Vanillekipferlkampfanzug.

In den vergangenen Weihnachtsferien war ich fast nur in sportlicher Bekleidung anzutreffen. Morgens schnell in Sportleiberl und Gymnastikhose geschlüpft und fertig. Was meinem Schweinehund jedes Mal aufs Neue einen Schock verpasst, weil er annehmen muss … ach herrje … sie wird doch nicht schon wieder.

Nein, wird sie nicht. Der Eifer hat sich in Grenzen gehalten. Aber wenn man sich schon nicht jeden Tag sportlich betätigt, so kann man zumindest schon einmal so aussehen. Außerdem sind die dehnbaren Sachen wirklich herrlich bequem. Zwar wäre es vermutlich zielführender gewesen, mich in die Jeans hinein zu quälen, die mir seltsamerweise vor den Weihnachtsfresstagen viel besser gepasst haben. Dann hätte mein Körper gleich eine natürliche Begrenzung von außen gehabt und ich hätte mir vielleicht das ein oder andere Vanillekipferl verkniffen. Weil ich aber eher zu den Genussmenschen gehöre, ist das lediglich ein rein hypothetischer Gedankenansatz. Ich hätte mir kein einziges verkniffen. Wozu sind Vanillekipferl schließlich da? Wahrscheinlich hätte ich eher den obersten Hosenknopf aufgemacht.

Trotzdem ich also meine Vanillekipferl Stück für Stück ohne Reue genossen habe, drängt es mich jetzt nach Bewegung. Und weil ich abseits vom Genuss doch recht häufig auch ziemlich impulsiv bin, weiß ich selber nie so genau, wann es mich denn jetzt plötzlich überkommt, dass ich Sport machen will. So ist es irgendwie auch eine praktische Überlegung, am  Morgen gleich ins Sportoutfit zu hüpfen. Dann muss ich mich nicht womöglich später x-mal umziehen, weil mir plötzlich nach sportlicher Betätigung ist. Es ist auch eine Vorsichtsmassnahme. Denn während ich mir noch denke, ich übe jetzt eine halbe Stunde Yoga und während ich mich gerade dementsprechend umziehe, fällt mir womöglich der Lurch am Boden auf und – man wagt es kaum zu denken – staubsaugen wird plötzlich wichtiger. Ja, es ist besser, wenn ich da gleich adäquat angezogen bin, dann lenkt mich auch nicht so schnell etwas ab.

Deshalb lehnen auch die Walking-Stöcke im Vorraum neben der Haustür und deshalb steht das Mountainbike griffbereit in der Garage, fix fertig in Fahrtrichtung zum Tor hinaus. Weil, also, ich habe ja viele Leidenschaften. Und mir wird so schnell auch nicht langweilig. Wenn ich also beispielsweise mit dem Mistkübel rausgehen will und da lehnen diese Stöcke so aufreizend bei der Haustür … möglich, dass ich den einen stehen lasse, die anderen schnappe und eine Stunde durch den sonnigen Wintertag marschiere. Kann ja alles sein!

Falls jetzt jemand von euch beunruhigt anmerkt, ob ich in allen Bereichen meines Lebens so impulsiv sei. Nein, ich kann mich üblicherweise schon beherrschen. Meine Impulsivität hat zum Glück ihre Grenzen und betrifft im Allgemeinen meine freizeitlichen Aktivitäten und bewegt sich in legalen Gefilden. Der Schweinehund vergisst das trotzdem von einem Tag auf den anderen immer wieder und ist jeden Morgen aufs Neue erschüttert, klammert sich angstvoll an seine Kekse und drückt sich an mir in meiner Sporthose vorbei. Auch der liebste Mann fragt mich neuerdings, ob ich schon fort war oder noch fort gehe.

Neulich erst habe ich mich vor ihm aufgebaut und mit gewichtiger Stimme verkündet, dass ich meinen Vanillekipferln, die sich liebevoll und hartnäckig an meine Hüften schmiegen, jetzt wieder den Kampf ansage. Er muss mich wohl schlecht verstanden haben, denn er fragte mich ziemlich überrascht nach meinem Vanillekipferlkampfanzug. Stille Post lässt grüßen! Womit ein neuer Begriff geschaffen war. Womöglich wird das sogar das Wort des Jahres! Dem Schweinehund gefällt es jedenfalls. Es klingt so martialisch mit diesem kleinen Touch femininer Gemütlichkeit.

 

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9 Gedanken zu “Vanillekipferlkampfanzug.

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