Häuslbauer-Projekt Teil 6. Meinungsverschiedenheiten.

Bei meinem Puppenzimmer-Prototyp war ich ganz allein am Basteln. Das war fein. Da war keiner, der mir dreingeredet hat. Doch damit hat es ein Ende. Heimlich, still und leise scheint sich der Jüngere zum Bauherrn und Architekten aufgeschwungen zu haben.

Er hat beschlossen, dass es ein Mädels- und ein Bubenzimmer geben muss. Diese Geschlechtertrennung gefällt mir nicht so wahnsinnig. Aber soll das Kind eben spielen, wie es will. Und ich mache es dann so, wie ich es will. Der Schweinehund ist weniger begeistert. Er will zu den Mädels. Mit denen ist es viel lustiger und optisch sind sie auch ansprechender. Der Schweinehund ist ein kleiner Schwerenöter. In die Muse ist er ohnehin verknallt. Und von Rosalind bekommt er öfter mal einen Keks zugesteckt, auch wenn sie dann wieder schimpft, wenn er bröselt. Der Ernst hängt ja neuerdings nur noch in diesem neuen Bett herum und telefoniert mit dem Handy, dass ihm mein Sohn zugesteckt hat. Gut, dass die Muse das nicht sieht. Sonst wäre sie gleich misstrauisch, mit wem er so viel zu reden hat. Irgendwie frage ich mich das auch …

Der Herr Sohn richtet die Zimmer mit den vorhandenen Möbeln ein. Total vollgerammelt. Ich sage ihm, er müsse nicht alles reinstellen. So voll schaut das irgendwie nicht so toll aus. Aber meine Einwände will er nicht hören. Im Gegenteil, er scheint ein wenig verärgert, weil ich seine Vorschläge nicht bejuble und zieht ein Schnoferl. Und dann macht er erst wieder, wie er es will. Ich denke mir meinen Teil und schweige. Er ist ja doch ganz mein Kind.

Später sind wir gemeinsam am Dachboden. Schon wieder. So oft, wie ich derzeit die Leiter auf und ab klettere, erspare ich mir jedes Workout. Ich habe vor Jahren von meiner Nachbarin drei Kataloge mit Tapetenmustern bekommen. Schon als wir sie durchblättern, kommen mir schlimme Vorahnungen. Ich finde seine Vorlieben gruselig. Letztlich gehen wir einen Kompromiss ein und ich tapeziere das zweite Puppenzimmer so, dass auch ich halbwegs zufrieden bin.

Als der Schweinehund sieht, was ich da mache, bricht es entgeistert aus ihm heraus: „Rot!? Echt jetzt? Das sieht ja aus … wie …  wie in einem Puff!“ Ich schaue ihn irritiert an. „Wie? Was? Und woher willst du wissen, wie es in einem Puff aussieht?“ Der Schweinehund sucht nach Ausflüchten. „Ähem. Naja, ich habe das mal in einer Reportage im Fernsehen gesehen. Da waren auch so rote schwülstige Tapeten und schummeriges Licht.“ „Hm hm“, kommentiere ich nur. Ich komme mir gerade etwas naiv in Bezug auf den Schweinehund vor.

Ich habe ja den Verdacht, dass er mit Rosalinds Ex, dem Romeo, einmal auf einer ihrer Sauftouren seine einschlägigen Erfahrungen gemacht hat. Wobei ich mir denken könnte, dass es eher enttäuschend gewesen sein muss, wenn so ein niedlicher kleiner Schweinehund daherkommt mit nichts in den Taschen als ein paar Keksbröseln. Als der Schweinehund vor sich hin murmelt, dass derartige Lokale überbewertet würden, verkneife ich mir nur mit Mühe ein lautes Lachen.

Der Jüngere hat in seinem Zimmer aufgeräumt. Picobello. Beachtlich und sehr lobenswert. Als er wieder bei mir auftaucht, erfahre ich auch den Grund dafür. „Du Mama? Das Bubenzimmer will ich in meinem Zimmer haben. Ich habe extra den Tisch abgeräumt.“ Ich hätte MEINE Sachen lieber beisammen. Und dann kommt der Ableger und meldet Besitzansprüche. Trotzdem gebe ich ihm nach. Allerdings mit der Auflage, dass er unter gar keinen Umständen irgendwelche Sticker aufklebt. Er brummelt etwas Unverständliches in sich hinein. Da habe ich wohl einen wunden Punkt getroffen.

Der Ernst und der Schweinehund schauen flehend zu mir hoch. Sie wollen nicht in einem anderen Zimmer sein. Ich hätte meine vier ja auch gern beisammen. Aber ich beschwichtige die beiden, sie sollen erst mal abwarten. Wer weiß, wie lange die Begeisterung anhält. Zweifellos hat das jüngere Kind ähnlich viele Ideen wie seine Mama. Auch wenn die in eine etwas andere Richtung gehen. Wahrscheinlich braucht er den Platz schon bald für etwas Anderes. Und dann wird das Puppenzimmer weichen müssen.

Nur so nebenbei gesagt habe ich die Nähmaschine dann doch noch hervorgeholt und Bettwäsche genäht. Weil Ordnung sein muss. Das Bett und der Tisch sind auch fertig. Ich habe beide zuerst ocker gestrichen und dann mit Krakelierlack und weißer Farbe noch einmal. Schaut wirklich gut aus. Wenn man nicht zu nahe rangeht und zu genau schaut, sieht man die vielen Löcher gar nicht gleich. Abgesehen davon nennt sich das Vintage und gehört so. Oder sagt man Trashy Chic?

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Wie auch immer. Schön langsam schließe ich meine Puppenwerkstatt.  Fürs erste scheint meine Schaffensphase befriedigt und ich werde mich wieder unabgelenkt anderen Dingen widmen. Meine vier sind ebenfalls glücklich, weil sie nicht nur ein einziges Zimmer, sondern doch noch ein halbes Puppenhaus bekommen haben. Einzig die Muse meldet leise ihre Wünsche an, dass sie schon noch einen Kleiderkasten brauchen könnte oder noch besser ein Schrankzimmer. Aber das eilt jetzt erst einmal nicht und vielleicht läuft mir ja irgendwo etwas Geeignetes drein. So ganz  zufällig.

 

 

 

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11 Gedanken zu “Häuslbauer-Projekt Teil 6. Meinungsverschiedenheiten.

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