Ist eh alles irgendwie gleich.

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Samstag. Ich habe drei wirklich fleißige Tage hinter mir und nehme mir den Nachmittag frei. An diesem Wochenende ist die Fuchsien-Ausstellung auf Schloss Ottenschlag. Da war ich noch nie. Ich wollte das Schloss immer schon mal sehen. Und Fuchsien mag ich auch. Diese zweifärbigen glöckchenförmigen Blüten, deren Knospen die Jungs immer ploppen lassen. Plopp-Blume nannten sie sie als Kleinkinder. Heute hält sich ihr Interesse in sehr engen Grenzen. Was interessieren sie schon Fuchsien? Blumen? Also fahre ich alleine los. Meine Strick-Freundin Ingrid ist auch da und hat einen Verkaufsstand. Große Erwartungen habe ich keine. Wenn es nett ist, bleibe ich länger. Wenn nicht, dann bin ich bald wieder daheim.

Die Ausstellung selbst ist klein und überschaubar. Von den erhofften Fuchsien sehe ich nicht viel. Anscheinend wurden die besten schon am Vortag weggekauft. Die noch übrigen haben fast ausnahmslos geschlossene Knospen. Ich bin ein bisschen enttäuscht von der nicht vorhandenen Auswahl. Zwei der schattenliebenden Schätze erstehe ich aber doch. Wenn man keine einzige Fuchsie daheim hat, dann braucht man auch nicht wählerisch sein. Einmal vor vielen Jahren in den Anfängen meines Gärtnerdaseins hatte ich 26 Sorten. Lauter verschiedene. Wunderschöne Pflanzen waren das. Nur mit jedem Winter wurden sie weniger, segneten das Zeitliche in einem zu warmen Keller mit zu wenig Licht, bis irgendwann die letzte auf den Kompost wanderte. Was mir ein wenig leid tut, denn Fuchsien waren die absoluten Lieblingspflanzen meiner Oma. Von ihr hatte ich auch die letzte geerbt. Retten konnte ich sie trotzdem nicht. Derlei nostalgische Gedanken begleiten mich, während ich an all den Ständen mit Blumen und Kunsthandwerk vorbei schlendere.

Danach tratsche ich nett mit Ingrid und finde einen ihrer selbst gefärbten Kammzüge, den ich unbedingt haben will/muss. Ich kann gar nicht anders. Ich blättere durch unzählige Gartenbücher und bleibe standhaft. Kein neues Buch! Ich sehe Keramiken für den Garten und bleibe auch hier standhaft. Keine neuen Keramiken! Doch dann komme ich zu einem Stand mit blühenden Kakteen und es ist um mich geschehen. Ich erkenne mich selbst nicht wieder. Wo ich doch so ein gespaltenes Verhältnis zu Kakteen habe. Weil ich sie nämlich immer wieder umbringe. Ich vergönne ihnen das sonnigste Fenster nicht und lasse sie an Verwahrlosung zugrunde gehen. Trotz all dieser schlechten Vorzeichen habe ich schließlich vier davon in einer Tragetasche bei mir. Nach nur zwei Stunden mache ich mich wieder auf nach Hause. Ich habe alles gesehen. Fotos habe ich auch keine gemacht. Die Kamera ganz umsonst mitgeschleppt.

Zuhause topfe ich meine Kakteen in vier Kaffeetassen um. Selbst getöpfert und dann doch nie verwendet. Von ihnen trennen konnte ich mich aber auch nicht und so liegen sie sicher schon zwanzig Jahre in einer Schachtel im Gartenhaus. Jetzt ist ihr großer Moment gekommen. Vier Kakteen, vier Tassen. Das passt perfekt.

Ehrlich, ich finde sie wunderschön! Das tröstet mich etwas über die enttäuschende Fuchsien-Ausstellung hinweg. Die beiden Fuchsien pflanze ich in Tontöpfe und stelle sie auf der überdachten Terrasse auf. Jetzt sollen sie mal wachsen und wie wir den Winter überstehen, das wird sich dann zeigen. Aber die meiste Freude habe ich mit meinen Kakteen. Naja, sind ja auch grüne Haustiere. So gesehen ist eh alles das Gleiche.

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8 Gedanken zu “Ist eh alles irgendwie gleich.

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