Häuslbauer-Projekt Teil 5. Die Grenzen des Möglichen.

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Schon wieder der Baumarkt. Diesmal ganz ohne Muse und Co. Wieder waren es Holzleisten. Wieder eine Sperrholzplatte. Gleich der Zuschnitt vor Ort. Der jüngere vro’sche Ableger meinte, ein Zimmer sei zuwenig. Ich wehrte mich nur wenig. Eigentlich gar nicht.

Am Nachmittag stehe ich in der kalten Werkstatt/Garage und schneide die Leisten zu. Ein Bett möchte ich machen mit höherem Kopfteil. Grau ist alle Theorie und ich komme erstmals an die Grenzen meines handwerklichen Geschicks. Mit Holz arbeite ich nicht gerne. Auf den Millimeter genau arbeiten ist noch weniger meins. Das Zuschneiden der Leisten geht ja noch. Danach die Kanten abschleifen. Das geht auch noch. Aber dann die Leisten zusammen nageln ist eine bescheidene Arbeit. Die kleinen Nägelchen sind viel zu kurz, ich haue mir dauernd mit dem Hammer auf die Finger. Doch je länger ich arbeite, umso geschickter werde ich. Die kleinen Nägelchen sind zu lang, sie stehen um einen Millimeter am anderen Ende heraus. Ich fluche zum ersten Mal leise vor mich hin. Überlege, dass ich eine zweite Leiste dazu nagle, aber die hält nicht. Die überstehenden Enden sind jetzt doch zu kurz.

Himmel! So ein Schei*! Reiße die zweite Leiste wieder runter, nehme die Eisenfeile und rasple die überstehenden Enden ab. So! Basta. Geht doch!

Das doofe Bett ist nicht im Winkel, es eiert und steht nicht eben. Ich bin für derlei Arbeiten nicht geschaffen. Ich fluche jetzt wirklich entnervt und laut. Der Ernst zischt missbilligend. Er sitzt da auf dem derzeit ausgebauten Autokindersitz vom Jüngeren. Ebendieser hat ihn mit runter genommen und behauptet, der Ernst wollte das so.

Mir reicht es. Ich nehme das Bett mit nach oben ins Esszimmer, das kurzerhand ins Bastelzimmer umgewidmet ist. Dort ziehe ich die Nägel der Seitenteile wieder heraus. Mittlerweile ist eines der stabilisierenden Kanthölzer gesprungen. Ich hasse es. Und dann heize ich die Heißklebepistole wieder auf. Ich weiß, Holz sollte ich eigentlich leimen. Aber ich habe echt keine Lust darauf. Geduld auch nicht. Ich mag nicht warten, bis der Leim getrocknet ist. Und ich mag auch nicht mit Klemmen und Schraubzwingen herumwerkeln. Nein! Ich mag nicht.

Was ich nicht konn, konn Silikon! So oder so ähnlich. Bei mir ist das die Heißklebepistole, die muss jetzt herhalten. Damit klebe ich die Seitenteile zusammen. Sieht doch gleich besser aus. Ich muss das Bett unbedingt mit Farbe streichen. Derzeit sieht es aus, als hätten Holzwürmer einen Riesenparty gefeiert. Natürlich werde ich genau das erzählen und nicht von meinem Unvermögen in Sachen Tischlerarbeit.

Nachdem die Heißklebepistole schon einmal heiß ist, mache ich noch die zwei Sessel, die ich letztens schon vorbereitet habe. Ich mache eine Matratze für das Bett und ein Sitzpolster für die Hollywoodschaukel. Eleganter wäre es, diese zu nähen. Aber ich mag auch die Nähmaschine nicht auspacken. Neuerdings komme ich einem Blutrausch nahe, wenn ich etwas nähen soll. Dabei habe ich zwei Nähmaschinen. Eine billige Singer und eine uralte Husqvarna. Ich wollte nur die Hosen vom Jüngeren flicken. Bei der Singer prellt es den Spulenkorb raus. Und das im vollen Betrieb. Normalerweise bricht dabei die Nadel. Die Husqvarna näht keine sauberen Stiche mehr. Das löst solche Aggressionen aus, dass bei meinem letzten Zornesausbruch sogar der Liebste ganz erschrocken war. Deshalb riskiere ich diesmal nichts außer heißem Kleber auf den Fingern. Sonst pfeffere ich die halbfertigen Teile in eine Ecke und setze mich dazu zum Weinen. Frau Vro kennt Frau Vro.

Während ich da bastle, spielt der Jüngere mit den Puppen in den beiden Zimmern. Ja genau. Jetzt sind es zwei. Plemplem scheint mein zweiter Vorname. Wenn man die zwei Zimmer an der Ecke zusammenstellt, dann werden es sogar vier Zimmer. Alles total ausgetüftelt! Mein jüngeres Kind ist sehr von mir angetan. (Und hat man nicht genau deshalb Kinder, dass man manchmal auf ein Podest gehoben wird?)

“ Mama, du bist so klug!“

„Mama, wir brauchen ein Badezimmer!“

„Mama, der Ernst hat sich eine Decke gekauft. Und Mama, der Schweinhund will gar nicht im Bett schlafen, sondern im Fauteuil. Und Mama, es gibt jetzt ein Mädels-Zimmer und ein Buben-Zimmer. Und Mama …“

Der Ältere kommt auch dazu. Will wissen, wie jetzt eigentlich wer genau heißt. Und dann lässt er den Ernst an der Zimmerwand Klimmzüge machen und zeigt uns dessen Muskeln. Der Jüngere lacht sein wildes Lachen, in das der Schweinehund fröhlich einstimmt. Das schaut alles unglaublich lustig aus. Findet Heinzelfrau Rosalind. Die Muse schmachtet den Ernst mal wieder an, weil er auf einmal so männlich auf sie wirkt, so hat sie ihn noch gar nie gesehen. Jedenfalls haben die jungen Herren und auch meine vier eine Menge Spaß.

Ich mache mich nebenbei ans Aufräumen und verwandle das Bastelzimmer wieder in ein Esszimmer. Schön ist der Wirbel meiner spielenden Kinder da nebenan …

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4 Gedanken zu “Häuslbauer-Projekt Teil 5. Die Grenzen des Möglichen.

  1. Ich bin ganz bei dir. Dieses Filigrane und genaue rumkaspern mit Leim, wer braucht denn das schon, wenn er Heißklebepistolen hat? Deshalb bestehe ich, wenn ich alle x Jahre einen Bastelanfall habe, ja auch darauf, wenigstens mit einem Cutter hantieren zu dürfen, weil es auf das Gerät ankommt, ob es Spaß macht.

    Mhm

    Egal, ich lass das mal so stehen. 😀

    Gefällt 1 Person

    • Filigran ist nicht gleich filigran. Es ist eher das Ausmaß an Exaktheit, das mich ganz unrund macht. Origami zum Beispiel ist auch nichts für mich. Meine Kraniche sehen gleich von Beginn an aus, als wären sie unter den Bus gekommen. 😉
      … da hilft dann vielleicht auch nur noch der Cutter … *lol*

      Gefällt 2 Personen

  2. Pingback: Häuslbauer-Projekt Teil 8. Geduld ist das meine nicht! | vro jongliert

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