Naschen am Markt – Naschmarkt.

Gestern habe ich von unserem Besuch in der großen Stadt geschrieben. Wir daheim reden immer ganz kryptisch von der großen Stadt. Und meinen Wien damit. Wien ist mit dem Bus eine Stunde und vierzig Minuten von hier entfernt. Das ist eine Entfernung, die man ganz gut auch pendeln kann. Habe ich einmal. Drei Jahre lang. Das war vor den Kindern. Mit dem Auto ist man noch ein bisschen schneller. Trotzdem habe ich manchmal das Gefühl, dass Wien unendlich weit weg ist. Wenn wir dann einmal dorthin unterwegs sind, ist das manchmal wie ein Kurzurlaub. Irgendwie etwas Besonderes. Die BeSt hatten wir in einem halben Tag erledigt. Zeit genug, um noch etwas Anderes zu unternehmen. Weil einfach so heimfahren wollen wir nicht. Also Naschmarkt. Wünsche ich mir.

Ich liebe den Naschmarkt, könnte mich dort in ein finanzielles Fiasko stürzen, um mit Einkaufstaschen voller Gemüse, Obst, Nüssen, Gewürzen und noch mehr wieder heimwärts zu ziehen. In früheren Jahren waren meine Besuche am Naschmarkt immer geprägt von kulinarischen Ausschweifungen. Das ist offensichtlich besser geworden, stelle ich beim Durchschlendern fest. Ich muss nicht das 3000ste Gewürz  haben und kann mich auch sonst erstaunlich gut beherrschen. (Vielleicht liegt es daran, dass ich mein Bargeld vorher nicht aufgefüllt habe?)

Von links und rechts werden Waren angepriesen. Koste das! Probier dies! Wir erstehen getrocknete Früchte fürs Müsli. Mhmmm. Ich freue mich jetzt schon. Plötzlich hält mir jemand Oliven an einer langen Gabel vor die Nase. Fast als wäre ich der Esel, dem plötzlich die Karotte vor dem Maul baumelt. Ich probiere brav welche mit Schafkäse, welche mit Parmesan, andere mit Feigen gefüllt. Schwarze große und kleine giftgrüne aus Sizilien. Kaufe schließlich ein gutes halbes Kilo davon. Aber der Olivenmann scheint plötzlich frustriert zu sein. Er ist ein noch junger Olivenmann, enthusiastisch und marktschreierisch, wie sich das so gehört. Offenbar muss er erkennen, dass sein sprühender Charme nicht ausreichend gezogen hat, um mir eine Wagenladung Oliven anzudrehen. Wahrscheinlich habe ich wie eine dämliche Touristin gewirkt, bei der das Geld locker genug sitzt. Blöd nur, dass ich Esel auch noch stur bin. Um bei dem Esel mit der Karotte von vorhin zu bleiben. Meine gute Laune hat einen Dämpfer bekommen. Etwas verärgert denke ich mir, was er sich denn erwartet habe. Tut es ihm jetzt leid um die vielen Kostproben? Perlen vor die Säue? Mir liegen sie ohnehin lange im Magen. Ich werde später sicher noch einmal an den enttäuschten Olivenmann denken.

Ich schlendere glücklich über den Markt. Augen und Ohren und Nase weit offen. Inhaliere die Mixtur  aus Nüssen, Früchten, frisch gekochtem Essen. Börek, Falafel und noch mehr. Ich bin froh, dass ich meine Kamera mitgenommen habe. Mache Fotos und beobachte die Menschen. Lasse mich von der Menge weiterschieben. Entdecke Kübel voller Ranunkeln. Es ist lange her, dass ich welche gesehen habe. Mir gefallen diese Blumen, sie sind so herrlich altmodisch und wunderschön. Schon wieder ein neuer Duft, der meine Nase kitzelt. Frisches Sauerkraut in einem offenen Fass. Essig in gläsernen Ballons und kleinen Holzfässern. Süß und fast aufdringlich riechen die getrockneten Früchte. Ein paar Schritte weiter kommt das kräftige Aroma von Käse dazu, noch ehe ich die großen und bunten Käselaibe überhaupt erblicke.

Und schließlich Fische, Muscheln, Austern. Wir sind fast am Ende des Marktes angelangt. Ich hole tief Luft. Ich finde den Geruch von Fischmärkten großartig. Ich mag die Vielfalt, die sich hier zeigt. Mein Sohn hingegen versucht, möglichst gar nicht mehr zu atmen. Er kann nicht verstehen, was mir daran so taugt. Mit Grauen sieht er ganze Wolfsbarsche, Sardinen, Forellen in der Vitrine liegen. Der getrocknete Kabeljau gibt ihm den Rest. Austern und Muscheln? Schrecklich! Schrecklich am Teller! Noch schrecklicher, sie zu essen. Wir essen Baclava als süßen Abschluss und lachen dabei über den Sirup, der die Finger entlang rinnt.

Schließlich kaufe ich noch ein Kilo schwarze Bohnen. mein Mann sieht mich fragend an. Ich schüttle den Kopf: „Nein, nicht zum Essen!“ Also nicht nur. Ich will mit dem Kochwasser Wolle färben. Probieren wollte ich das schon einmal. Aber dann hat die Mama angerufen und es ist länger geworden und mir hat es die Bohnen angebrannt, weil ich den Topf am Herd vergessen hatte.

Gegen Abend sind die Rucksäcke voll, das Börserl leer, die Beine müde. Jetzt müsste man sich beamen können. Oder einfach einmal heftig blinzeln wie die bezaubernde Jeanny – gleich direkt auf die Wohnzimmercouch.

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7 Gedanken zu “Naschen am Markt – Naschmarkt.

  1. Hachja … Den Naschmarkt mag ich auch sehr gern. Überhaupt mag ich riesige Märkte, wobei sie alle ihren speziellen Reiz haben, beim Naschmarkt sind es vor allem die zahlreichen Büdchen in den Holzhütten, die mich begeistern. Hier gibt es zwar einen Wochenmarkt mit regionalem Gemüse und eine Markthalle mit Delikatessen, aber das ist nicht das Gleiche … Ich hätte mal wieder Lust auf Urlaub. Danke fürs Mitnehmen. 🙂

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