Eine gute Work-Life-Balance. Meint jedenfalls der Lebens-Ernst.

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Ich bin kaum daheim, schon bauen sie sich vor mir auf. Muse, Heinzelfrau Rosalind, Lebens-Ernst und Schweinehund. Sie hatten immerhin so viel Anstand, dass sie nicht das Schlafzimmer gestürmt und mich zu nachtschlafender Zeit aufgeweckt haben.

„Warum warst du so lange weg? Wir haben überhaupt keine Kekse mehr…“
„… ich schaffe das nicht mit dem Putzen, der Schweinehund versaut alles und schert sich um nichts …“
„… keiner hört auf mich. Nichts als Party und Rambazamba ….“
„… ich habe so viele Ideen und niemand war da, der sie in Geschichten packt …“

Tja, da stehen sie alle vier und reden wild durcheinander. Ich verstehe kaum etwas von dem, was sie von mir wollen.

„Du hast uns im Wintergarten eingesperrt!“ höre ich Rosalind plötzlich vorwurfsvoll alle übertönen. Und dann erzählen sie mir die ganze Geschichte und wie sie sich befreit haben. Ich zeige mich entsprechend zerknirscht. Aber ein kleines Bisschen lachen möchte ich doch auch.

Und dann verspreche ich ihnen, dass ich das wieder gut mache. Gleich am Montagmorgen fahren mein Mann und ich einkaufen. Kekse zum Beispiel, damit der Schweinehund besänftigt ist. Und weil es so heiß ist, starte ich die Waschmaschine und wasche alle Steppdecken und Pölster durch. Rosalind hat ihre Freude, dass wir so viel weiterbringen. Das Hitzewelle muss ja zu irgendwas gut sein auch.

Im Laufe des Tages denke ich mir, dass es schon seinen guten Grund hat, dass wir eine Woche wegfahren. Weil ich mir daheim einfach überall Arbeit sehe. Als endlich Staub gesaugt und das ärgste Durcheinander vom Urlaub weggeräumt ist, fühle ich mich gleich behaglicher. Jedenfalls so lange ich nicht in den Keller gehe. Da stehen reihenweise die Wäschekörbe zum Bügeln und Falten, da liegen immer noch die Wanderschuhe und Reisetaschen herum. Aber das muss warten. Denn am Abend verlangt die Hitze auch von mir ihren Tribut. Während mein Mann mit dem Jüngeren unterwegs ist, weil letzterer unbedingt beim Onkel am Mähdrescher mitfahren will und der Ältere den Nachmittag mit einem Freund im Freibad verbringt, zieht es mich mit aller Macht ins Sonnenbad. Die Hitze scheint mir so unerträglich, dass die Sehnsucht nach kühlem Flusswasser schier übermächtig wird.

Das Sonnenbad! Eine Liegewiese direkt am Kamp, wo am Abend noch lange die Sonne scheint. Der Kamp ist hier tief ausgebaggert und fließt ganz ruhig zu einem Wehr hin. Dunkel und trüb kommt er aus dem Wald heraus. Es gibt einen Holzschuppen, getrennt nach Weiblein und Männlein, wo die Stammgäste ihre Sachen lassen und man sich auch umziehen kann. Die Wiese ist eingezäunt, einige Holzliegen stehen bereit. Zwei Stiegen führen steil ins Wasser. Ich will gar nicht lange hierbleiben. Rein, abkühlen, wieder raus, fertig. Während ich mir beim Reinsteigen denke „Ui, schon frisch!“, reden die älteren alteingesessenen Stammgäste davon, dass der Kamp jetzt schon fast zu warm werde. 21°C müsse er sicher haben.

Das ist auch der Grund, warum ich alleine hier bin. Meine Kinder mögen das Sonnenbad nicht. Der Jüngere schwimmt noch nicht sicher und hat gerne Grund unter den Füssen oder will ihn zumindest sehen. Dem Älteren ist es schlichtweg zu fad. Keine Rutsche. Kein Buffet. Keine Unterhaltung. Zu kalt ist der Kamp allen beiden. Für mich ist es ideal. Ich brauche gar nicht mehr. Ich schwimme eine halbe Stunde ruhig dahin, gewöhne mich schließlich sogar an die relative Kälte, lasse mich auf der Liegewiese noch von der Sonne trocknen und gehe wieder nach Hause. Herrlich!

Daheim habe ich zwar immer noch Chaos, aber es lichtet sich. Das findet auch Heinzelfrau Rosalind und freut sich. Der Lebens-Ernst ist zufrieden, weil ich eine gute Mischung aus Arbeit und Erholung gefunden habe, Work-Life-Balance nennt er das, und ich bin irritiert, weil er plötzlich solche Ausdrücke verwendet. Den Schweinehund habe ich mit ein paar Keksen ruhig gestellt, auch wenn ihm mein Sprung ins kalte Wasser nicht so gefallen hat, er liegt bei der Hitze am liebsten faul herum und bewegt sich nur minimal. Griff zum Keks, Hand zum Mund. So ungefähr. Nur die Muse wartet noch auf neue Geschichten. Leider hat mich eine gewisse Schreibunlust befallen. Mein Blog geht mir im Moment nicht so leicht von der Hand, wie das sonst der Fall ist.

Für heute lasse ich es gut sein. Nur noch draußen am Gartensofa sitzen und lesen, bis es zu dunkel wird. Und danach einfach in die Sterne schauen.

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9 Gedanken zu “Eine gute Work-Life-Balance. Meint jedenfalls der Lebens-Ernst.

  1. Super schön beschrieben!

    Ich war um 20 h noch kurz im Kamp, auf der andren Seite, wo grad die beiden Wohnmobile sind. Ah, es war so herrlich erfrischend!
    Konnte mich kaum trennen …

    Am Samstag war ich im Attersee, der ist kalt! Ich liebe es erfrischend 🙂

    Gefällt 1 Person

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