On the road again.

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Ich sitze auf meinem Mountainbike und trete in die Pedale. Es ist Ende Februar und Faschingdienstag. Letzterer ist mir ziemlich egal. Wichtiger ist, dass die Sonne scheint. So freundlich scheint sie herein, dass ich sämtliche Erledigungen, die ich mir vorgenommen hatte, leichten Herzens verschiebe. Der Schweinehund hat ein wenig gemeckert ob der Minusgrade.

Ich bin seit einem halben Jahr nicht mehr  mit dem Rad gefahren. Jetzt gibt es kein Halten mehr. Weil meine Nebenhöhlen wieder okay sind und der doofe Zahn, der Probleme gemacht hat, erledigt ist. In den letzten Monaten habe ich mein Yoga intensiviert und außerdem eine kurze Episode bei Mrs. Sporty eingelegt. Die sportliche Missis und ich werden keine Freunde mehr. Never ever. Die drei Monate, die ich da hingegangen bin, waren eh schon eine Leistung. Eigentlich waren es ja nur zwei, weil ich im dritten Monat nur krank und unpässlich war. Die Geräte haben mich von Anfang an genervt. Aber ich habe es ausprobiert und das war auch eine Erfahrung. Damit lasse ich es gut sein.

Trotz der langen Auszeit braucht es nur ein paar Griffe und ich habe alles beisammen. Warme Radhose und Jacke, Handschuhe, Sportbrille, Haube und Helm. Alles da, als wäre da nie diese Zwangspause gewesen. Das Rad habe ich letzte Woche schon startklar gemacht. Ich starte noch die App am Handy und los geht’s!

Und weil ich es ja nicht übertreiben will, fahre ich meine Haus- und Hofstrecke. Alle, die mich näher kennen, wissen, dass mir das gelegentlich passiert. Das mit dem Übertreiben. Ich sage da nur 10 Kilometer Langlauf  nach 20 Jahren! Locker trete ich in die Pedale. Bwoa, geht das gut. Ich bin voll glücklich, dass ich da endlich wieder fahren kann. Die Schaltung flutscht super. Dafür bin ich dem Raddoktor wirklich sehr sehr dankbar. Auch wenn er sich mit meinem Rad ärgern musste. Eigentlich wollte ich ihm ein Bier spendieren, aber wenn ich ihn nie treffe, geht das schlecht. An den besten Kollegen denke ich auch, der jetzt in der Arbeit sitzt und der im Grunde daran Schuld ist, dass ich heute da auf dem Mountainbike sitze und dabei auch noch einen riesigen Spaß habe. Ich wollte ja eigentlich nie (nie nie nie!) mit dem Radfahren anfangen, weil das ja nichts für mich ist und überhaupt. Ja ja! Und den Raddoktor habe ich auch ihm zu verdanken.

Die neuen ergonomischen Lenkergriffe sind genial. Keine tauben Finger mehr. Auch vom Raddoktor! Ganze Wellen von Endorphinen durchfluten mich. Die Sonne scheint mir auf den Rücken. Die minus drei Grad spüre ich kaum. Auf der Straße fährt es sich super, nicht das kleinste Körnchen Streusand. Ich könnte gerade die ganze Welt küssen. Ist aber keiner greifbar zum Küssen. Ich bin allein auf weiter Flur um diese Tageszeit. Alles meins. Meins ganz allein.

Irgendwann bleibe ich auf einem Feldweg stehen und schaue einmal rundherum. Im Schatten sind die Gräser noch überzogen vom Raureif. Der Himmel präsentiert sich in leuchtendem Blau. Ich liebe das Waldviertel. Ich habe so eine Freude, dass ich es kaum in Worte fassen kann. Retour geht es den Kamp entlang durch den Wald. Am Ufer liegen dicke Eisplatten.

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Hier ist es morgendlich frisch und der Boden immer noch gefroren. Manchmal tauchen jäh gefrorene Pfützen auf, die laut knacken, wenn ich drüber fahre. Der Weg ist hart und holprig. Was für ein Glück! Wenn der erst mal aufgetaut ist, wird das die reinste Gatsch-Piste. So brauche ich wenigstens heute mein Rad nicht putzen.

Unterwegs treffe ich eine Bekannte und wir tratschen fast eine halbe Stunde. Das schmeißt mir zwar meine Zeitnehmung  durcheinander, aber egal. Das ist eines dieser ungeplanten Plauderstündchen, die ich am allerliebsten mag.

Schließlich noch den Berg hinauf als letzte Herausforderung. Dann schließt sich die Runde. Dieser ungeliebte Berg! Ich, Frau Vro, trete ihn ganz geschmeidig hinauf. Bleibe nicht ein einziges Mal stehen. Das ist unbeschreiblich. Den ganzen Winter jammere ich herum, wo es nicht überall zwickt und zwackt und wie untrainiert ich wäre. Dann setze ich mich aufs Rad und fahre meine 12 Kilometer, als würde ich jeden zweiten Tag lostreten. Auch der Schweinehund ist ganz begeistert, weil das so super geht. Kaum muss er schneller atmen, so fit ist auch er. Als Belohnung denkt er schon an mindestens einen Keks.

Es ist kaum neun Uhr, da bin ich schon wieder zuhause und starte in meinen Alltag. Bin voller Schwung und Elan. Ich habe die Radsaison eröffnet. Hört ihr es auch? Wie die Freude heute in mir klingelt?

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10 Gedanken zu “On the road again.

  1. Ja man hört es und ich bin ein bisschen neidisch, weil mein eigener Schweinehund noch auf den Schultern hockt. Der seit Herbst. Gerade bin ich noch krank und kann tatsächlich nicht so wie ich will, aber das gilt leider nicht als Ausrede für die Monate vorher. Danke an der Stelle. Du klingst so fröhlich, dass ich auch wieder Lust auf Bewegung bekomme.

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    • Jetzt erholst dich erst einmal. Die Monate vorher sind ohnehin vorbei. Denen braucht man nicht mehr nachweinen. Kannst den Schweinehund ja ein bisschen aushungern und dann gehst gleich viel leichter nach draußen. Wir haben es ja buchstäblich immer selbst in der Hand (oder den Beinen).
      Gute Besserung und alles Liebe!

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