Story-Samstag: EHE

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Ehe ich’s mich versah, war ich schon mittendrin. In der Ehe. Errare humanum est – erklärte einer, der meinte Ehe sei eine Abkürzung dieser Wörter. Ich bin kein Lateiner, also seht mir eventuelle Fehler nach. Alles was ich vom Lateinischen weiß, kommt aus Botanikbüchern oder dem Pschyrembel – einem medizinischen Wörterbuch, von dessen Gebrauch als Nachtlektüre ich dringend abrate. Und schließlich aus dem mehr oder weniger normalen Sprachgebrauch.

Ich habe mich nicht in die Ehe gestürzt. Aber ich wollte geheiratet sein, bevor ich Kinder bekam. Hätten wir nicht so lange herum gebrodelt, als ich meinen Mann kennen lernte, dann wäre wohl das Einverständnis meiner Eltern nötig gewesen. Da war ich nämlich gerade erst mal 16. Ich bin ein pragmatischer Mensch und weil ich ihn schon mal lieb hatte und meist eh nichts Besseres nachkommt bzw. ich am Ende trotzdem wieder die Wäsche wasche, habe ich ihn gleich behalten. Also nein, sooo pragmatisch bin ich nun auch wieder nicht. Ich muss aber sagen, dass ich nicht unbedingt der aller-romantischste Mensch bin. Mein Mann ist diesbezüglich talentierter.

Wie dem auch immer sei. Irgendwann haben wir uns dann doch entschieden, aufs Standesamt zu gehen, die Ringe zu tauschen, in den Hafen der Ehe einzufahren, wie auch immer man es schwülstig zuckerl-rosa benennen will. Die Eltern waren glücklich, allen voran meine Mutter, weil ich endlich endlich endlich endlich unter der Haube war und somit abgesichert. Ich selber war natürlich auch glücklich.

Wir sind in der heutigen Zeit so etwas wie Fossilien. Wo doch die Verlockungen an jeder Ecke lauern, könnte man meinen. Dass wir für unsere Ehe keine Garantie haben, ist uns beiden klar. Eine Partnerschaft bedeutet immer auch Arbeit. Sowohl am ICH als auch am WIR. Es ist eine stete Herausforderung, damit aus dem „mir Angetrauten“ nicht ein „mir Zugemuteter“ wird. Schief gehen kann schließlich immer etwas. Garantie gibt es keine. Vielleicht trägt das dazu bei, dass wir immer mal wieder reflektieren müssen: Passt es noch?

Ob wir beste Freunde sind? Weiß ich nicht. Glaube ich nicht unbedingt. Es gibt Dinge, die man lieber der besten Freundin sagt. Abgesehen davon, dass man sich aufeinander verlassen kann und füreinander da ist, braucht es meiner Meinung nach ein soziales Netzwerk, auf das man im Notfall zurückgreifen kann. Man sollte nicht die Freunde aufgeben, wenn man heiratet. Passiert nur leider oft, weil man dann ganz in der Partnerschaft aufgeht oder mit den Kindern beschäftigt ist oder mit arbeiten, weil man die Schulden fürs Haus abbezahlen muss.

Für mich ist die Ehe ein klares Bekenntnis zu einem Menschen. Ein Versprechen vor anderen, die dadurch zu Zeugen werden. Es ist ein Versprechen, sein Bestes zu geben und sich um die Partnerschaft zu bemühen. Natürlich kann ich das alles auch ohne Trauschein. Ich sage damit nicht, dass die Ehe besser als andere Beziehungen wäre. Anders zusammen gewürfelte Familien können durchaus besser funktionieren als althergebrachte Familienzusammenstellungen. Natürlich. Aber das liegt dann wohl eher an den einzelnen Individuen in dieser Gemeinschaft als am Trauschein. Und seien wir uns ehrlich, wenn man sich im Falle des (traurigen) Falles einig ist, dann ist auch eine Ehe in kürzester Zeit wieder geschieden. Weh tut eine Trennung sowieso – mit oder ohne Trauschein.

Manchmal frage ich meinen Mann, ob er es noch eine Zeit lang mit mir aushält. Bisher hat er immer bejaht. Hab ich ein Glück! Denn wir veränderten uns beide im Lauf der Jahre und tun es weiterhin. Und diese Veränderung muss nicht zwangsläufig immer in die gleiche Richtung gehen. Eine Ehe sollte nicht so starr sein, dass keine Veränderung mehr möglich ist. Man muss auch hier flexibel und offen bleiben und sich darauf einzustellen versuchen. Sagt sich alles leicht! Ist es aber nicht immer. Dieses „bis dass der Tod euch scheidet“ ist nicht zu 100% in Stein gemeißelt. Letztlich kommt es immer auch darauf an, wie viel der Einzelne investieren kann und will, damit das Gemeinsame gelingt.

Und ehrlich, Tante Tex, was hast du in letzter Zeit beim Story-Samstag für Aufgaben für uns und wie kommt es, dass du mich zu derlei Geständnissen verleitest?

 

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3 Gedanken zu “Story-Samstag: EHE

  1. Errare humanum est – (musst ich auch erstmal googlen 😉 ) Nicht schlecht. Habe ich noch nie gehört hihihi.. Schöner Beitrag.
    Ich bin auch eher unromantisch – vielleicht ein Grund, warum wir noch nicht verheiratet sind. 17 Jahre wilde Ehe. Schon so lange – das ist schon manchmal unwirklich. Ich freue mich aber auch über jeden, der sich Traut. Das wichtigste ist immer seinen Partner zu finden und mit ihm leben zu können 🙂

    Liebe Grüsse

    Gefällt 1 Person

  2. Pingback: [Story-Samstag] Der erste Satz – Tante TeX textet

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