Ich fang mal klein an.

Neulich Abend sitze ich bereits entspannt im Garten mit meinem Buch, als mein Mann von der Arbeit heimkommt und laut überlegt, ob er nicht noch eine Runde mit dem Rad fährt. Ich horche auf.
„Nimmst mich auch mit?“, bettle ich.

Kurz überlegen wir, was wir mit den Jungs machen, aber die wollen lieber daheim ihre Ruhe haben. Super! Das wäre schon einmal geklärt. Die Muse taucht auf und zieht den Schweinehund hinter sich her. „Da! Frau Vro! Nimm den da mit! Der ist schon wieder frech!“ Der Schweinehund will eigentlich nicht. Aber er kennt mich und meine Radtouren ja mittlerweile und denkt sich nicht so viel dabei. Das hält er aus. Er schaut erst alarmiert hoch, als er meinen Mann sieht, der sich bereits fertig macht.

Ich dachte mir ja auch nichts dabei. Immerhin sagt der Liebste ja, dass er erst einmal eine kleine Runde fahren wolle. War er doch länger gesundheitlich außer Gefecht gesetzt. Ich für meinen Teil freue mich, dass wir gemeinsam lostreten. Ich überlasse ihm die Streckenwahl – weil er ja in gewisser Weise rekonvaleszent ist – und fahre hinten nach. Diese Aussicht ist auch nett. Yup!

Ziemlich bald merke ich, dass er ganz anders fährt als ich. Er zischt mir davon, dass ich nur so schaue. Ha ha! Er fängt mal klein an! Und dann biegt er in den Wald ab auf Wege, die ich bisher noch nie gefahren bin. Ab da geht es nur noch bergauf. Off road. Holterdipolter. Es ist anstrengend und heiß. Ich muss an meine eigene letzte Fahrt denken. Das war ja richtiggehend fad gegen das heute. Mein Schweinehund fängt ins Winseln an und jammert, dass er vielleicht doch nicht hätte mitkommen sollen. Eine Stunde fahren wir quer durch den Wald, immer bergauf. Ich sehe meinen Mann um eine Biegung verschwinden. Aber ehrlich gesagt sind mir knackige Ansichten mittlerweile ziemlich schnurz. Ich bin damit beschäftigt, Gleichgewicht und Atmung und Vorwärtskommen miteinander zu kombinieren. Denn absteigen will ich hier ganz sicher nicht. Mit dem kleinsten Gang balanciere ich über Baumwurzeln und an Steinen vorbei. Wenn ich schon hinter ihm herschnaufe, dann will ich zumindest nicht auch noch schieben müssen.

Als wir endlich am höchsten Punkt angelangt sind, weint mein Schweinehund leise vor sich hin. Er hat mich nie wieder lieb, schwört er mir. Bei allem, was ihm heilig ist. Und die Muse mag er auch nicht mehr, die hat ihn da schließlich hineingeritten. Meine Muskeln brennen. Aber die Endorphine rauschen nur so durch mein Blut. Sehr cool ist das hier! Was für eine Tour, denke ich völlig geflasht. Die grobe Schotterpiste steil bergab finde ich dann nicht mehr ganz so cool, aber egal, runter muss ich trotzdem.

Mein Älterer hatte tags darauf Projekttag in der Schule mit dem Thema Radfahren. Zuerst Fahrtechnik mit dem Mountainbike und danach eine kleine Tour. Er kommt völlig erledigt nach Hause und ist ein bisschen aufgelöst. Weil er nämlich beim Downhill-Training die Vorderbremse gezogen, in Folge dessen einen Salto geschlagen und sich massiv abgeschürft hat. Auch das Rad ist etwas ramponiert und braucht ein kleines Service beim Radhändler, damit es wieder gut läuft. Wir sind froh, dass er sich nicht mehr weh getan hat.

Wirklich gemässigt fährt derzeit nur der Jüngere. Der mich fragt, ob wir mal wieder mit dem Rad ausfahren könnten, aber bitte nichts Anstrengendes! Also drehe ich mit ihm eine gemütliche Runde in der näheren Umgebung. Allerdings bekomme ich es dann doch noch mit der Angst, als er in den fast leeren Ebenen des Parkdecks beim Krankenhaus herum rast. Wo sind die Zeiten geblieben, als er im Schneckentempo kleinste Hügel hinunter kroch, weil er sich vor ein wenig höherer Geschwindigkeit gefürchtet hat?

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