Häuslbauer-Projekt Teil 8. Geduld ist das meine nicht!

20170623_puppenwerkstatt_003

Ich werke wieder in der Puppenwerkstatt. Zum einen verkrieche ich mich gern im kühlen Keller, wenn es draußen heiß ist. Zum anderen habe ich da im Internet eine super Anleitung für Puppenmöbel gefunden. Zwar bin ich mit meiner Puppenzimmer-Manufaktur derzeit in ruhigeren Fahrgewässern, das heißt aber nicht, dass ich schon mit allem fertig bin bzw. mich mit allem zufrieden gebe.

Weil ich nämlich nach wie vor suche. Nach Tassen und Tellern. Oder auch einfachen Sesseln. Puppenhausmöbel im Format 1:12 zu finden ist einfach. Meine Strickpuppen brauchen es aber größer. Am besten passen welche im Maßstab 1:6. Die findet man schon sehr viel seltener. Natürlich könnte ich in den diversen Spielzeugabteilungen fündig werden. Entweder um teures Geld oder mit grauenhaften Aufdrucken. Seien wir ehrlich, meine Muse will ja jetzt wirklich nicht aus einer Kaffeetasse trinken, auf der Bärchen aufgedruckt sind. Sie nickt ganz vehement. Keine Bärchen! Noch nicht mal Herzerl. Oder gar Elsa, die Eisprinzessin.

Jedenfalls ist da diese Anleitung mit den passenden Möbeln. Die sind zwar wieder eher klein, aber das lässt sich diesmal relativ einfach vergrößern. Ich will nämlich Sessel haben. Schaut ganz easy aus. Wirklich! So stehe ich wieder einmal im Baumarkt bei den Holzleisten und suche alles zusammen.

Ihr erinnert euch an das Puppenbett? An dieses Fiasko, wo ich schließlich mit der Heißklebepistole alles zusammen geklebt habe? Das ist gut, dass ihr euch erinnert! Ich erinnere mich offenbar nicht mehr an alle Details. Ich bin  nämlich schon wieder super motiviert. Kann ja schließlich nicht so schwer sein. Mit kleinen Nägeln fange ich mir diesmal gleich gar nichts an. Laut Anleitung kann man gut Kontaktkleber verwenden. Den kaufe ich also auch gleich. Und eine Dose dunkelroten Glanzlack. Meine Sessel werden grandios aussehen!

Der Ernst des Lebens wiegt nachdenklich seinen Kopf hin und her. Der Schweinehund kühlt schon mal das Bier ein, er murmelt irgendwas davon, falls die Nerven wieder mit mir durchgehen. Ich meine aus meinen früheren Fehlern gelernt zu haben und gehe es ruhig und bedächtig an. Messe ordentlich ab und säge die Einzelteile. Glätte die Kanten mit Schmirgelpapier. Es ist alles gut!

Dann geht es ans Zusammenbauen. Ich trage den Kontaktkleber auf. 10 bis 15 Minuten soll man ihn antrocknen lassen. Da kann ich gut meine Topfpflanzen gießen in dieser Zeit. Als ich zurückkomme, sind noch keine zehn Minuten vergangen, aber der Kleber ist trocken. Es ist viel zu warm draußen. Ich knurre leise vor mich hin. Mein Schweinehund stöhnt, es sei noch zu früh, das Bier wäre noch nicht kalt.

Also von vorne. Wieder Kleber aufgetragen, wieder gewartet, dann wieder zusammengedrückt. Der Dreck hält nicht! Mir entfährt ein (noch) gemässigter Fluch. Mit dem Heißkleber geht es auch nicht mehr. Kleber mit anderem Kleber verträgt sich nicht. Ask me how I know!

Warum tu ich mir das schon wieder an?

Frau Vro ist stur. Geht nicht, gibt’s nicht. Ich muss das langsamer angehen. Bedächtiger. Geduldiger. Also nochmal Kleber auftragen, nochmal warten, nochmal zusammendrücken, trocknen lassen. Nicht schon wieder etwas Anderes nebenher machen. Stück für Stück scheint es zu halten. Meine Geduld wird auf eine harte Probe gestellt. Irgendwann steht der erste Sessel fix fertig da. Noch ohne Sitzplatte, aber er schaut gut aus. Jetzt bloß nicht ankommen und am besten über Nacht komplett trocknen lassen. Der Schweinehund trinkt mein Bier und gratuliert mir. Weil ich nicht total entnervt alles ins Eck geschmissen habe. Dran gedacht hätte ich schon. Genau wie an den Schwedenofen und ein lustiges Feuerchen trotz der Hitze.

Tatsächlich hält der Sessel am nächsten Morgen wirklich gut. Die Sitzplatte wird ihm dann noch zusätzlich Stabilität geben. Ich muss nur Geduld haben. Viel Geduld. Mein Mann lacht mich aus. Ihn amüsiert das sehr. Deshalb warte ich auch, dass ich alleine zuhause bin, wenn ich wieder Leisten absäge und noch ein paar Sessel mehr mache. Die Einzelteile liegen schon unten am Tisch auf der Terrasse. Ich fange mit Kleben an und in der Wartezeit, wo der Kleber antrocknet, erledige ich die Wäsche. Das ist ein guter Plan!

Im Endeffekt bleibt die Wäsche liegen und ich bastle an den Sesseln herum. Konzentrier dich! Wie ein Mantra sage ich es mir vor. Kleben scheint mein Leben! Mein Schweinehund sitzt schon mal Probe auf dem Prototyp, während ich so geduldig wie mir möglich Teile zusammen füge. Gemütlich sei was Anderes, raunzt er, so ganz ohne Sitzplatte. Ich ärgere mich über die handgesägten Kanten, die immer irgendwo ein bisschen schief sind, und wünsche mir eine Bandsäge. Aber mit derlei Nebensächlichkeiten halte ich mich jetzt nicht auf. Wird schon werden. Schließlich stehen vier weitere Sessel vor mir. Ich halte die Luft an, dass sie nicht gleich beim leisesten Windhauch in sich zusammen fallen. Jetzt brauche ich nur noch die Sitzflächen. Ausgesägt aus Sperrholz? Oder aus Karton?

Nachdenklich nehme ich die Dose mit dem roten Lack in die Hand und betrachte sie lange. Vor meinem geistigen Auge sehe ich sie schon – herrlich glänzende, dunkelrot lackierte Sessel wie vom Meistertischler. Der Schweinehund neben mir verschluckt sich fast vor Lachen, als er das hört. Und der Ernst des Lebens erhebt schon wieder mahnend seinen Finger. Die Tücke stecke im Detail. Es sei noch nicht aller Tage Abend. Ich solle nicht den Abend vor dem Tage loben. Und mich auch nicht zu früh freuen.

Ich mache nur eine unwirsche Handbewegung. Innerer Schweinehund und Lebens-Ernst sollen schweigen. Ich mag mich noch ein wenig meinen Träumen hingeben, bevor mich die Realität wieder einholt. Denn das Zuschneiden der Spanplatte erweist sich als frustrierend. Die Spanplatte macht ihrem Namen alle Ehre und splittert beim Sägen. Sogar mit der Laubsäge. Trotzdem stehen sie dann fast fertig vor mir – meine neuen Möbel. Jetzt fehlt nur noch der Anstrich.

Schweinehund und Lebens-Ernst sind mittlerweile beim zweiten Bier und finden das alles schon ziemlich lustig.
„Weisch du“, erklärt mir der Ernst verschwommen, „vielleich wird doch noch wasch aus dir!“
„Jenau“, fügt der Schweinehund hinzu, „ein Puppenmö … Puppenmöbeltischler. Oder sowas Ähnliches.“

So sitze ich an einem weiteren sonnig heißen Nachmittag auf der Terrasse und beginne zu lackieren. Das Rot gefällt mir ausnehmend gut. Die Hitze trocknet die Farbe in Rekordzeit. Vielleicht sogar zu schnell. Es bleibt kaum Zeit, dickere Farbaufträge ordentlich zu verteilen. Trotzdem schauen sie gar nicht mal so schlecht aus. Sogar meinem Mann gefallen sie. Der ist da normalerweise anspruchsvoller als ich. Und was die manchmal unregelmässigen Farbaufträge anbelangt, so sage ich einfach, die Sessel sind antik und gehören so. Basta.

20170624_puppenwerkstatt_001

Advertisements

9 Gedanken zu “Häuslbauer-Projekt Teil 8. Geduld ist das meine nicht!

  1. Ich fänd Teetassen mit Elsa, der Eis … Whatever … Super … Ohne die je gesehen zu haben. *gg*
    Aber wenn das mal kein Sponsored Post ist. Haben „die mit dem roten Stuhl“ jetzt auch Puppenmöbel im Sortiment? Professionell genug sehen sie dafür ja aus. Chapeau, Frau vro! 🙂

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s