Heute lese ich …

Kai Meyer, Das Buch von Eden

Kai Meyer ist einer meiner Lieblingsautoren. Das Buch von Eden ist ein historischer Schmöker, den ich erst im zweiten Anlauf gelesen habe. Das aber dafür jetzt in einem Rutsch durch. Manchmal scheine ich auch mit einem Lieblingsautor Schwierigkeiten zu haben. Warum ich das Buch bereits einmal ausgeborgt hatte und mir jegliche Erinnerung fehlt, weiß ich nicht. Möglich, dass ich in meinem üblichen Überschwang zu viele Bücher  mitgenommen habe und mir dann wie so oft die Zeit zum Lesen fehlte.

Der berühmte Albertus Magnus kämpft sich im Jahr 1257 durch Schnee und Eis. In seiner Begleitung befindet sich ein krankes Mädchen. Gemeinsam suchen sie nach Corax, einem früheren Ritter, der nun zurückgezogen mit seiner Tochter Libuse in einem Turm in der Eiffel lebt. Verfolgt werden sie von Gabriel von Goldau, einem Handlanger des Erzbischofs von Köln, der das Geheimnis, das Favola mit sich führt, um jeden Preis in seinen Besitz bringen will. Dementsprechend blutig ist auch die Spur, die er hinter sich zieht, denn Gabriel und sein Wolfsrudel schrecken vor nichts zurück. So treffen Albertus und Favola auf den Novizen Aelvin, dem es an entsprechender Demut und an Gehorsam mangelt, um sich gut in (s)eine Klostergemeinschaft einzufügen.

Nur knapp entwischen sie Gabriel und reisen fortan gemeinsam weiter. Albertus macht ein großes Geheimnis um das Ziel ihrer Reise. Aelvin weiß lange nicht, warum er unbedingt mitkommen soll. Corax ist auch dabei, obwohl er ursprünglich die Bitte von Albertus zurückgewiesen hat. Aber Gabriel hat Corax und Libuse Schlimmes angetan und diese können nun nur noch die Flucht nach vorne ergreifen. Eine seltsame Reisegruppe ist das, die sich da aufmacht in den Orient. Denn Favola hat die letzte noch lebende Pflanze aus dem einstigen Garten Eden bei sich, die sie hütet und pflegt.

Zur gleichen Zeit in einem anderen Land erfahren wir von der Mongolenprinzessin Sinaida, die Khur Shah, den Anführer der Nizaris in Alamut, heiratet,um weiteres Blutvergießen zu verhindern. Was sie aus Vernunftgründen tat, wandelt sich für sie zu tiefer Liebe und zum Guten. Wenn auch das nur für kurze Zeit. Denn ihr Mann wird von seinem engsten Ratgeber verraten. Shadhan wollte von Khur Shah in die Geheimnisse um den Garten eingeweiht werden, doch dieser zeigt den Garten seiner Frau Sinaida. Das verzeiht Shadhan nicht und liefert Khur Shah und das Volk der Nizaris an den Mongolenführer Hulagu aus, der alle dahinmetzeln lässt. Sinaida ist die Schwester von Hulagus Frau. Diese ist es auch, die Sinaida zur Flucht verhilft.

Die abenteuerliche Reise von Albertus und seinen Gefährten ist ebenso von Verfolgung und Grausamkeiten geprägt wie jene von Sinaida. Während die einen die Lumina zurück an den Platz ihrer Herkunft bringen wollen, damit der Garten Eden erneut erstehen kann, will Sinaida nach Bagdad, um den Kalifen zu warnen. Hulagu will Bagdad erobern, Shadhan ist sein neuer Berater, der als Gegenleistung nur die legendäre Bibliothek haben will.

Zu viele Namen? Seid ihr verwirrt? Alles halb so wild.

Die beiden Handlungsstränge führen schließlich in Bagdad zusammen, wo sich die einzelnen Protagonisten mehr oder minder kennenlernen. Auch Gabriel von Goldau hat seinen eigenen beschwerlichen Weg zu gehen und landet ebenfalls in Bagdad. Sogar Ereignisse aus der Vergangheit finden eine Fortsetzung in der Gegenwart.

Die Suchenden finden das letzte Kartenstück, dass zum ehemaligen Garten Eden führen soll und machen sich wieder auf den Weg. Nur knapp können sie aus dem brennenden Bagdad entkommen, denn Hulagu mordet und brandschatzt die Stadt. Favola will die Lumina pflanzen. Sinaida ihren Khur Shah wiedersehen. Schließlich kommen sie an das Ende ihrer Reise, in die Wüste Rub al-Khali.

Jetzt wollt ihr wohl wissen, wie das so ist mit dem Garten Eden? Ich weiß es nicht.  Kai Meyer bleibt vage und lässt das Ende der Geschichte im Nebel. Aber er beschreibt seine Figuren vielschichtig, besonders Aelvin, den früheren Novizen, der zwischen Favola und Libuse hin- und hergerissen ist und der überdies immer zweifelnder wird, ob er zum Mönchsleben geboren ist. Auch Libuse, die vor allem auf der Suche nach ihrer Mutter ist, von der ihr Vater nie erzählen wollte, ist glaubwürdig. Einzig Albertus Magnus bleibt auf eigenartige Weise unangetastet als ein reservierter Gelehrter, aber womöglich ist das ja so gewollt.

Vom Garten Eden mag man halten, was man will. Das ist sicher ein guter Ausgangspunkt für einen Roman, in dem Historisches und Fantasy zusammentreffen. Ich zweifle ja schon daran, dass die Lumina einen mitteleuropäischen Winter überleben soll, wenn sie einst aus dem in Persien gelegenen Garten Eden kam. Aber darüber kann ich großzügig hinwegsehen. Es ist eine gute Geschichte mit wenigen Überraschungen, ein wenig Übersinnlichem und einem Happy End. Ob auch für die Lumina, kann ich jetzt nicht sagen. Wohl eher nicht, denn ich wüsste nicht, dass irgendwo der Garten Eden wieder aufgeblüht ist.

Mir hat’s gefallen. Und das wird es euch auch, wenn ihr nicht allzu streng seid, was die Historie anbelangt. Wer eine rege Fantasie und einen leichten Magen hat, sollte vielleicht ein wenig Vorsicht walten lassen. Manche Grausamkeiten sind doch ziemlich drastisch beschrieben. Am besten in Erinnerung bleiben werden mir wohl Aelvin, Libuse und Favola. Was den Garten Eden anbelangt, so bin ich mir in dieser Hinsicht nicht ganz sicher. Für mich ist er weniger etwas Greifbares denn ein Gefühl, eher etwas, das vage eine Sehnsucht ausdrückt, die in meinem Kopf ist. Oder noch besser eine Sehnsucht in meinem Herzen.

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9 Gedanken zu “Heute lese ich …

  1. Hey vro,

    das Buch habe ich auch gelesen, hatte es mal vor Jahren auf der Frankfurter Buchmesse ersteigert.
    Fand es ganz nett, muss ehrlich sagen, das ich Kai Meyer seitdem gar nicht weiter verfolgt habe….*kopf kratz*
    Hat er noch viel veröffentlicht?

    LG Torsten

    Gefällt 2 Personen

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