abc-Etüde 11/18.

Das Jahr schreitet zügig voran, merkt ihr das auch? Ich denke es mir jeden Sonntag aufs Neue, wenn Christianes neue Schreibeinladung in meinem Reader auftaucht. Die Wortspende kommt diesmal von Natalie und die Regeln bleiben wie immer, nämlich drei Wörter in maximal zehn Sätzen zu einer Geschichte zu verspinnen.

2018_11_1_eins lz | 365tageasatzaday

Das Tagpfauenauge flatterte nach dem Winter durch den Park, es war von den ersten warmen Märzsonnenstrahlen geweckt worden und suchte nun nach Nahrung.
Viele Menschen schlenderten langsam und ohne Ziel die Promenade entlang und hielten ihre Gesichter in die Sonne, manch einer entdeckte freudig den ersten Schmetterling.
Das Tagpfauenauge aber hatte keine Zeit für Müßiggang, es hatte Hunger und musste bald etwas zu essen finden.
Dort drüben würde es sich niederlassen, dort, wo schon seit vielen Jahren die Weide stand, die jetzt um diese Zeit blühen musste.
Doch wie ernüchternd war die Wirklichkeit!
Es stand keine Weide mehr da, der Boden war versiegelt, wieder nur glatte dunkle Asphaltflächen, noch mehr Parkplätze für jene, die die Promenade entlang schlendern wollten.
Erschöpft und ausgezehrt vom Winter ließ sich das Tagpfauenauge auf einer Holzbank nieder und achtete gar nicht auf die junge Frau, die auf der Bank saß und nachdenklich auf die Parkplätze sah.
Da drehte sich die Frau plötzlich zu dem Schmetterling um, nahm ihn vorsichtig in ihre hohle warme Hand und versprach: „Ich werde Blumen säen in meinem Garten, ganz viele Blumen!“
„Und eine Weide pflanze ich auch!“, fügte sie noch hinzu, als sie mit dem Schmetterling in ihrer schützenden Hand davonging.

 

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6 Gedanken zu “abc-Etüde 11/18.

  1. Eine Geschichte ,die mich sehr rührt.
    Das Verschwinden der Falter tut so weh.
    Die Frau sollte aber bevor sie eine Weide pflanzt sofort damit aufhören, Brennnesseln in ihrem Garten zu jäten (falls sie das denn je getan hat), denn davon ernährt sich die Raupe des Pfauenauges, genau wie die des Kleinen Fuchses und im Gegensatz zu dem fertigen Falter ist die Raupe der sprichwörtliche Nimmersatt.
    Natalie

    Gefällt 1 Person

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