Das leichte Leben, Ferien und mangelnder Schlaf.

„Ich bitte inständigst um Verzeihung, dass wir heute so spät dran sind mit unserem Beitrag!“, stammelt der Ernst des Lebens. Er mag das gar nicht, wenn ich unzuverlässig bin. Das ist ihm peinlich. Immerhin hätte ich Verpflichtungen, schnauzt er mich an. Verpflichtungen gegenüber meinen Lesern, die ja schließlich auf meinen frühmorgendlichen Beitrag warten. Normalerweise würde meine Muse Einspruch erheben, dass er jetzt mal nicht so pingelig sein solle. Ein bisschen Warten würde wohl auszuhalten sein. Und wenn nicht die Muse dagegen spricht, dann zumindest der Schweinehund, der grundsätzlich eher für das leichte Leben ist als für Pflicht und Ordnung. Doch sowohl Muse als auch Schweinehund lehnen müde auf der Wohnzimmercouch. Kaum ein Mucks ist ihnen zu entlocken, so schläfrig sind sie. Ich bin es auch. Es ist Montag. Es ist Juli. Es sind Ferien. Und wir haben ein starkes Wochenende hinter uns. Der Lebens-Ernst solle nicht so gereizt sein, ist das Einzige, was wir entgegnen. Vielleicht macht ihn die schwüle Hitze so grummelig. Vielleicht ist es aber auch der Vollmond.

Drei Nächte haben wir uns jetzt um die Ohren geschlagen. Dazwischen haben wir den Alltag auf ein Minimum reduziert, lange geschlafen und Kräfte gesammelt für den nächsten Tag bzw. die nächste Nacht. Eigentlich bräuchten wir Urlaub.

Vom Feuerwerk letzten Freitag habe ich euch bereits erzählt. Knapp vor Mitternacht sind wir da in unsere Betten gefallen. Dementsprechend gehen wir den Samstag auch ruhig an. Ist ja Wochenende. Sind ja Ferien. Hetzt uns ja nichts. Wo wir doch am späteren Nachmittag schon das nächste Event vor uns haben. Diesmal ist ein Geburtstag zu feiern. Über Mittag regnet es. Wir sind ein bisschen skeptisch, ob wir die Ripperl auf den Grill schmeißen oder sie vom Regen verwässert werden. Aber rechtzeitig kommt die Sonne wieder hervor, die Luft ist wunderbar frisch und während wir Großen uns die Bowle schmecken lassen, rennen die Kinder ausgelassen durch den Garten. Spät wird es dann dennoch. Wir sitzen im Garten auf den Liegestühlen und der Hollywoodschaukel, eingepackt in Jacken und Decken. Ein paar Kerzen spenden minimales Licht, die Kinder haben durchgeschnittene Knick-Lichter in Gläser gegeben. Schaut auch hübsch aus. Wie überdimensionierte Glühwürmchen gehen sie damit zwischen den Obstbäumen herum. Nichte und Neffe verkrümeln sich irgendwann in ihre Betten, meine beiden Jungs wickeln sich in Decken und schlafen auf den Liegestühlen ein. Es ist fast Eins, als wir sie schlaftrunken und schwankend ins Auto verfrachten und heimfahren.

Am folgenden Morgen ist es lange still. Wirklich sehr lange. Die Sonne scheint durchs Fenster und weckt mich später als sonst. Von den Männern ist noch viel länger nichts zu sehen oder hören. Es verspricht ein herrlicher Sommertag zu werden, ich sitze im Garten mit Kaffee und Strickzeug. Meine Muse sitzt dabei und kann noch gar keinen klaren Gedanken fassen vor lauter Müdigkeit, auch der Schweinehund lutscht lustlos an einem Keks herum. Der Schweinehund hat einen Kater – der Wortwitz lässt mich breit grinsen. Bald aber ziehen Wolken auf und aus dem vormals herrlichen Sommermorgen wird ein verregneter Sommersonntag. So richtig zum Faulenzen. Mir ist das alles gleich, solange es bis zum Abend wieder aufhört. Ich bin froh um den Regen, auch wenn wir am Abend schon wieder unterwegs sind. Noch dazu wollen wir zu einem Open Air Konzert. Geht sich alles aus. Gewitterregen dauern nie so lange. Ich bin zuversichtlich. Wir füllen wieder den Rucksack mit Essen und Trinken und packen die Picknickdecke dazu.

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Beim Kittenberger in den Erlebnisgärten gibt es anlässlich der Vollmondnacht ein Konzert von Elvis Presley. Äh, nein, nicht Elvis. Offensichtlich und augenscheinlich dann doch nicht. Aber die Stimme von Ron Glaser kommt der des King schon sehr nahe. Zwei Stunden lang spielen er und seine Band Die Ridin‘ Dudes. Das Programm nennt sich 100% Elvis. Ein paar Pärchen tanzen am Rand der Bühne. Von meinen drei Männern ist aber keiner zu bewegen. Dabei juckt es mich so in den Füßen. Ich würde auch gern tanzen. Natürlich fehlen auch die Schmachtfetzen nicht, wo einem schon die ersten Takte die Tränen in die Augen drücken vor lauter Sentimentalität.

Wen übrigens das Bühnenbild oben irritiert, das gehört zu einer anderen Veranstaltung. An den Nachmittag wird hier „Ritter Rost feiert Geburtstag“ gespielt – für ein anderes Zielpublikum.

Es ist jetzt ja nicht so, dass ich ein ausgesprochener Elvis-Fan bin, aber der Presley hat wirklich gute Musik gemacht. Live klingt es dann gleich noch einmal so gut. Dem Jüngeren gefällt es jetzt nur bedingt, er findet den Hüftschwung eher peinlich. Deshalb machte er sich auch bald zum Spielplatz davon. Mein Älterer aber ist richtig begeistert. Ich kaufe mir zwei CDs, die er unbedingt signieren lassen will. Dafür stellt er sich dann sogar an. Es ist ein wirklich schöner Abend. Es wäre auch noch schön, etwas durch die Gärten zu schlendern, aber das Wochenende mit dem fortwährenden Schlafentzug zeigt erste Nebenwirkungen – mein Jüngerer verfällt in übernächtiges Jammern. Weshalb wir alle möglichen Unternehmungen auf eine andere Vollmondnacht verschieben und uns ehest auf den Heimweg machen. Vom Vollmond ist übrigens nichts zu sehen. Zu viele Wolken verdecken die Sicht. Zumindest bleibt es trocken.

So kriechen wir heute früh langsam und bedächtig aus den Federn. Fertigmachen dauert ein bisschen länger. Den Jüngeren braucht man gar nicht erst anreden. Auch der Ältere ist noch einsilbiger als sonst. Damit der Ernst meines Lebens endlich zu raunzen aufhört, schreibe ich in der Mittagspause. Ich habe ja schließlich Verpflichtungen.

Am Abend will der Jüngere ins Kino. Ob das eine gute Idee ist? Ich will auch wohin. Nämlich in mein Bett. Kino gibt’s einen Tag später auch noch.

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