine andere Welt gewesen zu sein! Ich wünsche Dir eine schöne Adventszeit, eine Menge Kraft, Stärke, Humor und Gesundheit! 💝

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..