Halbstarken-Party.

20170603_Geburtstag Paul_026

Es gibt kein Chaos im Hause von Frau Vro, dachte ich mir, als ich mir das letzte Wochenthema im Mitmachblog ansah. Jedenfalls keines, dass einer Erwähnung bedürfte. Und deshalb habe ich es  sein lassen und diesmal nichts geschrieben. Doch dann kam DER Tag. Dieser Tag X, an dem die Geburtstagsparty vom Jüngeren stattfand.

Alles kein Problem! Habe ich doch schon unzählige Feiern der beiden Jungs überstanden. Mein Jüngerer ist jetzt 9 Jahre alt ist. Schon in einem gewissen Grad selbständig kann ich ihn und seine Freunde einfach im Garten laufen lassen. Es ist ein traumhafter Tag, sonnig und warm. Das Geburtstagskind und ich haben am Vormittag gebacken und vorbereitet. Alles ganz entspannt und ruhig.

Dann wird es halb Drei. Sie trudeln der Reihe nach ein. Insgesamt sind sie jetzt zu sechst. Ich wiege mich immer noch in Sicherheit. Kaum sind sie da, reißen sie sich die Sachen vom Leibe (natürlich jeder für sich und alleine) und schlüpfen in die Badehosen. Die Wasserspritzpistolen werden umgehend geladen, die Wasserbombenluftballons gefüllt. Dann bricht das Chaos los. Der Rasensprenkler wird angeworfen und unter die Schaukeln gestellt. Die Jungs johlen und kreischen, es ist ein unbeschreiblicher Lärm.

Ich werde nicht gebraucht. Außer um einen Knoten in die voll gefüllten Wasserbomben zu machen. Ansonsten bleibe ich nur eine Randerscheinung, welche Trinkbecher auffüllt und den Mist wegräumt. Mein Älterer lässt sich kurz blicken. Wir sitzen auf dem Gartensofa und beobachten das verrückte Treiben. Er mit Entsetzen, ich mit stillem Amüsement.

Ich hatte ganz vergessen, wie laut und ungestüm Kinder in diesem Alter sein können. Langsam sickert eine Erinnerung aus den Untiefen meines Gehirns hervor, dass ich das schon einmal erlebt habe. Nämlich als mein Erstgeborener in diesem Alter war. Zu meinem Mann sage ich später: „Ich bin zu alt für den Scheiß!“ Dann nämlich, als das aus- und andauernde Überschreienwollen und sich immer mehr Übertrumpfenmüssen einen Punkt erreicht, wo meine Nerven dünn werden. Die Partyfontäne steckt Funken sprühend in einem Topfenpolsterzipf (= Teigtasche aus Topfenteig, mit Marmelade gefüllt, in Dreiecksform), denn Torte gibt es keine. Die Gespräche sind in keinster Weise angebracht. Während sie sich die grauslichsten Dinge der Magen- und Darmentleerung entgegen schreien und sich dabei mit Begeisterung ekeln, vertilgen sie genüsslich Teigtascherl, Schokolinsen und Salzstangerl.

Unsere Garage ist zur Eventlocation umgebaut, die Autos die Gasse entlang geparkt. Der Tischtennistisch steht bereit, das Dartboard hängt an der Wand und der Wuzzler steht im Garten. Die Einfahrt ist freigeräumt, damit man besser zum Basketballkorb kommt. Zwei der Geburtstagsgäste spielen Tischtennis, die restlichen feuern an. Ich wähne mich in einem vollgefüllten Stadion mit Fans, die völlig außer Rand und Band sind. Meinen Mann sehe ich nirgendwo. Er ist mit dem Älteren im Haus und versteckt sich. Fast hätte ich Feigling gesagt.

Als die Energie das erste Mal abflaut, rennen sie alle rein und wollen Lego spielen. Endlich ein bisschen ruhiger, freue ich mich. Ich sollte es besser wissen. Mein Mann taucht draußen im Garten auf. Komisch, dass er meistens dort ist, wo die Jungs gerade nicht sind. Fast hätte ich Feigling gesagt.

Ich bereite das Abendessen in der Küche vor und finde mich unvermittelt in grimmige Räuber- und Gendarm-Spiele verwickelt. Die Gauner werden mit meiner Strickwolle gefesselt, abgeführt und in meiner Mini-Speis eingesperrt. Von wegen Lego! Dann erscheint der Kaiser (= mein Kind im Hermelin Kuschelbademantel), betritt die Bühne und verkündet die Urteile. Die sind drakonisch, Diebstahl wird mit Erhängen geahndet. Ich jage die Jungs nach draußen zu ihrer Henkersmahlzeit, bevor sie sich alle gegenseitig exekutieren.

Gegen Abend werden die Gäste von ihren Eltern abgeholt. Manche fahren gleich, manche bleiben noch. Der Abend geht ins ruhige Ausklingen. Das meint man aber nur. Die Kinder sind unvermindert energiegeladen und toben durch den Garten. Ich denke mit schlechtem Gewissen an die Nachbarn. Mehrmaliges Ermahnen hat Null Effekt. Nur riesige Portionen Eis können für kurze Stille sorgen. Wir Großen sitzen auf der Terrasse bei den letzten selbstgestapelten Burgern und Bier. Gegen Neun kehrt dann plötzlich Stille ein. Großer Aufbruch! Das Geburtstagskind verschwindet im Haus, um sein Geschenk auszupacken. Mein Mann und ich räumen noch schnell auf und starten den Geschirrspüler.

Bis wir endlich fertig sind mit allem, ist es fast Zehn. Ich sinke auf die Couch und schlafe schlagartig ein, als hätte man mir das Licht ausgeknipst. Ich bin völlig erledigt von dieser geballten Ladung jugendlicher Energie.


Topfenpolsterzipfel:

Für alle, die es interessiert, hier noch das Rezept. Die Polsterzipfel hat sich mein Geburtstagskind gewünscht. Der Topfen-Gleichschwerteig ist schnell gemacht und drückt nicht aufs Geldbörsel. Von den Kalorien schweige ich lieber. Außerdem ist es eine gute Möglichkeit, Marmeladeüberschüsse loszuwerden. Wir haben am liebsten Marillen- oder Ribiselmarmelade in unseren Polsterzipfeln.

Einen Teig aus 25 dag Mehl, 25 dag Topfen, 25 dag Butter und einer Prise Salz kneten. Rasch arbeiten und den Teig dann mindestens eine Stunde kühl rasten lassen. Der Teig ist sehr weich! Danach ca. 3-4 mm dünn ausrollen und mit dem Teigrad oder einem Messer Quadrate mit ca. 8 cm Seitenlänge schneiden. Die Ränder mit verquirltem Ei bestreichen und einen Teelöffel Marmelade in die Mitte geben. Die Teigstücke zu Dreiecken einschlagen, gut andrücken und mit dem Ei bestreichen. Bei 200°C Heißluft ungefähr 12 Minuten backen, bis die Polsterzipfel goldbraun sind.

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4 Gedanken zu “Halbstarken-Party.

  1. Wir haben es hier eigentlich aufgeteilt: Mein Mann schmeißt die Jungs-Partys und ich bin für die Mädels zuständig. Da war ich immer sehr dankbar für, weil ich die Jungs eben immer als sehr laut empfunden habe. Bis zu dem Zeitpunkt (ich glaube, es war vor 1 oder 2 Jahren), als meine Tochter die ersten Übernachtungs-Teenies-Partys schmiess – glaube mir: Jungen sind leiser ……

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    • Ich war immer froh um die Buben-Partys, weil ich Geschichten von den Mädels höre, um die ich niemanden beneide. Nur noch ein, zwei Mal, dann braucht es auch beim Jüngeren wahrscheinlich nur noch ordentlich Verpflegung und eine Verteilersteckdose für die Ladegeräte und vielleicht ein paar Filme, die sie die halbe Nacht hindurch kichernd ansehen. 🙂

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  2. Ach ja, herrlich diese Geburtstage! Ich erinnere mich gerade an eine Seeräuberparty im Juli. Meine Freundin mit ihrer Tochter war das erste Mal dabei. Und völlig schockiert. Und ich so: Äh, weiß auch nicht, warum die Jungs so sind wie sie sind. Ja, es war so laut und quirlig und lebendig, wie Du es beschreibst. Die Tochter meiner Freundin hat es überlebt. Sie fand es wohl ganz gut. Meine Freundin nicht. Liebe Grüße und weiter so! Regine

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