Schreibkick: Kommerzieller Valentinstag.

Es soll ja manchmal vorkommen, dass sich meiner ganz schrecklich verquere Ideen bemächtigen. Jedenfalls flüstert das meine Muse und schaut mich mit angstgeweiteten Augen an, weil sie nicht weiß, ob ich jetzt dann überschnappe oder sonst irgendwie gefährlich bin. Sie distanziert sich ganz energisch von diesem Schreibkick. Zum Lebens-Ernst und zu Rosalind flüstert sie, dass ich total plemplem sei. Der Schweinehund lacht nur, wie er es immer tut. Was soll denn bitte so anders an dieser Geschichte sein, will er wissen. Die Menschen hielten sich ja schließlich auch Haustiere. Aber die Muse ist viel zu verwirrt, um hier auch nur eine halbwegs vernünftige Diskussion zustande zu bringen.

Am besten, ihr lest selbst! Und dann entscheidet, ob ich wirklich plemplem bin. Ihr müsst mir das auch nicht unbedingt sagen.


Valentinstag und der Traum vom großen Geld.

Ungelenk schälte sich Askdasfjöak aus dem Volk der Örks aus seinem Laksjfl. Er hatte schlechte Laune. Auf seinem Heimatplaneten Qisoad wurde morgen Valentinstag gefeiert. Irgend so ein blöder Feiertag, den der oberste Häuptling Ööleklrj vor unzähligen Dekaden von einem anderen Planeten mit nach Hause genommen hatte. Am Valentinstag musste man irgendwelchen Schrott oder Blumen kaufen und sie seiner Angebeteten schenken. So war das auf dem Planeten Erde Brauch. Doch die Örks hielten nicht viel von Krimskrams, der auf einem Regal verstaubte, geschweige denn von Blumen. Blumen gab es auf Qisoad auch gar keine. Überhaupt hatte Askdasfjöak keine Lust, mit seinem schrottreifen Laksjfl auf einen Planeten in der dritten oder vierten Umlaufbahn zu fahren, nur um ein paar Blumen zu kaufen, die bei seiner Rückkehr dann ohnehin welk oder pulverisiert oder verstrahlt waren. Er wurde immer unleidlicher und gereizter. Ihn nervte dieser komische Brauch ganz gewaltig. Was kümmerten ihn Ööleklrj und seine Frau, diese dürre Bohnenstange, die nie genug zu essen bekam? Die wollten doch nur angeben und taten, als wären sie ultra hipp und voll modern. Man müsse mit der Zeit gehen und die Trends mitmachen, sagte Ööleklrj. Pah! Nichts musste man.

Aber dann fiel ihm plötzlich ein, wie schon seine Ahnen um ihre Angebete geworben hatten. Ja, genau. So würde er es auch halten. Er würde den Valentinstag revolutionieren. Ihn total kommerzialisieren. Würde ihm sein angestaubtes und immer noch fremdes Image nehmen und damit ein Riesengeschäft machen. Es war so einfach! Der Valentinstag würde ein völlig neues Gesicht bekommen. Er startete sein altersschwaches Laksjfl, es hustete ein paar Mal und röhrte dann gequält auf. Dann drehte er den Geschwindigkeitsknopf bis zum Anschlag hoch und raste mit Überschallgeschwindigkeit Richtung Erde.

Ach, die Erde! Was für ein hässlich bunter Planet, dachte sich Askdasfjöak. Und dann erst diese grauenhaften Flecken, die sich Städte nannten. Er konnte das Wort gar nicht aussprechen. Es kam bestenfalls ein unartikuliertes Grunzen dabei heraus. Aber die Städte waren einfach die besten Plätze, um die perfekten Glulasjfn zu finden. Dick mussten sie sein und schwabbelig, bloss nicht dürr und sehnig. So gefiel es den Frauen der Örks am besten. Eine jede wollte ihr eigenes Glulasjf. Und je dicker, umso lieber hatten sie es. Man konnte seine Beine darauf lagern, konnte damit kuscheln oder es einfach zu Präsentationszwecken in seinem Käfig halten. Manche von ihnen wurden richtig zutraulich und lernten kleine Kunststücke. Dann balancierten sie Teetassen oder machten Purzelbäume. Askdasfjöak stellte es sich wunderbar vor, wie er Ausflugsfahrten nach Erde organisieren würde und wie sich ein jeder in den Städten sein bevorzugtes Glulasjf fangen könnte. Alles natürlich gegen einen entsprechenden Obolus. Er verstand gar nicht, warum diese Tradition aus der Mode gekommen war. Waren es die hohen Kosten? Der Weg zur Erde war nicht weit. Oder war es die kurze Lebensspanne eines Glulasjf? Nun, als Valentinsgeschenk würde es reichen. Blumen blühten noch kürzer. Er würde damit reich werden. Beinahe wieder vergnügt rieb er sich die Hände.

Blöd nur, dass sein Laksjfl bei der Landung eine Brücke rammte und dabei den Überschallantrieb verlor. Blöd auch, dass er seine Aktion so geheim gehalten hatte, dass auf Qisoad niemand wusste, wo er zu suchen gewesen wäre. Und ganz blöd, dass diese primitiven Glulasjfn sich zu wehren wussten und keinerlei Interesse hatten, zu einem Haustier auf Örks zu werden. Askdasfjöak blieb gar nichts Anderes übrig, als sich anzupassen, so gut es eben ging, wenn er nicht selbst in einem Käfig landen wollte. In einem Käfig der Glulasjfn! Man stelle sich das vor! Das wäre ja echt mal ein ganz schräger Witz des Lebens. Vielleicht würde irgendwann einmal jemand von seinem Heimatplaneten vorbei kommen. Bis dahin musste er die Zeit überstehen. Aber da er kein Örks war, der sich so leicht unterkriegen ließ, stürzte er sich in dieses Abenteuer, war listig und fintenreich und wurde eines Tages sogar zum Präsidenten gewählt. Zwar traf er manchmal reichlich eigenartige Entscheidungen, aber das schien die Glulasjfn nicht zu stören. Wenn er daran dachte, wie leicht sie zu täuschen waren, musste er laut lachen. Vielleicht sollte er ein Buch darüber schreiben. Er würde berühmt werden. Genau! Das war sein neues Projekt. Es war ja eigentlich egal, wo er berühmt wurde, ob hier auf der Erde – auch wenn sie wirklich grauenhaft bunt war – oder daheim auf Qisoad. Die Idee mit dem kommerziellen Valentinstag hatte er fast vergessen, auch wenn er Jahr für Jahr Zeuge des kollektiven Werbewahnsinns wurde. Er verstand jetzt, wie sein Häuptling das gemeint hatte mit den Blumen. Das war ja völlig abartig, sich Blumen im Zimmer aufzustellen. Er hatte immer gedacht, man würde sie herschenken und dann damit einen hübschen Salat anrichten.

Für den Moment aber musste er es sich hier so gut einrichten, wie es eben ging. Irgendwann würde er zurückkehren nach Qisoad, er würde ein paar der stattlichsten Glulasjfn mitnehmen und den Männern der Örks verkaufen, damit sie ein ausgefallenes Geschenk für ihre Frauen hatten. Wer brauchte schließlich Schokolade?


Der Schreibkick ist eine Idee von Sabi Lianne.

Mit dabei waren:
Eva
Rina
Monika

Das Thema für den 1.4.2018 lautet: Sanfte Frühlingslüftchen und eisige Winde

9 Gedanken zu “Schreibkick: Kommerzieller Valentinstag.

  1. Die Muse und Rosalind sehen das nur aus dem falschen Blickwinkel ( einer idealen, schönen Welt). Die Geschichte erklärt so einiges, was sich derzeit auf der Erde abspielt und die Namensgebungen (Asdf…) finde ich einfach köstlich! ;)

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    • Manchmal, wenn mir so gar nichts einfallen will, lege ich meine Finger in der 10-Finger-Schreibsystem-Grundstellung (pfuh, was für ein Wort!) auf die Tastatur und tippe einfach sinnlos dahin. Soviel zur Namensgebung! ;-)
      Was die Erforschung anderer Planeten anbelangt, hoffe ich, dass uns keiner findet und wir auch niemanden. Es geht immer nur um den Nutzen, wenn vielleicht auch unter dem Deckmäntelchen der friedlichen Erforschung. Warum sollten andere Völker das anders handhaben als wir Menschen?

      Gefällt 1 Person

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