Nachbarschaftliche Superjonglage.

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So etwas wie diese Woche habe ich noch nicht erlebt. Das war beinahe wie eine Kettenreaktion. Ich wollte ursprünglich nach der Arbeit mein Kind von der Tagesmutter abholen, daheim ein wenig im Garten arbeiten, meine Paradeiser gießen und dann faul in der Hängematte abhängen. Tja, so war der Plan. Als eventuelle Abweichung davon konnte ich mir noch eine kurze Radrunde mit dem Älteren vorstellen, aber der war zu der Zeit noch im Freibad.

Da sitze ich also bei der Tagesmutter und ihrem Mann auf der Gartenbank. Mein Jüngerer hat wieder einmal keinen Heimgang, zu sehr ist er noch mit Spielen beschäftigt. Wir reden so über dies und das, als eine Nachbarin aus der nächsten Gasse kommt. Die Eva sei da! Von Eva habe ich euch übrigens schon erzählt. Sie ist die, von der ich das Uralt-Bügeleisen bekommen habe.

Wir hören, dass das Haus ihrer Tante verkauft ist und sie die restlichen Sachen loswerden möchte. Jene Sachen, die man noch gebrauchen kann, die aber hier in Österreich sowieso keiner mehr will, weil wir uns ja lieber alle was Neues kaufen. Von unserer Tagesmutter, die praktischerweise auch meine Nachbarin ist, hat es sich herumgesprochen, dass sie regelmässig mit Gütersammlungen nach Ungarn fährt. Sie kennt die Leute dort und weiß, dass es an allem mangelt. So, wie es den Leuten bei uns nach dem Krieg gegangen ist. (Was ja irgendwie schon eine verstörende Sache ist, wenn man bedenkt, wie nahe das im Grunde ist.)

Und weil ihr Mann das Auto später braucht und mein Jüngerer ohnehin nicht weitertut, biete ich ihr an, dass ich mithelfe. Ich krame ja für mein Leben gern herum. Sagte ich glaube ich auch schon einmal. Den Herrn Sohn habe ich mit dem Mann von der Tagesmutter zurückgelassen – die zwei verstehen sich gut – und wir sind mit unseren Autos die Gasse rauf und die nächste Gasse gleich wieder runter. Tja, und dann haben wir die Autos angestopft. Mit Decken und Polstern, Geschirr, Kleiderhaken, Blumenübertöpfen. Alles, von dem wir dachten, dass es zu gebrauchen ist. Eva hat das Ganze im Sessel thronend überwacht. Sie war schon vorher fleissig und durfte das. Nämlich sitzen und uns beaufsichtigen. (Sie meinte übrigens, sie fürchte sich schon, dass ich daraus wieder einen Beitrag mache. Ist nicht so schlimm, oder?)

Könnt ihr euch erinnern, wie früher einige Ungarn in ihren Kleinlastern ein-, zweimal im Jahr durch die Dörfer fuhren und Sachen sammelten? Gab es das bei manchen von euch? Wo ein paar Tage vorher in den Postkästen ein Zettel lag mit der Ankündigung, dass in den nächsten Tagen die „ungarische Arbeiterbrigade“ vorbeikäme? Wo wir immer die rumliegenden Räder der Kinder reingeräumt haben, damit die nicht unbeabsichtigterweise auch mitfahren. So wie diese ungarische Arbeiterbrigade habe ich mich gefühlt. So hat auch mein Auto ausgesehen. Bis oben hin voll mit Decken und Polstern. Nur noch der Fahrersitz frei. Der Kofferraumdeckel nur angelehnt, weil schließen ließ er sich nicht mehr. Bei der Tagesmutter haben wir dann wieder aus- und in die Garage reingeräumt.

Mein Jüngerer war da schon nicht mehr beim Mann der Tagesmutter, sondern hat sich von daheim die Arbeitshandschuhe geholt und bei den vis-à-vis Nachbarn geholfen. Die machen jetzt den Garten neu und mussten diesen ausräumen, weil für den nächsten Tag der Bagger angesagt war. Die alte Schaukel zerlegen. Den morschen Gartenzaun abbauen. Mein Jüngerer ist bei so etwas immer live dabei und schleppt sich mit Begeisterung ab. Mein Mann ist dann auch noch gekommen. Hat den Anhänger von seinem Bruder geholt und das Holz weggebracht, während wir bei Eva die nächste Fuhre geholt haben.

Ein bisschen unterhalb von Eva ist ebenfalls eine Baustelle. Neue Besitzer bauen eines der alten Häuser um. Die haben uns gleich eingeladen, ob wir von ihnen nicht auch Sachen brauchen könnten. Zwei alte Waschmaschinen zum Beispiel. Und wieder Körbe und Teppiche. Wir sind dann bei Eva noch in den Keller gegangen. Wo noch viel mehr Schätze warteten. Alte Riess-Töpfe, ein Fleischwolf, eine alte Waage, unzählige REX-Gläser. Ich habe mich an so viele Sachen aus meiner Kindheit erinnert, davon muss ich euch ein anderes Mal erzählen.

Nach drei Stunden war dann endlich alles verstaut und in der Siedlung ist Ruhe eingekehrt. Einige Dinge habe ich für mich mitgenommen. Ein bisschen Deko für den Garten. Die alten Emailletöpfe und Schöpfer möchte ich mit Hauswurzen bepflanzen. Jedenfalls habe ich dann auf der Terrasse meine Beine hochgelagert, den Hummeln bei ihren letzten Flügen zugesehen und mir ein kühles Bier genehmigt. An die Mama habe ich gedacht und daran, wie es früher war, als ich noch ein Kind und auf unserem Bauernhof zuhause war. Und auch daran, dass sich über all die Sachen jemand freuen wird. Evas Tante hätte es gefallen, dass ihre Sachen noch Verwendung finden und nicht einfach achtlos im Sperrmüll landen. Ich bin mir da ganz sicher.

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2 Gedanken zu “Nachbarschaftliche Superjonglage.

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