Schreibkick? Entrümpeln? Oder doch nicht?

Der Lebens-Ernst hebt entrüstet seinen Zeigefinger, dass das wohl wirklich kein geeigneter Text sei. Ob mir nichts Besseres einfällt, wenn das Thema „Die Lebensuhr“ heiße?
Aber er wirkt müde und überhaupt scheinen auch ihn die Feiertage trotz all seiner Vernunft etwas mitgenommen zu haben. Aber jetzt sei da ein neues Jahr und neues Glück und neue Möglichkeiten und … und der Schreibkick sei da auch, ich wäre ohnehin schon zu spät.
Ich stoppe ihn in seinem Ideenfluss und widerspreche. Das habe doch alles nichts mit dem neuen Jahr zu tun, dass hier etwas geändert gehörte. So Veränderungen könne man immer starten, egal zu welcher Jahreszeit.

Die Muse kichert schadenfroh vor sich hin und murmelt etwas davon, dass ich ja lediglich nach einem Aufhänger für den heutigen Beitrag suche. Weil sich ein zweiter Jänner ja wunderbar dafür eigne, über Veränderungen zu sprechen. Das habe durchaus etwas mit Vorsätzen zu tun, ganz egal, wie ich dieses Kind zu benennen gedenke. Aber auch hier widerspreche ich, denn der Gedanke an Veränderung begleitet mich schon länger. Ich bin bis jetzt schlichtweg noch nicht dazu gekommen.

Ach, alles Ausreden, wirft jetzt sogar Heinzelfrau Rosalind ein. Wer etwas will, der findet Wege und wer etwas nicht will, findet Gründe. Vielleicht wäre eine Blogpause fällig, meint sie, um mir einmal darüber klar zu werden, was ich jetzt eigentlich will. Meine Muse kreischt erschrocken auf. Eine Pause? Nein, das geht nicht. Unmöglich. Wir seien unseren Lesern etwas schuldig. Ach, und was wäre das, brummt der Schweinehund, der in der Keksdose nach letzten krümeligen Weihnachtskeksen kramt. Und auch der Lebens-Ernst wiegt nachdenklich den Kopf. Pause – ja/nein?

Ich winke ab. Keine Pause. Es gibt genug Geschichten, die ich mir aus dem Ärmel schüttle. Der Ernst wagt einzuwerfen, dass eine gewisse Kontinuität fehle, dass ich doch im Grunde meines Herzens nicht zufrieden sei. Ich schüttle meinen Kopf. Zwar etwas müde, aber das ist doch jedes Mal so, dass sich am Anfang des Jahres eine gewisse Müdigkeit einstellt. Die Unzufriedenheit sporne einen schließlich dazu an, dass man in die Veränderung komme.

Der Lebens-Ernst ist immer noch nicht überzeugt. Und fordert mich auf, mal ein wenig konkreter zu werden. Also dann …

Ich mache beispielsweise gern bei den diversen Aktionen in Bloghausen mit. Es dient dem gegenseitigen Kennenlernen, es macht Spaß und den eigenen Blog macht es ebenfalls bekannter. Denn ganz egal, was man so gemeinhin behaupten mag: Ich freue mich, wenn meine Leserschaft wächst. Sie wächst langsam, aber stetig. Und ich wäre hier wirklich unehrlich, wenn ich behaupten wollte, dass mir das nichts bedeutet.

Voriges Jahr zu Weihnachten – also eigentlich Weihnachten 2016 – habe ich das Projekt Graustufe von Jan entdeckt. Schwarz/Weiß-Fotografie ist jetzt nicht unbedingt mein Lieblingsthema. Ich habe mich bis dahin damit auch nicht groß beschäftigt. Aber ich sah es als Herausforderung an, um auch mal anders an meine Knipserei heranzugehen.
Leider ist das Projekt Graustufe sehr bald eingeschlafen. Ich kenne die Gründe nicht. Ich habe das Projekt also da in meinem Menü stehen, aber es tut sich nichts mehr. Was also soll ich tun? Soll ich es einfach rauslöschen und vergessen? Oder soll ich dem Kind einen anderen Namen geben und es für mich selbst weiterführen? Ich bin unschlüssig.
Lass es bleiben, meint Heinzelfrau Rosalind. Du kommst weniger zum Fotografieren, als dir lieb ist und mit s/w hattest du es ohnehin noch nie so. Selber in anderer Form weiterführen taugt nix. Das ist nicht dein Baby und dass es so früh verstorben ist, dafür kannst du nichts.

Und was ist mit den Magischen Mottos? Ich mag es, wenn es bei Fotoprojekten wie diesem von Paleica ein Monatsthema gibt, zu dem man sich versuchen kann. Auch Paleica hat mit dem Dezember-Motto ihr langjähriges Fotoprojekt beendet. Manchmal kommt einem die Lust abhanden und dann ist es besser, etwas zu beenden. Ich bin froh um die zwölf Monate und ihre Themen.
Der Schweinhund grunzt leicht genervt, warum ich dann da noch drauf herumreite. Der Käse sei gegessen, das Thema abgeschlossen. Fotografieren könne ich auch ohne einer Vorgabe von anderen. Was ich denn überhaupt wolle, meint er noch. Ich brauchte keinen, der mich permanent an der Hand nimmt.

Ach ich weiß auch nicht …

Überhaupt finden sich auf meinem Blog einige Projekte, wo ich gerne mitgemacht habe, wo es mittlerweile sehr still geworden ist. Die Story-Samstage bei TanteTex gibt es nicht mehr. Die Montags-Fragen beim Buchfresserchen inspirieren mich nur noch selten, aber das liegt vielleicht an meiner minimalen Lesefrequenz. Bei Herz&Verstand schreibe ich weniger als ursprünglich beabsichtigt. Was heißt „weniger“, ich schreibe praktisch gar nicht. Meine Buch-Weltreise geht nicht voran. Auch meine eigenen Rubriken fülle ich nur mässig. Fast scheint es mir, ich müsste mal aufräumen hier. Alles überdenken und neu ordnen. Mir vielleicht ein gewisses Konzept überlegen, was ich wann wie mache. Weil ich zum Beispiel für die Musenküsse ja auch einen fixen Tag im Monat eingeplant habe.

Ich stelle einmal mehr fest, dass ich – wie so oft – mehrere Baustellen am Laufen habe und irgendwann den Überblick zu verlieren drohe. Ich gelobe Besserung. Wirklich! Zumindest ein bisschen Besserung! Die Weihnachtsferien wären ein guter Zeitpunkt zum Aufräumen. Da können das Leben und der Blog noch so bunt sein, ein wenig Struktur braucht beides. Oder was sagt ihr? Wovon wollt ihr mehr?

Muse Lila Grazia von und zu Größenwahn und Heinzelfrau Rosalind bringen es schließlich auf den Punkt.
„Frau Vro, du machst viel zu viel“, stellen beide fest. Und erklären mir, dass ich mittlerweile bei so vielen Projekten mehr oder weniger regelmässig mitmache, dass das unmöglich auf Dauer funktionieren könne. Eigene Beiträge und Mitmachaktionen und dann nur einen Post pro Tage, sie schütteln entschlossen ihre Köpfe, nein, das sei ganz und gar unmöglich. Ich müsse mich entscheiden.

Während ich über Organisatorisches sinniere, schleppt ausgerechnet der Schweinehund die Yogamatte heran, damit ich zuallererst einmal das OM übe. Ruhe und Gelassenheit. Vielleicht will er mich aber auch beschäftigt wissen, damit er in Ruhe nach Keksen suchen kann. Meine Muse hüpft vorbei und verstreut ihre Notizzettel, das Entrümpeln und Verändern-Thema ist besprochen und sie macht weiter wie bisher.
„Wir brauchen noch eine Geschichte für den Schreibkick, die Jahresuhr ist das Thema“, sagt sie. Ich passe. Ich habe keine Idee.
„Echt jetzt? Du willst wirklich aussetzen? Das gab es ja noch nie!“
Sie ist entsetzt. Aber ich beschließe das hier und jetzt und es fühlt sich richtig an.
Und der Lebens-Ernst? Ja, der rauft sich die Haare und ist dem Kollaps nahe, weil wir so ein unorganisierter Haufen sind. Außerdem sei das jetzt wirklich nicht der geeignete Beitrag für ein Schreibkick-Thema, motzt er herum.

Aber eigentlich läuft es ja trotzdem ganz gut …


Auch wenn das jetzt kein typischer Schreibkick ist, so will ich euch doch nicht vorenthalten, wer dieses Mal bei der Idee von Sabrina mitgemacht hat.

Eva
Rina P.
Corly 
Nicole
Monika

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12 Gedanken zu “Schreibkick? Entrümpeln? Oder doch nicht?

  1. Pingback: Schreibkicks – Januar – Jahresuhr – Erinnerungen – Geschichtszauberei

  2. Pingback: Schreibkick: Jahresuhr | Evas Geschichten

  3. Pingback: Schreibkick: Jahresuhr | Nicole Vergin

  4. Du sprichst mir aus der Seele.
    Schon öfter stand ich vor diesen Entscheidungen.
    Früher hatte ich ja mehrere Blogs, und war bei vielen – wie ich jetzt weiß, bei zu vielen – Projekten dabei. Manchmal war ich richtig im Streß dadurch, bzw sah alles nur nach dem Motto, zB Rund oder Rot, ich rannte durch die Gegend und suchte ein Motiv …
    Was weitermachen, was aufhören?
    Wenn ich was beendete, bekam ich manchmal bitterböse Mails. Vielleicht weil ich mich traute, aufzuhören, und sie nicht . Irgendwann endeten meist alle Projekte danach.
    Jetzt bleib ich, solange es stimmig ist.
    Wenn mir was wichtig war, führte ich es selbst weiter.

    Für mich war es schon immer ein Rätsel, wie Du das alles schaffst. Deinen Alltag, und Deinen Blog.

    Bei Dir lese ich sehr gerne, wie schon gesagt 😉
    Sehr gerne mag ich die Geschichten über die Muse und Co.
    Mehr lesen möchte ich über Rapunzel/Dornöschen.

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  5. der text ist wirklich ganz großartig geworden. es tut mir sehr leid, dass ich dir auf diese art kopfzerbrechen beschert habe 😉 aber ich bin sicher, es findet sich etwas, womit sich dieser platz füllen lässt. tatsächlich hat sich die blogosphäre arg verändert finde ich und projekte wie sie früher waren passen irgendwie nicht mehr so ganz. wie passt es heute? das weiß ich noch nicht. aber es werden wieder neue chancen kommen 🙂

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