Aufräumen.

Ich öffne meinen Blog (seit Ewigkeiten, wie mir scheint). Ich habe lange nicht mehr reingelesen, fühle mich beinahe etwas fremd hier. Überfliege die Blogroll und lande dann bei den Entwürfen. So viele halbfertige Entwürfe, Ideen, Gedanken … Mir wird fast schwindlig dabei.

Und dann beginne ich zu entrümpeln, abzustauben, auszumisten. Lese nach, verändere, verschiebe in den Papierkorb. Manches veröffentliche ich. Veröffentliche auch im Nachhinein, niemand wird den Beitrag so finden, aber mir ist die chronologische Ordnung wichtig. Als ich kurz überprüfe, ob irgendjemand kürzlich meinen Blog besucht und ein Daumen-hoch dagelassen hat, werde ich stutzig. Eigentlich dachte ich, ich hätte meinen Blog auf „privat“ gestellt.

Ich weiß nicht, ob dieses Lieblingskind der vergangenen Jahre wieder mehr Raum bekommen wird. Manchmal überlege ich, wenn ich an den Blog denke, was ich denn schreiben könnte und wollte. Und dann fühlt es sich an, als wäre meine ganze Fantasie irgendwie weg, verschüttet vielleicht, zurückgezogen in einer vergessenen, dunklen Ecke meines Hirn. Ich spiele ein bisschen herum mit Schreiben und Beiträgen und beobachte mich, wie ich mich dabei fühle. Das einzige, was ich zuletzt noch schrieb bzw. noch schreibe, ist mein Tagebuch, dass ich seit einiger Zeit nur noch online führe.

Diese Seite, wo ich mein Passwort nicht zurücksetzen kann und es mir besser gut merke, weil ich ansonsten keinen Zugang mehr habe. Das besorgte Ich überlegt manchmal, was mit all meinen Gedanken passiert, wenn es diese Tagebuch-Seite einmal nicht mehr geben sollte? Eigentlich egal. Ich lese auch so kaum jemals zurück in die Vergangenheit. Es geht mir wohl eher ums Niederschreiben und Reflektieren und für mich selbst Überlegen, warum und wieso und weshalb.

Wie üblich schweife ich gedanklich ab. Doch, ich überlege schon manchmal, ob ich meinem Blog ein Thema geben soll, eine bestimmte Richtung. Und damit dann einen Neuanfang wage. Aber ich verwerfe den Gedanken meist schnell wieder. Ich kenne mich. Ich fange begeistert Dinge an, verfolge sie ein paar Jahre mit viel Ausdauer und danach verebben sie langsam. Entweder, weil etwas Anderes mich mehr begeistert oder weil ich Fertigkeiten soweit erlangt und verfeinert habe, dass ich gewissermaßen ein Plateau erreiche.

Mich auf nur eine Sache zu konzentrieren ist mir zu wenig. Man mag das als unstet, wankelmütig oder flatterhaft bezeichnen. Ich nehme mir die Freiheit und sage: Ein Hoch auf die Vielfalt!

Die Muse schläft einen Dornröschenschlaf bei mir zuhause im Wintergarten und verstaubt ein bisschen. Sie sitzt mit den anderen Helden im Puppenwohnzimmer und hat jegliche Proteste aufgegeben. Ich sehe sie regelmäßig da sitzen, wenn ich im Wintergarten mein Akkordeon auspacke.

Die Muse hat keine Eile. Sie ist voller Zuversicht, dass auch wieder aktivere Tage kommen werden. Bis dahin hört sie mir zu, wie ich nach all den Musette-Walzern jetzt bei Blues und Jazz angelangt bin, mit schmerzhaft verrenkten Fingern schwierige, ungewohnte Akkorde spiele und mich langsam immer besser hineinhöre in eine mir unbekannte Musik. Verschwörerisch grinsen sie und Heinzelfrau Rosalind (ihr erinnert euch vielleicht) sich an. Frau Vro räumt ihren Blog auf …

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10 Gedanken zu “Aufräumen.

  1. So still oder gar verstummt wirkt deine Schreib-Muse jedoch nicht zu sein.
    Aber ich versteh‘ was du meinst. Ich seh‘ das bei anderen die schon seit Jahren schreiben. Solche Phasen sind normal. Manche hören auch nicht auf „nur“ eine Phase zu sein.
    Aber – manchmal dauert es auch länger aber einige Blogger, die wirklich einst viel Herzblut reingesteckt haben, kommen plötzlich wieder zurück. Also gib deinen Blog nicht auf. Lass ihn liegen, aber nicht verschwinden.
    Die Muse schläft, vielelicht ist sie verstummt – aber ich finde, deine Muse zeigt sich durchaus in deinem Beitrag hier. Und sie erfreut. Mich zumindest ;)

    Gefällt 1 Person

  2. Aus meiner ganz persönlichen Sicht heraus würde ich es als deutlichen Verlust empfinden, wenn du der Blogosphäre dauerhaft den Rücken kehren würdest. Im Übrigen vertrete ich die Ansicht, dass es besser ist, etwas vielleicht nur „ein paar Jahre mit viel Ausdauer“ zu tun als gar nicht erst den Versuch dazu zu unternehmen,

    Gefällt 2 Personen

  3. Hallo liebe Vro, ich bin auch seit ganz langer Zeit mal wieder auf meinem Blog…und scrolle… und entdecke…ähnlich wie Du. Ich möchte den Blog nicht aufgeben, bin aber wirklich nicht mehr so oft hier unterwegs. Ich weiß, woran das liegt und sinne gerade darüber nach, ob ich das ändern werde/kann/möchte…

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