abc-Etüden 2/18.

Neues Jahr, neues Glück, neue Schreibetüden! Christiane hat ihre erste reguläre Schreibeinladung für heuer ausgesprochen, Ludwig Zeidler zeichnet wie immer schon für die Grafik verantwortlich, die drei Wörter wurden von Christiane selbst gespendet.
Und auch sonst bleibt alles beim Alten – drei Wörter in maximal zehn Sätzen in eine Geschichte verpacken.

2018_02.18_1_eins_lz | 365tageasatzaday

„Ach, was ist denn das nun wieder“, dachte sie entnervt, als sie den Kuchen aus dem Rohr holte und wieder einmal feststellen musste, dass sie zwar ein gute Kinderärztin war, aber mit kochen und backen keine Meisterschaften gewinnen würde können.
Sitzen geblieben war das elendige Monstrum, ausgerechnet heute, wo die Schwiegermutter zum Kaffee kam, und sie hatte keine Ahnung, wie sie den speckigen Kuchen rechtfertigen sollte – sie war auch nicht ganz sicher, an wen sie bei dem „elendigen Monstrum“ jetzt genau gedacht hatte.
Mit hochgezogenen Augenbrauen würde die Schwiegermutter ihn begutachten und mit spitzen Fingern ihre Gabel hineinstechen, bevor sie ihn angewidert von sich schieben würde.
Den Tränen war sie nahe, naja, es waren eher Zornestränen, weil sie sich das wirklich bildhaft ausmalen konnte, wie sie mit diesem Ich-habe-es ja-immer-schon-gewusst-Blick zu ihrem Sohn hinsehen und dann tief aufseufzen würde.
Seit Wochen putzte sie wie eine Wahnsinnige, kramte in allen Ecken und wischte bis in hinterste Ecken, denn vor der Schwiegermutter war gar nichts sicher; man wähnte sie auf dem Klo und dann kam sie aus dem Schlafzimmer heraus.
Aller Einspruch gegen dieses übergriffige Verhalten hatte nichts gebracht, ihr Mann wurde zum Muttersöhnchen, sobald sie auftauchte.
Mittlerweile hatte sie, die böse Schwiegertochter, den Kontakt auf ein Minimum reduziert, lud sie nur noch ein einziges Mal im Jahr ein, das war Bürde genug und ließ sich nicht vermeiden.
Plan B musste jetzt in Kraft treten, der ungeliebte Besuch würde in einer halben Stunde da sein, ihr Mann holte sie gerade mit dem Auto ab!
Sie schlüpfte in ihren Mantel und ihre Stiefel, schnappte sich Schlüssel und Geldbörse und huschte hinunter auf die Straße, schnell um die Ecke zum Bäcker und kaufte einen Guglhupf, der normalerweise so trocken war, dass es bei den Ohren heraus staubte – der Schwiegertiger würde ihn lieben.
Wieder zuhause angekommen richtete sie den Guglhupf hübsch auf einer Platte an und sprach laut und deutlich: „Alexa, ruf mich in einer Stunde an und berichte von einem Notfall, zu dem ich dringend kommen muss.“


Ich möchte hier gleich einmal klarstellen, dass meine Schwiegermutter eigentlich sehr pflegeleicht und lieb ist. Aber es soll sie ja geben, diese schrecklichen Schwiegermütter, habe ich mir erzählen lassen.

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2 Gedanken zu “abc-Etüden 2/18.

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