Häuslbauer-Projekt Teil 4. Konsumwahn.

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Der Lebens-Ernst schüttelt missbilligend den Kopf. Es war so schön hier. Das neue Puppenzimmer fertig tapeziert und eingerichtet. Die Möbel locker verteilt. Alles fein. Zugegeben wird es mit allen vieren schon ein wenig voll. Keine Angst, daran arbeitet Frau Vro noch.

Aber dann ist Heinzelfrau Rosalind mit Frau Vro in den Baumarkt gefahren. Während letztere bei den diversen Holzleisten in reinstes Entzücken verfallen ist, hat erstere die Gartenabteilung gestürmt. Jetzt schleppt Rosalind doch tatsächlich Pflanzen an. Der Ernst findet das total unnötig. So Minipflänzchen in Minitöpfen sind akut gefährdet. Da hat er schon Recht. Die haben Null Speichervermögen und ich vergesse öfter mal aufs Gießen. Selbst wenn es Kakteen sind. Das wären nicht die ersten, die bei mir ihr Leben lassen. Aber Rosalind wischt seine Einwände beiseite. Es kommt wie üblich das Argument, dass Männer davon nichts verstünden und man brauche einfach etwas Grün zum Leben. Kakteen hat sie also heim geschleppt. Das muss ungefähr zu dem Zeitpunkt gewesen sein, als ich bei den Dekorfolien stand und mich nicht entscheiden konnte, welche ich denn nur nehmen soll für den Fußboden des Puppenzimmers. Deshalb habe ich dann gleich zwei verschiedene genommen.

Der Schweinehund grunzt unwirsch. Er braucht kein Grün zum schöner Wohnen. Schon gar keines mit Stacheln. Er hat sich unwissend am Kaktus vorbeigedrückt und winselt jetzt leise vor sich hin. Zwar hilft ihm Rosalind, dass er die Stacheln wieder los wird, aber: die Pflanzen bleiben.

Auch die Muse bereitet dem Ernst Kopfzerbrechen. Sie hat schon wieder ein neues Outfit. Frau Vro strickt neuerdings nur noch Puppenkleidung. Das geht viel schneller als irgendwelche Teile für sie oder die Jungs. Und die Wollreste werden auch rapide weniger. Der Kleiderschrank ist bereits voll und die Muse meint, sie muss jetzt eine Truhe haben, wo sie alles verstauen kann. Noch besser wäre ein Schrankzimmer. Warum braucht sie bloß den ganzen Krempel? Der Schweinehund für seinen Teil ist hingerissen, er schaut der Muse gern beim Umkleiden zu, wie sie sich anmutig verrenkt. Er braucht gar nichts zu tun. Nur dasitzen und Kekse knabbern und zuschauen. Die reinste Peep-Show! Und sie kostet ihn keinen Cent.

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Rosalind schnaubt nur kurz die Stirnfransen aus dem Gesicht, zischt ein „Lustmolch!“ zum Schweinehund und eilt Richtung Küche. Sie hat zu tun. Wenn schon Frau Vro nicht kocht, so muss sich eben sie darum kümmern, dass hier Essen auf den Tisch kommt. Frau Vro hat nämlich Holzleisten gekauft. Ein Bett soll es werden. Der Schweinehund freut sich schon. Aber der Ernst raubt ihm jegliche Illusion. „Das werden wir sicher teilen müssen“, sagt er nüchtern, „Wahrscheinlich drängen sich die Mädels  vor und bestehen auf ihr Vorrecht. Die Muse wird so lange herum raunzen, bis sie als Erste darf. Dann gibt es  vielleicht eine Neuauflage der Prinzessin auf der Erbse.“ Der Schweinehund kichert los. Auch der Ernst grinst breit. Dann machen sie ein paar richtige Männerwitze auf Kosten meiner Muse, die ich an dieser Stelle nicht wiederholen werde. Ja, vielleicht gibt es wirklich eine Neuauflage der Prinzessin auf der Erbse. Schaut fast so aus, als hätte mich diesmal der Lebens-Ernst inspiriert und nicht die Muse.

Und plötzlich ist da die Idee von der Erbsen-Prinzessin, die immer ein etwas säuerliches Gesicht macht und total wehleidig ist. Wobei sich bei mir bei diesen zarten Märchen-Prinzessinnen immer Rebellion breit macht und ich sofort Geschichten erzählen will, wie sie sich zu wilden eigenständigen und starken Frauen mausern. Außerdem sind da noch hell- oder dunkelbraune Wolle. Vielleicht eine dunkelhäutige Erbsen-Prinzessin? Nein, bitte nicht, Frau Vro! Nicht noch eine Puppe! Es reicht jetzt wirklich. – Aber ich könnte ja eventuell vielleicht doch noch möglicherweise …

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5 Gedanken zu “Häuslbauer-Projekt Teil 4. Konsumwahn.

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