Nebelstein, immer wieder Nebelstein.

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Diesmal bin nicht ich es, die zum Nebelstein unterwegs ist. Sondern mein Älterer. Er ist diese Woche auf Pfadfinderlager ein paar Kilometer vom Nebelstein entfernt. Quasi am Fuße des Nebelsteins, wenn man so sagen will.

Das Lager hat für ihn sehr nass und ungemütlich angefangen. Letzten Samstag haben wir ihn zum Lagerplatz gebracht, einer schönen leicht abfallenden Wiese mit Wald an drei Seiten. Am ersten Tag wird das Zelt aufgebaut und der Herd gemauert. Jede Gruppe hat ihre eigene Lagerküche mit der Patrullenkiste. Das Aufmauern der Feuerstelle aus Ziegeln und Lehm macht ihm immer am meisten Spaß.

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Er gehört derzeit noch in die Altersgruppe der GuSp, der Guides (Mädchen) und Späher (Burschen), wird aber heuer in die nächste Altersgruppe überstellt. Das sind dann die Caravelles (Mädchen) und Explorer (Burschen), kurz CaEx oder wie hier bei uns die Keksis. Mit jeder weiteren Altersgruppe werden die Jugendlichen selbstständiger und eigenbestimmter. Wegen der bevorstehenden Überstellung nimmt er heuer am Zwei-Tages-Hike teil.

Bereits am zweiten Lagertag war Besuchertag, wo sich die Eltern, Großeltern, Geschwister, usw ein Bild vom Lagerleben machen können. Er kommt uns mit seiner Ukulele entgegen und spielt uns ein paar neu gelernte Takte vor. Mein Mann ist etwas besorgt, wie das Instrument das Lagerleben überstehen wird. Es regnet schon den ganzen Tag und Feuchtigkeit ist nicht unbedingt die ideale Witterung für Musikinstrumente. Die Zelte sind nur bedingt dicht und einige der anderen Lagerbewohner haben in der Nacht gleich einen ersten Lagerüberfall getätigt, den mein Sohn und seine Zeltgenossen verschlafen haben. Deshalb steht in den entwendeten Wanderschuhen, die sie draußen vor dem Zelt wiederfinden, in der Früh das Wasser auch zweizentimeterhoch. Als wir am späten Nachmittag zu Besuch kommen, liegen besagte Wanderschuhe beängstigend nahe ums Lagerfeuer zum Trocknen. Das Lagerfeuer brennt unter einer Jurte. Innen ist es brennend heiß, die nasse Plane dampft. Es ist ein wilder Anblick. Die Kinder wirken aber allesamt motiviert. Ich überlege mir allerdings, mit wie viel Kilo Dreck mein Älterer heimkommen wird. Und stelle fest, dass für mich so ein Zeltlager ganz bestimmt nichts wäre.

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Später kochen die jeweiligen Gruppen für ihre Eltern. Mein Kind steht etwas gestresst in der GuSp-Küche, während die anderen eher entspannt wirken. Er schwingt den Pfannenwender und brät Würstel und später Erdäpfel, die ich ihm schälen helfe. Er ist total entnervt, weil es regnet und er keinen Platz hat und alle unter die Plane wollen und keiner hilft. Ich denke an einen jungen Paul Bocuse und Starkoch-Allüren. Ganz zuletzt bekommen wir dann doch noch etwas zu essen. Er und seine Kollegen werden zum Geschirrabwaschen abkommandiert. Dann versammeln wir uns in der Jurte rund ums Lagerfeuer. Jede Gruppe hat kleine Scetches vorbereitet, es ist ein nettes Beisammensein, das auch der nach wie vor anhaltende Regen nicht mindert. Gegen Zehn werden wir hinauskomplimentiert. Es gibt noch eine Flaggenparade, die jeweiligen Sparten-Flaggen werden eingeholt und wir dürfen uns entfernen. Es gibt kein Open End. Unmissverständlich heißt es: Ihr geht jetzt heim.

Die GuSp versammeln sich später noch kurz beim Lagerfeuer und besprechen den Zweitagesmarsch. Noch ist das Ziel geheim. Mein Älterer hat kurzzeitig ein wenig Nervenflattern, als er erfährt, dass sie nur zu dritt losziehen werden. Ausgerüstet mit Kompass und Karte wandern sie zum Nebelstein, werden dort auf der Hütte übernachten und tags darauf wieder zum Lagerplatz zurückkehren. So haben wir Eltern es hinter vorgehaltener Hand erfahren. Gedanklich bin ich bei meinem Kind. Ich finde es beachtlich, wenn man drei 13jährige alleine losschickt. Einer von ihnen wird ein Handy mithaben, wenn sie sich total verirren sollten. Mein Sohn hat sein Smartphone gleich daheim gelassen. Er braucht es ohnehin nicht. Strom haben sie keinen. Nur in den Taschenlampen sind Batterien, damit sie nächtens zur Latrine finden. Auch das ist ein Planenverschlag, aber immerhin mit Klobrille und herrlichem Panoramblick in den Wald.

Wieder einmal der Nebelstein. Der verfolgt mich irgendwie. Daheim haben er und ich sogar noch darüber spekuliert, wohin der Zweitagesmarsch gehen könnte. Auf den Nebelstein sind es knappe zehn Kilometer. Möglicherweise erkennt er die Gegend dann sogar wieder. Einmal war ich mit den Kindern ja schon da. Mein Mann ist übrigens gar nicht so besorgt wie ich. Er meint, die können das. Hmmm! Ja, er kann das. Ganz sicher. Aber wird er die Blasenpflaster in den Rucksack packen oder in der Tasche im Zelt vergessen? Und wird er sich ein zweites Paar Socken einpacken? Hat er genug zu trinken mit? Egal. Er schafft das. Wenn sie sich verirren, dann können sie immer noch bei einem Haus anläuten und nachfragen. Oder allerschlimmstenfalls einen der Lagerleiter anrufen und sich abholen lassen. Nur ob sie ausreichend Handy-Empfang haben? Das ist da in der Gegend nicht so sicher. Vielleicht findet sich sogar ein netter Bauer und bringt sie zur Hütte rauf. Soll ja alles schon vorgekommen sein.

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13 Gedanken zu “Nebelstein, immer wieder Nebelstein.

  1. 😀 Ich verstehe dich. Meine Tochter war mit elf ganz allein mit ihrer gleichaltrigen Freundin im unbetreuten Schwarzwaldurlaub in einem Ferienhaus, das der abwesenden Großmutter der Freundin gehörte. Mit 15 war sie mit einer anderen gleichaltrigen Freundin allein in Budapest. Alles selbst organisiert, ohne die Hilfe Erwachsener. Die können das schon. Aber meine Nächte damals!!!

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    • Gänzlich unbetreut sind sie ja nicht, aber es geht in Richtung Selbständigkeit. Was an sich gut ist. Und ja, die können das. Wir Muttertiere unterschätzen unsere Sprösslinge vielleicht manchmal. Vielleicht, weil wir uns dann weniger gebraucht fühlen?

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  2. Ach … Ich kann mir ja vorstellen, der Dreck ist genau was für ihn … Immer wieder spannend, das aus der Perspektive von Müttern zu lesen, denn (oh, ich wäre so ein lausiger Vater ^^) als großes Kind dachte ich mir:

    Aber wird er die Blasenpflaster in den Rucksack packen oder in der Tasche im Zelt vergessen?
    Vergessen, Blasen laufen und nicht wiederfinden.

    Und wird er sich ein zweites Paar Socken einpacken?
    Unnötiges Gepäck!

    Hat er genug zu trinken mit?
    Und wenn nicht, gibts bestimmt nen Bach, wenn der Durst zu groß ist.

    Und wenn er dann mit Blasen an den Füßen heim kommt, die Socken beim Rückmarsch völlig durchnässt und ziemlich durstig, wird es ihm elend gehen und eine spannende Abenteuergeschichte haben, von der er wochenlang zehren kann. 🙂

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