Jedes Jahr im Juli …

Eigenartig ist das. Nichts freut mich so richtig. Als wäre all meine Energie verpufft. Jedes Jahr kommt der Juli wieder. Jedes Jahr freue ich mich auf die Ferien der Kinder und habe dieses Bild vom luftig-leichten Sommer vor Augen. Und jedes Jahr muss ich wieder feststellen, dass der Juli einer der betriebsamsten und arbeitsreichsten Monate ist. Wie kann ich das nur jedes Jahr wieder vergessen?

Knapp an der Erschöpfung fühle ich mich mittlerweile urlaubsreif wie sonst nie im ganzen Jahr. Ich mag nicht mehr. Obwohl ich mein Leben mag. Obwohl ich meine Kinder mag. Obwohl ich meine Arbeit mag. Und doch sehne ich mich manchmal nach Ruhe und Stille. Nach … nur mir. Danach, keine Termine haben zu müssen. Nicht um halb Acht in der Arbeit sein zu müssen. Nicht die Jause für den Jüngeren machen zu müssen, der jetzt im Juli noch in der Ferienbetreuung ist. Nicht den einen um diese Zeit dort abliefern und den anderen woanders abholen zu müssen, um nebenbei ein drittes, viertes, fünftes, … erledigen zu können. Irgendwann im Juli ist immer der Punkt, wo mich all meine Organisiertheit so derartig nervt, dass ich ganz untrüglich erkenne, ich bin urlaubsreif. Wenn die ganz normalen Dinge plötzlich lästig sind. Die ich sonst ja eigentlich mag. Oder die mir zumindest nichts ausmachen. Wenn ich sogar nach Ausreden suche, um nicht mit dem Mountainbike lostreten zu müssen.

Heute ist der Sommer gnädig mit mir und lässt es morgens regnen. Eh nur ganz wenig. Aber es ist trotzdem genug, leichten Herzens den Entschluss zu fassen, dass ich das Radl heute stehen lasse und keine Ausfahrt an meinem freien Tag mache. Der Regen ist für meinen Älteren natürlich eher unerfreulich. Er ist diese Woche im Bike-Camp und jeden Tag mit dem Rad unterwegs. Aber wer weiß, vielleicht regnet es ja dann eh schon wieder nimmer, wenn er sich auf den Weg macht. Es regnet vielleicht auch deshalb, weil ich gestern Abend noch überambitioniert die Wäsche auf die Leine gehängt habe. Die ist jetzt weichgespült. Vielleicht nehme ich sie nachher ab, gebe sie noch mal zum Schleudern in die Maschine und hänge sie dann im Keller auf. Vielleicht lasse ich sie aber auch einfach da, wo sie ist. Und weil es regnet, wird es wohl auch nichts mit den Ribiseln. Die ich pflücken wollte.

Da ist diese Sache mit dem luftig-leichten Sommer und dem Juli. Jahr für Jahr vergesse ich, dass dann plötzlich die ganzen Ribiseln zu ernten und zu verarbeiten sind. Dass die Marillen reif werden. Dass es Erdbeeren gibt. Die Himbeeren hängen schwer, dicht an dicht an den Sträuchern, aber die wandern ohnehin gleich direkt in den Mund. Jahr für Jahr vergesse ich, wie arbeitsreich der Juli ist, wenn man einen Garten hat und wenn man außerdem den Jahresvorrat an Saft selber macht. Putzen kann ich aufschieben. Wäsche machen kann ich auch aufschieben, solange noch etwas im Kasten liegt. Aber die Ernte der diversen Beeren lässt sich nur kurz hinauszögern.

Jedes Jahr im Juli prallen diese Gegensätze aufeinander. Dass ich eigentlich dringend eine Pause brauche und dass es gerade jetzt im Garten viel Arbeit gibt. Jedes Jahr schaffe ich den Spagat irgendwie. Wenn es dann regnet, ist mir zumindest diese Entscheidung abgenommen, dass ich wieder alle Pläne über den Haufen werfe und lieber mit dem Radl losfahre, weil ich dabei meine Gedanken so wunderbar ziehen lassen kann und mir das gut tut. Aber wer weiß, vielleicht denke ich in zwei Stunden schon wieder ganz anders. Dann lasse ich die Ribisel doch noch ein paar Tage länger hängen und trete doch wieder in die Pedale. Manchmal traue ich mir selber nicht und mein Sinneswandel überrascht mich aufs Neue …

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6 Gedanken zu “Jedes Jahr im Juli …

  1. Wir unterliegen immer wieder irgendwelchen Muss-Tun-Zwängen. Das wir nicht stillhalten können weil getan werden Muss. Auch wenn es warten kann oder nicht nötig ist.und ich bin dann sauer auf die Menschen neben mir, die entspannt das ganze Wochenende auf dem Sofa liegen und gucken. Oho! Die haben es dann auch nicht leicht😋 Grüße Kat.

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