Story-Samstag: Ich. Mama Vro.

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Tante Tex macht wieder Story Samstag und diesmal dreht sich alles um die Mütter. War ja auch Muttertag. Tja. Über die Beziehung zu einer Mutter sollen wir schreiben. Ich bin kein großer Freund vom Muttertag. Ich bräuchte das ganze Jahr über immer wieder mal etwas Anerkennung und Aufmerksamkeit. Nur an einem Tag im Jahr, das ist ein wenig mager und erzeugt jede Menge Erwartungen. Wie soll ich von einem Tag Hochlebenlassen ein ganzes Jahr zehren? Aus diesem Grund bin ich da ziemlich voreingenommen. Aber die Kinder basteln und kleben mit Leidenschaft und das alles auch noch in aller Heimlichkeit. Konspirieren mit dem Herrn Papa und suchen nach Verstecken, wo die Mama nicht nachsieht. Gar nicht so einfach. Und dann muss man das Geschenk auch wieder finden! Das gehört mit entsprechendem Wohlwollen und Freude honoriert. Mittlerweile darf ich meine Geschenke ja behalten. Das war auch nicht immer so. Jedenfalls ist das beim Jüngeren so. Der Ältere vergisst derlei Tage. Dafür ist er dann umso bemühter beim Frühstückstisch. Weil ihn das Gewissen doch ein bisschen drückt.

Aber um wieder näher zum Thema zu kommen und nicht nur drumherum zu reden. Wie sieht das jetzt aus mit meiner Beziehung zu einer Mutter. Natürlich habe ich eine, die mein Leben mehr beeinflusst und geprägt hat, als ich manchmal zugeben mag. Oder besser: ich hatte. Seit meine Mama vor zwei Jahren überraschend gestorben ist, mag ich den Muttertag noch weniger. Die Zeit ist noch zu kurz und so gestaltet sich manches rund um diesen Tag eher schmerzhaft. Manchmal würde ich mich gerne einsperren oder Tage wie Muttertag, Geburtstag, usw. aus dem Kalender streichen. Also gehe ich noch ein wenig näher an mich heran. Näher als die eigene Mutter mir stand? Ja. Näher. Näher und ganz zu mir. Ich bin nämlich selber Mutter.

Dass ich Kinder haben wollte, stand nie zur Diskussion. Der Gedanke war immer da. Warum, weiß ich nicht. Als mein Älterer geboren wurde, war es dann auch wirklich ein wenig so, als wäre ich angekommen. Vorher gab es einige tiefe dunkle Täler, durch die ich ging. Manchmal blicke ich auch heute noch über den Abgrund. Aber mit meinen Kindern änderte sich alles. Dass ich die Mama von meinen Jungs bin, ist eine Tatsache. Trotzdem bin ich mir dessen meist nicht bewusst. Es ist einfach so. Ich denke kaum jemals darüber nach.

Wenn ich mich also heute vor den Spiegel stelle und nach der Mutter in mir suche, dann finde ich sie nicht gleich sofort. Ich sehe eine Frau, die zwei Kinder in die Welt gesetzt hat. Aber macht mich das zur Mutter? Ich sehe mich als die, die ihnen zu essen gibt, die sie durch die Tage begleitet, ihnen beizubringen versucht, was richtig und was falsch ist. Die sie anhält, Bitte! und Danke! zu sagen und höflich zu sein. Denn Höflichkeit tut nicht weh. Die ihnen aber auch sagt, sich nicht alles gefallen zu lassen. Aber wie definiere ich Mutter? Bin ich nicht viel eher Krankenschwester, Coach, Chauffeur, Nachhilfelehrer und großer Organisator. Manchmal Animateur. Manchmal dann der General, der die Zügel straffer hält. (Bitte entschuldigt, dass ich hier nicht gendere, ihr versteht auch so, denke ich!) Was also ist eine Mutter? Was verbindet mich mit meinen Kindern? Nach dem Durchtrennen der Nabelschnur? Wo ich übrigens zwar live dabei war, aber keinerlei Erinnerung daran habe, das hat jeweils ein Chirurg übernommen. Freiwillig habe ich mir das nicht angetan, aber auch das war nun einmal so. Da hätten sie mir die Zwerge austauschen können, aber wenn ich sie mir so ansehe, dann halte ich das für unwahrscheinlich.

Ich bin seit beinahe dreizehn Jahren Mama. Ich bin immer für meine Jungs da. Vielleicht nicht ständig greifbar, aber sie können immer kommen, wenn sie etwas brauchen. Mit jedem Jahr lasse ich diese unsichtbare Leine ein wenig länger werden. Damit die zwei irgendwann selbständig in ihr Leben gehen können. Leicht wird es mir nie fallen. Denn diese Leine wird immer an mir ziehen. Vielleicht nur ein wenig, aber sie wird ziehen. Sie wird immer präsent sein. Das Beste was ich tun kann ist, dass ich nicht zu sehr zerre und meine Kinder am Großwerden hindere. Diese Verbindung wird immer da sein. Und womöglich ist es jetzt auch genau das, was mich als Mutter ausmacht. Diese ganz spezielle Verbindung, die zwischen uns besteht seit jenem ersten Tag, als ich diese kleinen Menschen zum ersten Mal in Händen halten konnte. Diese unsichtbare Nabelschnur wird immer da sein, egal wie weit sie von mir weg sind. Räumlich oder emotional. Ganz egal. Ich werde mich immer fragen, wie es ihnen wohl geht und wie sie ihr Leben meistern. Ich kann mein eigenes Leben leben, meine Freunde und Hobbies haben, aber irgendwo ist ein Teil meiner Gedanken immer bei den Kindern.

Wahrscheinlich ist es genau das, was mich als Mutter ausmacht.

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9 Gedanken zu “Story-Samstag: Ich. Mama Vro.

  1. Deine Gedanken zur Mutter und der eigenen Identifikation damit gefallen mir sehr.
    Du beschreibst das Band, das ich zwischen meiner Mutter und mir ebenso spüre. Ich werde immer ihr kleines Bärbelchen bleiben, auch wenn ich inzwischen das ‚chen‘ verloren habe, grins.
    Es fühlt sich für mich stimmig an, das mit den Leinen los lassen und so. Vermutlich für eine Mutter manchmal schwer umzusetzen, sie in die Welt hinaus ziehen zu lassen.
    Dankeschön.

    Gefällt 2 Personen

    • Es muss so etwas sein mit diesem unsichtbaren Band. Erziehen kann sie letztlich jeder und lieben kann man Kinder auch ohne Mutter oder Vater zu sein. Und trotzdem ist da noch etwas Anderes. Stärkeres vielleicht. Oder Tieferes. Nicht greifbar irgendwie.

      Gefällt 2 Personen

  2. Pingback: [Story-Samstag] Heiliger Bund – Tante TeX textet

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