Auf Schiene gebracht!

Ich mag Züge. Habe ich das schon einmal erwähnt? Ich bin viele Jahre zweimal wöchentlich mit dem Zug gependelt und später dann sogar jeden Tag, weil es so lustig ist. Das war es dann zwar doch nicht, weil ich mit dem Zug und den blöden Verbindungen 2,5 Stunden unterwegs war. Einmal hin und zurück noch einmal so lange. Mit dem Pendlerbus war ich bedeutend schneller, weshalb ich dann den Zug eher gemieden habe. Drei Jahre war ich Tagespendler aus dem Waldviertel nach Wien. Danach war ich schwanger. Was nicht am Zugfahren liegt. Vielmehr muss man dafür meinen mir Angetrauten verantwortlich machen. Was ich damit eigentlich sagen will, nach der wahnsinnigen Pendlerei hatte ich genug, das Haus war fertig renoviert, wir haben geheiratet und unser Älterer hat sich angekündigt. In dieser Zeit habe ich wahrscheinlich auch mein Lebenspensum an Büchern gelesen. Aber das sind andere Themen für andere Tage!

Als ich mit dem Pendeln aufhörte, wurde ziemlich bald die Zubringerstrecke zur Hauptbahnstrecke aufgelassen. Lag aber nicht an mir. Ehrlich nicht. Selbst wenn ich noch mit dem Zug hätte fahren wollen, ich hätte Pech gehabt, denn der Personenverkehr wurde eingestellt. Heute fahren hier nur noch Güterwaggons mit Müll und Holz.

Ich mochte Züge immer schon. Speziell die Dampfloks. Es geht nicht so weit, dass ich einzelne Serien mit Name und Nummer benennen kann, aber ich sehe sie mir einfach gerne an. Wenn so eine Lok im Bahnhof ächzt und stöhnt, wie sich der Kessel aufheizt und sich die Luft vom Ruß schwarz verfärbt. In diesen Momenten bringe ich meine grüne Seele ziemlich unsensibel zum Schweigen, dass hier alles verpestet würde und von wegen Feinstaubbelastung und überhaupt und außerdem. In diesem Momenten muss ich einfach nur schauen. Gelegenheit bekomme ich dazu immer wieder einmal. Basteln und schrauben doch die Männer vom Lokalbahnverein ausgerechnet im hiesigen Bahnhof in meiner Stadt an alten Lokomotiven herum. Bahnhöfe mag ich übrigens auch. Am liebsten Verschiebebahnhöfe mit unzähligen Gleisen, die sich wie beim Zöpfe flechten ineinander schieben.

Meinem Jüngeren habe ich diese Liebe offenbar weitergegeben. Er will Lokführer werden (und ansonsten Konditor). Derzeit plant er eine Gartenbahn. Also so ein Modell, das groß genug ist, um es zu befeuern und dann drauf zu sitzen und damit durch unseren Garten zu fahren. Einen Schulkollegen hat er schon für sein Projekt begeistern können, ein dritter hat sich praktisch dazu gedrängt, was ihm gar nicht passt. Weil der nämlich so ungenaue Pläne zeichne. OHNE Lineal! Neulich meinte er sogar, der müsse den Heizer machen. Da ist er gar nicht zimperlich in der Verteilung der ungeliebten Arbeiten. Natürlich muss es eine Dampflok sein, weil die sind die allercoolsten überhaupt. Ich kann übrigens beruhigt sein. Unser Garten ist zu klein, das hat er jetzt selber schon eingesehen. Er und sein Freund wollen sich ein eigenes Grundstück dafür kaufen. Einzig über die Finanzierung wurde noch nicht gesprochen.

Im alten Rathaus wurde am Sonntag eine Ausstellung eröffnet. Dampfbetriebene Maschinen. Mhm! Wir waren natürlich auch dort. Wo Züge fahren, egal in welcher Größe, da sind wir meistens auch. Und die dort ausgestellte Dampflok hatte genau die richtigen Maße. Genau, wie er sie sich vorstellt. Weil man die nicht einfach so mitnehmen kann, musste ich ganz viele Fotos machen. Dass ich den Lokführer auch fotografiert habe, hat ihn jetzt nicht so begeistert. Aber ich fand den einfach süß. Ich nenne ihn der Einfachheit halber Ken. Er sieht ja auch wirklich aus wie Barbies Ken. Der Besitzer der Dampflok hat meinem Kind alles genau erklärt, dafür musste Ken aus dem Führerhaus. Mir wurde die ehrenvolle Aufgabe anvertraut, dass ich auf ihn aufpasse. Aber ich dürfe nicht mit ihm durchbrennen. Naja, die Gefahr war nicht sehr groß. Mein Mann gefällt mir besser und er ist bei weitem nicht so dreckig wie Ken.

Übrigens gibt es im Schloss Schiltern eine Modellbahn-Schauanlage. Derzeit sind es zwei Räume, in denen die Züge von einer Modell-Stadt zur nächsten fahren. Wenn man das Glück hat, den Firmengründer zu erwischen, dann bekommt man ganz viele Details zu all den Modellen und darf einen Blick unter die Objekte werfen, wo der ganze Wahnsinn in unzähligen Kabeln eine Fortsetzung findet. Es ist eine faszinierende Welt, diese Modellbauwelt. Und ganz ehrlich, ich würde wahnsinnig mit all dem Gschistigschasti und den Fitzeleien. Für mich wäre das wirklich nichts! Mir fiele wahrscheinlich auch nicht auf, dass in dem Wohnhaus neben der Gleisanlage irgendwann in der Nacht um zwei das Klofenster kurz beleuchtet wird. Mir ist ja auch nicht aufgefallen, dass in der Nacht nur Güter- und keine Personenzüge fahren, denn die Anlage durchläuft im Zeitraffer Tag und Nacht. Das ist dann etwas für die wirklichen Eisenbahnfreaks.

Doch vorerst hoffe ich, dass das mit der Gartenbahn noch nicht so schnell Realität wird. Denn mein Volksschüler soll erst einmal ordentlich schreiben und rechnen lernen. Derzeit ist er mit seinen Plänen beschäftigt. Aber Gott bewahre, dass er sich an Filme wie den Polarexpress erinnert, dann sehen wir den im Hochsommer in Dauerschleife. Lieber schaue ich mit ihm Harry Potter, da fährt nämlich auch irgendwann am Anfang immer der Hogwarts Express. Oder Indiana Jones. Oder Bandidas.

Zu guter Letzt macht das Kind noch täuschend echt die Signalpfeife nach. Das zehrt mit der Zeit ziemlich an den Nerven. Trotz aller Liebe zu Zügen. Er hat einfach viel mehr Ausdauer als meiner eine. Dann muss ich ihn mit strengem Blick in die Remise schicken. Ähem, in sein Zimmer natürlich. Soll er dort weiter pfeifen.

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2 Gedanken zu “Auf Schiene gebracht!

  1. Ich mag Züge auch sehr. Ich bin an und mit der Eisenbahn groß geworden. Mein Vater war nämlich Lokführer und als Kinder hat er uns auf Kurzstrecken gerne mitgenommen. Cool. Da haben die Kumpels gestaunt. Grins. Auch heute liebe ich es mit der Bahn zu fahren und wenn ich nächstes Jahr nach Wien komme, dann sicherlich auch mit der Bahn.

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