abc-Etüden 27/17.

Ach herrje, das war ja die reinste Achterbahn-Fahrt hier, auch wenn das Auto selbst ein Traum war (zumindest anfangs), bullig von außen, innen aber mit Ledersitzen und allem Komfort, herrlich maskulin war das.
Doch jetzt kämpfte sie mit anderem, denn sie merkte, wie sich dieses ganz spezielle Gefühl in ihrem Magen ausbreitete und sie einen bitteren galligen Geschmack im Mund hatte – ihr wurde schlecht.
Ihr Begleiter – den sie als perfekten Gentleman kennen gelernt hatte – behauptete, die Fahrt zu dieser Party ließe sich quer durch die Straßenschluchten der Stadt abkürzen, was viel besser war, als den Umweg über diese neue Umfahrung zu nehmen.
Jetzt raste er durch schmale Straßen und verwinkelte Gässchen, fuhr knapp an Mauern und parkenden Autos vorbei, sogar über ein paar niedrige Stufen ratterte er hinunter.
DAS konnte nicht erlaubt sein, hier war doch Fußgängerzone – sie schluckte ein paar Mal schwer und konzentrierte sich darauf, ihr Frühstück zu behalten, atmete flach und durch den Mund.
Auf der wilden Fahrt rebellierte ihr Magen mit jeder Kurve und jedem abrupten Bremsen immer mehr, nur unterbrochen von den Schrecksekunden, als eine Autotür gleich daneben aufgestossen wurde oder eine Straßenbahn mit wütendem Gebimmel vorbeiratterte oder Fußgänger erschrocken zurücksprangen.
Endlich waren sie da, schwungvoll bremste ihr Begleiter ab, dass der Kies nur so spritzte und hüpfte gut gelaunt aus und um den Wagen, um ihr die Tür zu öffnen.
Sie krabbelte mit zittrigen schwachen Beinen und käsebleich aus dem Auto, registrierte kaum den galant gebotenen Arm ihrer neuen Bekanntschaft und sagte sich still, dass aggressive Raserei kein Attribut eines wahren Gentlemans war.
Nächstes Mal würde wieder sie fahren, in ihrem kleinen Alltagsauto auf der geräumigen Umfahrung – keine weiteren Experimente mehr! – und auch ihr Begleiter würde dann ein anderer sein, denn dieser hier hatte wohl eher einen hübschen Aufputz für sein protziges Fahrzeug gesucht, unübersehbar war er nicht entzückt von ihrem wenig strahlenden Äußeren.
Ihr war die Lust auf Party vollkommen vergangen nach diesem wahrlich einzigartigen Trip durch die Stadt, sie fauchte ihr Gegenüber unfreundlich an, er solle bloß nicht noch einmal „Zicke!“ zu ihr sagen, drehte sich um und fuhr nach Hause – mit dem Bus.


Der Einladung von Christiane zu den abc-Etüden bin ich diesmal schon fast zu spät nachgekommen. Die Regeln sind wie immer: 3 Wörter, 10 Sätze.

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4 Gedanken zu “abc-Etüden 27/17.

  1. Na, so ein Typ ist wirklich eine böse Überraschung. Ich könnte so etwas auch nicht genießen, nicht so, wie du es beschreibst, auf gar keinen Fall. Da lobe ich mir den Bus …
    Schön, dass du wieder dabei warst! Ich freu mich auf deine Etüde beim nächsten Mal!
    Liebe Grüße
    Christiane

    Gefällt 1 Person

    • Ich kenne keine Typen in protzigen Autos. Wobei, nein, stimmt nicht. Bin selber mal im Auto von so einem gesessen. Ein tiefergelegter Citroen, ein richtiges Geschoss. Aber der Typ war Mechaniker und hat heute schütteres Haupthaar. Und dann ist da noch einer. Ein Arzt. Der liebt so heiße Schlitten, dafür ist er aber auch mit Leib und Leben Arzt. Also entspricht er auch nicht dem Klischee. Obwohl – ja, da ist einer, der passt genau in dieses Bild. Mit dem bin ich noch nie mitgefahren, aber dafür mein Mann. Und er hat dabei seine Sünden abgebüßt. 🙂

      Gefällt 1 Person

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