Heute lese ich …

Ich stecke ein bisschen in einem Dilemma, weil ich nicht so recht weiß, wohin mit diesem Buch. Mir fehlt irgendwie eine passende Rubrik, wo ich es ablegen könnte. Gelesen habe ich es nämlich schon. Aber ich wollte unbedingt etwas darüber schreiben, denn lange Zeit stand ich mit dem Autor auf Kriegsfuß.

 

Terry Pratchett, Das Erbe des Zauberers

Der Zauberer Drum Billet will seinen Zauberstab weitergeben. Und zwar an den achten Sohn eines achten Sohnes, so will es die Überlieferung. Also macht er sich auf zum Schmied, dessen Frau ihr achtes Kind zur Welt bringt. Der Zauberer übergibt den Stab und meint, damit hat es sich. Der achte Sohn des achten Sohnes wird – wie üblich – das Zaubern in der unsichtbaren Universität erlernen. Zaubern ist für Männer, Hexen für Frauen. Das war schließlich schon immer so. Dummerweise unterläuft ihm ein folgenschwerer Fehler. Denn der achte Sohn des achten Sohnes ist ein Mädchen. Beim Kartenspielen heißt es: Was liegt, das pickt! Und so ist es auch hier. Die Übergabe des Stabes lässt sich nicht mehr rückgängig machen. Die Ratlosigkeit ist groß, ebenso die Ablehnung. Es ist schlicht unerhört, dass ein Frau auch nur denkt, sie könne Zauberer bzw. Zauberin werden. Oma Wetterwachs, die ortsansässige Hexe in Blödes Kaff, nimmt sich der Sache an und will dem Mädchen Eskarina zuerst das Hexenhandwerk erlernen, vielleicht zeigt sich mit der Zeit ja eine Lösung, wie mit der Berufung zum Zauberer und dem Zauberstab selbst verfahren werden soll. Eskarina wiederum ist mittlerweile ein junges Mädchen. Im Dunstkreis von sieben älteren Brüdern aufgewachsen, kann man sich gut vorstellen, wie neugierig und unternehmungslustig sie ist. Oma Wetterwachs hat alle Hände voll zu tun, um den Wildfang halbwegs zu bändigen. Immer öfter zeigt sich zudem, dass Eskarina eine Zauberkraft besitzt, die sich manchmal gewaltvoll ihre Bahn bricht. So beschließt Oma Wetterwachs, gemeinsam mit Eskarina die unsichtbare Universität zu suchen und dort ihr Glück zu versuchen. Es beginnt eine abenteuerliche Reise …

Das Erbe des Zauberers ist mein zweiter Versuch mit Terry Pratchett. Als ich vor ungefähr fünfzehn Jahren erstmal mit der Scheibenwelt in Berührung kam, dachte ich mir noch, was für ein Schmarrn das sei. Jahrelang war ich überzeugter Pratchett-Verachter. Im Zuge eines der Buch-Dates stieß ich wieder auf den Autor und die Kurzinhaltsangabe dieses Romans machte mich neugierig. Tja, was soll ich sagen? Ich bin geläutert. Was ich vor fünfzehn Jahren für unheimlich blöd hielt, finde ich jetzt lustig. Mir gefällt, wie durch einen unüberlegten Vorfall ein ganzes Weltbild ins Wanken gerät. Einfach, weil noch nie jemand das probiert hatte. Zaubern ist Männern vorbehalten. Punkt. Und dann kommt da Eskarina in ihrer kindlichen Unbekümmertheit, die wissen will, warum das so sein soll. Die festgefahrene Denkweisen einfach über den Haufen schmeißt. So wie Kinder das eben tun. Das gefällt mir. Wie auch der witzige Schreibstil. Oder Oma Wetterwachs mit ihren Flugversuchen auf dem Besen.

Vielleicht war ich einfach noch nicht reif genug bei meinem Erstkontakt mit der Scheibenwelt. Jetzt passt es jedenfalls und ich hatte sehr viel Spaß beim Lesen.

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6 Gedanken zu “Heute lese ich …

  1. Hihi, willkommen im Virus. Was ich immer wieder sage: „Die Scheibenwelt-Romane“ gibt es ja ohnehin nicht. Ich mag Rincewind bis heute nicht … Und wo Zauberer drauf steht, muss ich mich immer arg beherrschen, nicht zu gähnen. Dafür sind die Romane mit Oma Wetterwachs halt göttlich. Willkommen, Geläuterte, in den Gefilden der Seligen. 🙂

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  2. Genau DIESES Buch steht auch unter „Mein erster Pratchett“ in meinem Regal. Mutmaßlich war es Flumselchen, die mich hierzu antrieb ;). Jetzt brauch ich nur noch nen zweiten *****tritt, dann les ich es auch mal ;).

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