Freier Fall und Feuerwerk.

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Jedes Jahr im Juli kommen die Fallschirmspringer nach Fromberg. Das ist ein kleines Dorf in der Nähe von Kirchberg am Walde, ungefähr zwanzig Autominuten von mir zuhause entfernt. Heuer findet bereits das 31. Internationale Fallschirmspringen in Fromberg statt. Aus mehreren Ländern reisen Fallschirmspringer teils mit ihren Familien an und die Wiese verwandelt sich für zehn Tag in ein Zeltlager. Eine weitere Wiese dient als Lande- und Startbahn für die Pink Boogie, die heuer nicht so pink bemalt ist wie in früheren Jahren. Daneben steht das große Zelt, wo die Springer ihre Schirme vorbereiten und auch die Tandemspringer ihre Instruktionen bekommen. Tandemsprünge werden nämlich auch angeboten. Ich schleiche schon seit Jahren mit einem gewissen sehnsüchtigen Blick um die herum. Aber getraut habe ich mich noch nie.

Wir wollen heuer auch wieder einmal nach Fromberg fahren. Allerdings zieht uns heuer eher das große Musikfeuerwerk an, denn die Fallschirmspringer selbst. Während wir in vergangenen Jahren immer wieder mal hingefahren sind, um einfach nur den Springern zuzusehen, wagen wir heuer den Feuerwerk-Wahnsinn. Es sei wahnsinnig viel los. Man müsse Stunden vorher da sein, um überhaupt einen Parkplatz zu bekommen. Man bekomme ewig nichts zu essen und zu trinken. Diese und ähnliche Aussagen haben uns jahrelang abgehalten. Aber meine Schwägerin mit Familie überlegt auch. Und ich auch. Es sind Ferien und warum eigentlich nicht?

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Also packen wir am frühen Abend den Rucksack mit den belegten Weckerln, mit Süßem und Saurem. Meine Schwägerin hat Nüsse und Erdbeeren mit. Die Picknickdecken wandern genauso ins Auto wie die Jacken für später. Es wird frisch werden, wenn dann die Sonne untergegangen ist. Bereits Stunden vor dem Feuerwerk sind wir am Gelände. Aber das Volksfest oben mit den Menschenmassen und dem bierseligen Gegröle interessiert uns nicht. Die Kinder verschwinden zwar kurz zum Spielplatz, kommen aber bald wieder. Dort toben völlig entfesselte Kinder in einer aufgestapelten Stroh-Burg, schaukeln und rennen wild durcheinander. Wir schlendern lange zwischen den Zelten der Fallschirmspringer umher, schauen der Pink Boogie beim Starten zu und wechseln auf die andere Seite der Wiese, um die Fallschirmspringer wieder landen zu sehen. Wir haben es sehr gemütlich und entspannt und kommen dem Rummel auf der Festwiese nicht zu nahe.

Später breiten wir unsere Decken auf, haben ein nettes kleines Abendessen und warten auf das Feuerwerk. Die Pink Boogie schraubt sich noch einige Male in die Höhe. Das Brummen begleitet uns schon die ganze Woche, ich höre es daheim im Garten, ich höre es 25 Kilometer weiter in der Arbeit. Wahrscheinlich legt es sich über das halbe Waldviertel. Wenn man die Pinky von der Nähe sieht, kommen einem Zweifel. Also wirklich von der Nähe sieht sie wenig Vertrauen erweckend aus. Wenn sie nämlich auftankt, dürfen die Besucher einen Blick in den Laderaum werfen. Man hat den Eindruck, das Flugzeug sei nur mit dünnem Blech zusammengehalten. Die Pinky hat unzählige Dellen, darüber kann auch die Bemalung nicht hinwegtäuschen. Wer weiß, vielleicht ist man nach ungefähr fünfzehn Minuten Steigzeit froh, endlich hinausspringen zu dürfen? Zwanzig Mal und öfter steigt sie jeden Tag bis 4500 Meter oder auch 6000 Meter hinauf, bevor sie die Springer  ausspuckt, die dann wie Konfetti zu Boden stürzen. Drehen sich in wilden Spiralen herunter und landen mit Schwung auf der Wiese. Die letzten Ankömmlinge sind immer die Tandemspringer, die den Sprung mit ihren Passagieren so lange wie möglich auskosten und genießen wollen.

Dann ist es endlich dunkel genug. Vom Festgelände dröhnt das Lärmen der Leute herüber. Die Kinder ziehen endlich auch ihre Jacken an und wir lümmeln uns auf den Decken gemütlich zusammen und warten, dass es endlich los geht. Ich will Fotos vom Feuerwerk machen, spiele kurz mit den Einstellungen herum, drücke ein paar Mal ab und lege dann die Kamera beiseite. Ich will das jetzt einfach nur ansehen und staunen. Weshalb ihr die schönsten Bilder auch nicht zu sehen bekommt. Jedenfalls nicht von mir. Die sind nämlich nur in meinem Kopf.

Als das Feuerwerk vorbei ist, beginnt der Massenexodus. Viele pilgern zu den Parkplätzen und ihren Autos. Es ist Geduld gefragt. Nur eine einzige schmale Straße als Einbahn geführt bringt einen weg vom Gelände. Mein Mann und ich sitzen im offenen Kofferraum, wir unterhalten uns mit Schwager und Schwägerin, die Kinder vertreiben sich im Auto die Zeit. Weiter vorne hupt jemand. Wir müssen herzlich lachen. Als ob das was brächte! Meine Schwägerin äußert die Vermutung, dass hier und heute mehr Autos fahren also sonst das ganze Jahr über zusammen. Irgendwann fahren auch wir los. Die Kinder schlafen in ihren Sitzen ein. Zuhause krabbeln sie aus dem Wagen, murmeln ein „Gute Nacht!“ und sind weg. Total erledigt fallen sie ihre Betten und in den Schlaf wie ausgeknipst.

Mein Mann und ich trinken noch ein kleines Bier und lassen den Abend ausklingen. Sehr fein war das heute!

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