Und dann kam … Extended Version.

Bildschirmfoto 2017-06-22 um 16.41.14

So das Thema diese Woche im Mitmachblog. Ja, was kam denn dann? Es kommt ja dauernd etwas. Er oder sie. Endlich oder nie. Das dicke Ende oder das Happy End. Dann kam Polly. Bei mir kommt keine Polly. Bei mir kommt auch kein dickes Ende. Im Gegenteil. Es ist eher ein sehr schmales Ende. Und selbst das ist es nicht. Nämlich ein Ende. Oder doch?

„Frau Vro“, schimpft mich meine Muse, „hör auf mit dem kryptischen Gerede und komm zum Punkt!“
„Der steht bekanntlich auch am Ende.“
„Wer?“
„Na der Punkt!“

Das Fräulein Muse schnaubt entnervt und zieht einen Schmollmund. So ein kleines trump’sches Schnoferl halt. Also gut, ich mache ja schon …

Und dann kam wieder einmal das Ende der Straße. Neuerdings passiert mir das öfter mal. Wobei man nicht von zufällig sprechen kann. Und gewollt auch nicht. Vielmehr ist es so eine Art Restrisiko. Ich erkunde derzeit den nordwestlichen Teil des Waldviertels mit dem Auto. Da, wo die tschechische Grenze wirklich schon ganz nah ist und sich das Gebiet des früheren Eisernen Vorhangs befindet. Das ist auch da, wo der beste Kollege mit seinen Radfreunden unterwegs ist. Der fährt nämlich regelmässig mit dem Rad den Nebelstein hinauf. Okay, das muss man mögen. Nämlich auf einen Berg hinauf strampeln. Selbst wenn es danach drüben wieder runtergeht. Aber es ist machbar. Das kann ich JETZT sagen, wo ich endlich auch von der anderen Seite hin(auf)gefunden habe. War nämlich gar nicht so einfach.

Bei meinem ersten – nennen wir ihn großspurig – Roadtrip, verpasse ich eine wichtige Abzweigung und fahre daraufhin fast im rechten Winkel zu meinem angepeilten Ziel Richtung Oberösterreich. Ich schaue wie der sprichwörtliche Maikäfer, wenn es blitzt, als ich den Ortsnamen lese. Es kam mir ohnehin schon so komisch vor. Weil ich nämlich vom besten Kollegen weiß, dass er meistens nur auf asphaltierten Straßen unterwegs ist. Aber das war schon eine sehr breite und sehr stark befahrene Straße. Ich würde da jetzt nicht radeln wollen. Wie gesagt, da bin ich nun.

„Hui, jetzt bist aber weit weg von daheim. Dafür, dass du gerade nur mal kurz schauen wolltest!“ Die Muse ist ein bisschen panisch, kaschiert das jedoch gekonnt mit Sarkasmus. Sie beruhigt sich aber nach einem Blick auf die Tankanzeige wieder. Ich trage es mit Fassung, schmeiße den Blinker rein und fahre Richtung Heimat. Und wenn ich schon mal da bin, kann ich gleich noch hier einen Abstecher fahren und dort einen anderen. Weil da irgendwo der beste Kollege vom besten Kollegen wohnt und weil ich dieses Dörfchen nur dem Namen nach kenne und weil dieses und weil jenes …

Neulich überkommt es mich schon wieder und ich will jetzt endlich wissen, wie ich auf den Nebelstein komme. Immerhin hatte ich beim letzten Mal nicht hingefunden, sondern war falsch abgebogen. Diesmal kann gar nichts mehr schiefgehen. Wirklich. Es geht auch lange gut. Aber dann biege ich doch wieder falsch ab. Die Straße wird zum Sträßchen, das Sträßchen zum Forstweg. Es wird eng und immer enger. Und dann kommt der Balken. Der Querbalken. Rien ne va plus. Landschaftlich wirklich sehr reizvoll, aber naja, eben hier für mich mit dem Auto zu Ende. Forststraße! Ein paar Wanderer steigen gerade in ihr geparktes Auto. Ich ziere mich nicht lang. Habe praktisch keine männlichen Gene und auch das Testosteron hält sich in Grenzen. Also steige ich aus und nehme es von der heiteren Seite. „Wo bin ich da? Und wo ist der Nebelstein?“, frage ich grinsend mit den Armen weit ausholend die Wanderer. Fragen kostet schließlich nichts. Tja, zu weit sei ich und der Nebelstein weit hinter mir. Ich könne ja hinten nach fahren, sie müssten auch dort hin, klären sie mich lachend auf.

An diesem Tag lande ich tatsächlich dort, wo ich hin will. Und ja, den Nebelstein mit dem Rad bezwingen ist grundsätzlich machbar. Vielleicht bezwingt auch der Nebelstein das Rad und den Radler. Kann beides sein.

Warum ich nicht einfach das Navi einschalte, wollt ihr wissen? Oder auf einer Online-Karte am Handy nachsehe? Kann in Zeiten von GPS und Co ja nicht so schwierig sein, sagt ihr? Also …

Die Muse baut sich vor mir auf und schreit entrüstet: „Frau Vro, du bist ein Fossil, DAS ist daran schwierig. Du hast kein Navi. Du sagst, du brauchst das nicht. Und das in dieser Gegend. Wirklich, da ist viel Gegend!“

Ich schiebe die Muse beiseite: „Nein, echt! Du musst wissen, dass da nicht einmal das Navi viel hilft. Ich hatte die wenigste Zeit eine Verbindung am Handy. Außerdem merkt man sich Straßen viel besser, auf denen man sich schon einmal verfahren hat. Und wusstest du nicht, dass der Weg das Ziel ist?“
„Das sagst du auch nur, weil du nicht gleich hingefunden hast! Man könnte dich irgendwo aussetzen und du fändest niemals heim!“
Was so auch nicht stimmt. Die ungefähre Richtung weiß ich fast immer, nur mit der genauen Orientierung hapert es manchmal ein wenig.

Die Muse ist nicht überzeugt. Sie plustert sich eh nur künstlich auf, denn der Roadtrip hat ihr sehr gefallen. Sogar zur Nebelsteinhütte sind wir raufgegangen. Schön war das. Nur vor dieser schwarzen Schlange hat sie sich gefürchtet. Sie wollte noch nicht einmal, dass ich stehenbleibe und ein Foto mache. Die Schlange wollte das auch nicht. Sie hat sich angriffslustig und alarmiert zusammenkringelt. Ich tippe ja auf eine Schwarze Kreuzotter. Aber sicher weiß ich das nicht. Lieber auf Abstand bleiben.

20170620_nebelstein

Und dann komme ich doch ganz problemlos wieder nach Hause. Es ist immer sehr beruhigend, wenn der Tank halbwegs voll ist.

Der beste Kollege jedenfalls hat mich beim Nachmittagskaffee gerügt, weil ich da so sinnbefreit durch die Gegend fahre. Ob der Sprit nichts koste? Und dass ich da die Abgase rausblase. Währenddessen hat er sich eine Zigarette reingezogen. Von wegen einfach so in die Gegend heizen …

Und dann kam … naja, so genau kann ich das nicht sagen, was dann kommt. Ich erweitere meinen Aktionsradius noch. Auch ohne Navi. Aber einen Autoatlas habe ich zumindest immer mit. Und irgendwann wird das Handy dann auch wieder Empfang haben. Völlig hilflos bin ich eben doch nicht.

Advertisements

3 Gedanken zu “Und dann kam … Extended Version.

  1. Pingback: Und dann kam … – MitmachBlog

  2. Pingback: Wettverweigerung. | vro jongliert

  3. Pingback: Nebelstein – immer wieder. | vro jongliert

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s