Misi kommt und geht gleich wieder.

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Eigentlich stand da zuerst ein anderer Titel. Aber meine Muse ist gar nicht begeistert. „Neiiiin!“, schreit sie entsetzt, „Nein! Nein! Nein! Du kannst doch Misi und du-weißt-schon-wen nicht in einem Satz nennen, Frau Vro! Nein, das geht gar nicht. Denkst du denn nicht an seine armen Nerven?“ Ich sehe schon ihre Trollfüsse aus den roten Schuhe gucken, so sehr regt sie das auf. Also kein Titel wie „Misi und der Storch“.

Hysterisch … oh Entschuldigung, meine Muse ist natürlich nicht hysterisch … noch einmal von vorne … theatralisch mimt die Muse den großen Beschützer für den kleinen reiselustigen Froschmann von Regines Blog. Er reagiert nämlich ziemlich panisch auf Störche und ist gerade dabei, diese Angst in erträgliche Bahnen zu lenken. Wobei … da fällt mir auf, dass ich von ihm heute noch gar nichts gesehen habe.

Gestern Nachmittag ist er in Begleitung von Frau Holle hier bei uns angekommen. Rosalind hat die beiden müden Reisenden gleich ins Gästezimmer geführt. Ganz entzückt waren die zwei von der Aussicht auf die blühenden Apfelbäume. Lange Zeit zum Entspannen hatte der Froschmann aber nicht, denn da kam schon der Schweinehund mit seinen Partyplänen. Und Misi hat sich nicht lange bitten lassen, die Aussicht auf eine Männerrunde hat ihn sofort wieder aufleben lassen. Er hat seine wenigen Habseligkeiten mitten im Zimmer fallen lassen und ist mit dem Schweinehund losgezogen. Den Lebens-Ernst haben sie auch mitgenommen, aber nur unter der Auflage, dass er tiefgründige ernste Gesprächsthemen sein lässt. Zurück blieben wir Frauen – rat- und auch ein wenig sprachlos. Selbst dem Kater Johnny Stripes war die geballte Frauenpower zu viel, er hat ein naserümpfendes „Miau!“ von sich gegeben und ist den Männern in einem perfekten Catwalk hinterher.

Wir hatten es auch ohne sie sehr lustig. Keine Spur von Häkeldeckchen und Gesprächen über Migräne. Wir haben gemeinsam ein wunderbares, aber viel zu reichhaltiges Abendessen gekocht und dabei getratscht. Also vor allem die Muse hat geredet und Frau Holle, Rosalind und ich haben gekocht. Nur beim Essen war sie dann wieder dick da. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wieviel die Muse verdrücken kann! Wir haben gescherzt und gelacht, bis uns die Tränen kamen. Ich habe heute noch Muskelkater davon. Ja, ein bisschen Alkohol war ebenfalls mit im Spiel. Und Johnny Stripes, der den Schweinehund verpasst hat, hat sich auch wieder zu uns gesellt und sich streicheln und verwöhnen lassen. Spät in der Nacht sind wir dann endlich mit einem seligen Grinsen in unsere Betten gefallen.

Jetzt aber ist es fortgeschrittener Vormittag. Frau Holle ist noch im Gästezimmer, wahrscheinlich muss sie sich nach der durchtratschten Nacht ausschlafen. Der gestreifte Kater ist nirgendwo zu finden, möglich, dass er sich zu Frau Holle ins Bett geschlichen hat. Rosalind aber geht unruhig im Kreis und prophezeit dem Schweinehund alles Mögliche, wenn er nicht ordentlich auf den Frosch aufgepasst hat. Die Muse und ich nutzen die Ruhe zum Schreiben und basteln an einem Bericht über unseren Gast. Wenn er nur da wäre …

Da schlägt die Haustür vernehmlich zu. Füssegetrappel kommt näher. Dazwischen das Plitsch-platsch von Misi. Der Schweinehund mit roter Nase und roten Ohrenspitzen. Der Ernst blasser als ohnehin. Der Frosch wie gewohnt in Grün, nur bei genauerem Hinsehen ist er ein wenig gelbstichig. Rosalind guckt alarmiert, die Muse in erster Linie neugierig.

„Was gibt’s zum Frühstück?“, will der Schweinehund wissen, „Eierspeis mit Speck wäre jetzt fein. Vielleicht noch ordentlich Käse drüber. Irgendetwas Deftiges jedenfalls. Ich bin am Verhungern.“

Misi wirkt nicht ganz so erpicht auf Eierspeis mit Speck, aber man könnte vielleicht Fliegen reingeben. So knusprig gebratene Fliegen wären schon lecker. Der Ernst schaut gequält, seine Blässe geht mittlerweile leicht ins Grünliche. Und auch wenn Grün bei Fröschen ein Zeichen für gute Gesundheit ist, auf den Ernst trifft das eindeutig nicht zu.

„Wo wart ihr so lange?“, will Rosalind wissen. Die Muse und ich sagen vorerst einmal gar nichts. Rosalinds mühsam aufgestaute Sorge braucht jetzt ein Ventil. Der Schweinehund steht in vorderster Front und grinst verlegen.

„Wir haben Störche erlegt!“

Rosalind wird blass um die Nase. Frosch Misi bekommt ein paar helle gelbe Flecken, aber auch er grinst nur. Der Ernst sieht schon, dass Rosalind Luft holt für weitere Tiraden und flüstert leise: „Bitte, kann ich erst mal einen Tee haben? Und ein bisschen Zwieback? Dann erzähle ich dir auch ganz bestimmt alles.“

„Ja, genau! Wir verhungern gleich. Bitte, wir brauchen ein Frühstück! Jetzt! Sofort! Sonst können wir gar nichts mehr erzählen und nehmen unsere Abenteuer mit ins Grab.“ Na pfuh, der Schweinehund trägt ja ganz dick auf. Die Muse versteckt sich hinter mir, damit Rosalind sie nicht lachen sieht. Kater Stripes fängt eine Fliege aus der Luft und der Schweinehund schleppt einen Karton Eier heran. Dann sucht er im Kühlschrank nach dem Speck, aber der Kater schleckt sich mit der Zunge übers Maul und schnurrt ein entschuldigendes „Miau!“. Ein tiefer Seufzer entfleucht dem Schweinehund. Also kein Speck! Dann eben nur Eierspeis mit Käse. Reparaturfrühstück sozusagen!

Ich mache mich ans Kochen. Immerhin sind wir alle neugierig, was Misi vorige Nacht erlebt hat. Und dass der halb verhungerte Schweinehund die tollkühnen Abenteuer mit ins Grab nimmt, weil er wegen Entkräftung vorzeitig das Leben aushaucht – DAS will ich nun wirklich nicht. Ich hätte ja einen Keks als Erste Hilfe-Maßnahme vorgeschlagen, aber das ist offenbar heute das Falsche.

Als die Teller abgeschleckt und Frosch und Schweinehund satt sind, sitzen wir rund um sie herum und warten neugierig. Auch Frau Holle hat sich mittlerweile zu uns gesellt, hat von Rosalind einen Becher mit Kaffee in die Hand gedrückt bekommen und meine Muse reicht ihr wortlos ein Butterbrot mit Marmelade. Wir hoffen, dass jetzt endlich wer vom gestrigen Abenteuer zu erzählen beginnt. Vom Ernst des Lebens ist nichts zu erwarten, er hängt müde und käsig in der Ecke. Der Geruch nach Eiern und knusprigem Käse hat ihm den Rest gegeben.

Misi aber strahlt übers breite Froschgesicht seine Frau Holle an: „Frau Holle, ich sage es dir: Wir brauchen Kinder. Du musst ein Baby bekommen!“ Ungeachtet des entgeisterten Blickes von Frau Holle beginnt er zu erzählen.

89138-img_6443Aber davon lest ihr dann morgen …

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8 Gedanken zu “Misi kommt und geht gleich wieder.

  1. Pingback: Misi und die Störche. | vro jongliert

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