Heute lese ich …

Ich bin ja wie schon allseits bekannt eine alte Strick- und Häkeltante. Naja Tante vielleicht weniger, obwohl das auch. Obiger Begriff der Stricktante ruft doch zumeist angestaubte Assoziationen hervor, gegen den ich mich normalerweise verwehre.

Nach wie vor nadle ich Kleinzeug. Puppen und dazugehörige Garderobe und was sich halt sonst so findet. Scheint, als hätte ich gerade so meine Freude an fitzeligen Wollsachen, wo viele Fäden zu vernähen sind. Neulich entdeckte ich diese Buch von Kerry Lord, bei dem sich sofort dieses Willhaben-Gefühl einstellte. Ich hatte ja praktisch gar keine andere Wahl!

Kerry Lord, Edward’s Crochet Imaginarium

Ein Häkelbuch also. Das Spezielle ist der Teil mit den dreifach geteilten Seiten, damit man Kopf, Arme und Füße der Monsterchen je nach Lust und Laune selbst zusammenstellen kann. Ich finde die Idee witzig. Die Anleitungen selbst sind gut geschrieben. Viel mehr als Kettmaschen und feste Maschen muss man nicht können, der Rest sind Zu- und Abnahmen. Und natürlich braucht es einen gewissen Hang zum Masochismus, wenn man die fitzeligen Fingerchen und Zehen häkelt. Die Autorin verwendet für ihre Kreationen die eigene Alpakawolle aus dem Familienbetrieb für besonders kuschelige Monster. Mir ist das dann doch etwas zu viel Luxus. Ich sehe das Buch mit seinen vielen Ideen eher als Fundgrube zur Resteverwertung. Weshalb mein erster Griff in eine meiner vielen Wollkisten die selbstgesponnene Wolle vom Bergschaf getroffen hat. Versteht sich immerhin von selbst, dass ich das sofort ausprobieren muss.

Vielleicht war das Bergschafgarn nicht die beste Wahl für meinen Prototypen, denn es ist eine vergleichsweise grobe Wolle, die beim Häkeln in den Finger einschneidet und aufgrund des noch reichlich vorhandenen Lanolins im Garn auch nicht flutscht. Ich hätte es ganz sicher einfacher haben können. Doch das Endergebnis ist wirklich nett geworden. Jetzt sitzt sie da auf der Couch, meine wilde Hilda. Eigentlich schaut sie gar nicht wild aus, die kleine Monsterdame, aber mein Jüngerer besteht darauf, dass der Name bleibt. Wir könnten ja sagen, dass sie wild wird, wenn sie nicht genug zu essen bekommt, sagt er.

Mein Mann schlägt nämlich vor, dass ich das Monsterchen „Birne Helene“ nennen könnte. Wo sie doch so eine dicke birnenförmige Wampe hat. Sehr feinfühlig ist das, wirklich! Männer muss man daheim haben! Mein Mann ist jetzt nämlich schon der dritte, dem das auffällt. Auch die Jungs haben gleich als Erstes festgestellt, was die Hilda doch für einen dicken Bauch habe (sagt der Ältere) und wie vollfett sie sei (sagt der Jüngere). Ja, sie hat einen ausgeprägten Bauch. Ist so. Darf sie ja als ausgewachsenes Monster haben, oder nicht? Der Schweinehund jedenfalls ist neidisch für drei. Weil die Hilda so einen richtigen Schweinehundbauch hat.

Ich werde Hilda zu meiner Copilotin im Auto machen. Dort redet sie keiner komisch an und sie kann ganz sie selbst sein. Zumindest eine Zeit lang darf sie mitfahren. Denn die naturbraune Wolle neigt dazu, bei starker Sonneneinstrahlung auszubleichen. Und womöglich wird dann Hildas Bauch ganz hell und weiß, wenn sie ihn in die Sonne hält, während unsereins beim selben Vorgang braungebrannte Bäuche bekommt.

Es macht auf jeden Fall großen Spaß, mit dem Buch zu arbeiten. Ein großes Hin- und Hergeblättere, bis man schließlich und endlich sein Wunschmonster gefunden hat. Wobei es natürlich sein kann, dass man mitten im Arbeiten noch einmal andere Arm- oder Fußvarianten findet, die einem besser gefallen. Nix ist fix, heißt es so schön.

Hilda indes fragt sich, wann es wohl weiteren Monsterzuwachs im Haus von Frau Vro geben wird. An der Wolle soll es nicht scheitern …

 

 

 

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5 Gedanken zu “Heute lese ich …

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