Rosalind, Urlaubsbekanntschaften und Beziehungskisten.

Die Muse und der Schweinehund belagern Rosalind, die kleine rundliche Heinzelfrau. Sie wollen endlich Einzelheiten von ihrem Urlaub wissen. Ich auch, natürlich. Also sitzen wir gemeinsam im Wohnzimmer. Der Schweinhund ist ein wenig verstimmt, weil er keine Kekse mitnehmen durfte. Aber wir wollen nichts verpassen, da wollen wir kein Schmatzen und kein Geknuspere von ihm hören. Der Ernst des Lebens hat sich auch zu uns gesellt. Er wirkt etwas unsicher, ob das jetzt eine gute Idee ist. So kommt es mir vor, aber ich kann mich auch täuschen.
„Wisst ihr“, fängt Rosalind zu erzählen an, „ich hatte einen wirklich sehr erholsamen Urlaub. Zuerst war es noch komisch und ungewohnt. Ich habe noch nie Urlaub gemacht. Das tun Heinzelmänner und -frauen normalerweise nicht. Aber der Ernst des Lebens meinte, ich solle mir mal andere Gegenden anschauen. Und so sind wir eben …“
„Was heißt, WIR sind?“, unterbricht die Muse. „Willst du damit sagen, dass ihr gemeinsam weggefahren seid?“
Rosalind verschluckt sich beinahe und grinst ein wenig verlegen. „Upsi, das wollte ich eigentlich nicht verraten. Ja, es ist wohl so. Ist ja eigentlich auch kein Geheimnis. Ursprünglich wollten wir gar keinen gemeinsamen Thermenurlaub machen. Aber es hat sich einfach so ergeben. Ein paar Tage in einer Therme. Im warmen Wasser liegen und dem Schneetreiben draußen zusehen.“
Der Schweinehund schnaubt vernehmlich. „Ich finde das  ungeheuerlich, dass ihr das ohne uns macht. Das wäre toll geworden. Uns hätte das auch gefallen.“
Die Muse sieht den Ernst mit großen Augen an, und der wird unter ihrem Blick immer kleiner. Verlegen stammelt er: „Das war ja gar nicht so vorgesehen. Rosalind wusste nur nicht so recht, wohin. Also habe ich vorgeschlagen, sie soll mit uns mitkommen.“
„Mit uns???“ Die Muse sitzt kerzengerade da und will jetzt wissen, was da los war. Das wird ja immer bunter.
Rosalind seufzt schwer. Sie schaut noch einmal entschuldigend zum Ernst und holt dann tief Luft.
„Also ich wollte wie der Ernst Urlaub machen, wusste aber nicht, wohin. Der Ernst wiederum, der wollte ein paar Tage Thermenurlaub mit seiner Internetbekanntschaft machen. Und … bevor du, liebe Muse jetzt wieder loskreischst: Der Ernst hat dir gegenüber keine Verpflichtungen. Das muss ich jetzt ehrlich mal sagen. Ich sehe dem schon eine Zeitlang zu und die Szenen von dir sind manchmal unerträglich. Du brauchst hier also nicht eine auf betrogene Frau machen, und Eifersüchteleien brauchen wir auch nicht. Wenn du da im Eck hocken magst und schmollen willst, bitte, tu dir keinen Zwang an. Ich erzähle jetzt nämlich weiter.
Ich bin also auch mit in die Therme und durfte die Bekanntschaft vom Ernst seiner Bekanntschaft machen. Das Fräulein Lotta ist eine ganz lustige. Wir haben uns sehr darüber amüsiert, dass der Ernst des Lebens eine Lotta Leben kennenlernt. Ich war überrascht, dass der Ernst sich so einen flotten Feger aufreißt. Weil die Lotta kümmert gar nichts. Die feiert wilde Partys und ist bei jedem Blödsinn dabei. Ich bin ja der Meinung, dass der Ernst mit der Muse schon genug Herausforderung hätte.
Die Lotta hat den Ernst dann noch überredet, dass sie gemeinsam auf die Malediven fliegen, weil drei Tage Therme nicht ausreichen, um diesen extrem kalten Winter zu verkraften. Ich bin hier geblieben. Ich mag den Winter nämlich. Und die Lotta wird mit der Zeit ziemlich anstrengend. Ich war ein wenig schifahren, aber meistens war ich langlaufen und schneeschuhwandern. Das gefällt mir besser. Da sehe ich mehr von der Landschaft und habe meine Ruhe.
Ich habe mir ein gemütliches Ferienzimmer genommen und bin jeden Tag raus in den Schnee. Herrlich, sage ich euch. Und dann ist das mit meinem Bein passiert. Das war an meinem letzten Tag, ich wollte nur noch eine kurze Runde drehen und dann nach Hause fahren. Auf einmal stand Romeo da. Dabei hatte ich ihm doch klargemacht, dass ich ihn nicht mithaben will. Er ist einfach da gestanden. Mitten auf der Loipe. Ich habe mich so erschrocken, dass ich zuerst laut gebrüllt habe und dann hingeflogen bin. Dann habe ich gleich noch einmal gebrüllt, weil ich so unglücklich gestürzt bin, dass ich mir das Schienbein gebrochen habe. Das hat einen grauenhaften Knackser gemacht. Da ist ihm das Grinsen dann doch kurz vergangen. Er hat die Rettung geholt, die mich unter viel Ach und Weh auf einer Trage aus dem Wald geschleppt hat. Ich kann mich kaum erinnern, weil ich vor Schmerzen nur vor mich hingewimmert habe. Er hatte ein furchtbar schlechtes Gewissen, so kam er mich jeden Tag im Krankenhaus besuchen. Mir war das eigentlich nicht so recht, weil er immer so ein Weiberheld ist und ich mich in letzter Zeit nur ärgern musste. Aber er hat sich sehr bemüht und … naja, wir haben uns ausgesprochen und …“
Rosalind macht eine kurze Pause und sieht sehr nachdenklich aus.
„Hat er auch gesagt, was er jetzt so macht und wie das weitergehen soll mit euch zwei?“, hake ich nach.
„Ach, ich weiß nicht. Er will reisen, sagt er. Sich mit anderen Heinzelmännern zusammentun.“, sagt Rosalind so dahin. Aber ein wenig traurig wirkt sie doch.
„Aber wenn das blöde Gipsding weg ist, dann wird hier mal ordentlich aufgeräumt“, sagt sie entschlossen. „Ich finde, es ist schon ziemlich angeräumt hier. Und irgendwie muss ich mich ja ablenken, wenn sich Mister Romeo aus dem Staub macht.“ Ich schaue den Lebens-Ernst an und frage, wie es denn jetzt bei ihm weitergehen wird und wie er das mit der Lotta Leben handhaben will.
Der Ernst des Lebens seufzt tief auf: „Vergiss die Lotta! Einmal Malediven und nie wieder. Oder vielleicht lag es auch an dieser Frau. Die hat mich fertig gemacht. Von Arbeit hält sie gar nichts, immer nur feiern und Party Party Party. Was die Alkohol trinkt. Ewig feiern und dann den halben Tag verschlafen. Wer soll denn das aushalten? Und schließlich haben wir beide eingesehen, dass das auf Dauer nicht gut geht mit uns. Ich bin ihr nämlich zu fad. Und zu ernsthaft. Und zu vernünftig. War ein Fehler, einfach so mit ihr wegzufahren, ich dachte mir halt, naja, … Ich werde mich wieder mehr auf meine Aufgaben hier konzentrieren.“
Die Muse starrt ihn mit offenem Mund an. Hat der Ernst eine Midlife-Krise?
„Ach Muse, du Holde, kommt ohnehin keine an dich heran! Ich hoffe, du nimmst mir das alles nicht krumm. Ich habe dich die ganze Zeit so vermisst. Aber einfach so weg konnte ich dann doch nicht … schließlich habe ich einen Ruf zu verlieren als Ernst des Lebens.“
Da hat die Muse auch schon feuchte Augen und schmachtet ihn an. Man sieht die Herzerl förmlich durch die Luft fliegen. Rosalind versteht gar nichts mehr, sie weiß noch gar nichts von der Wiedersehensfreude der beiden letztens. Der Schweinehund aber rollt nur mit den Augen. Dann greift er Rosalind unter die Arme und nötigt sie aufzustehen. Sie will eigentlich gar nicht, aber er gibt nicht nach und so humpelt sie in Richtung Küche.
„Komm, wir verdrücken uns. Ich brauche Kekse. Irgendwas mit ganz viel Zucker. Das liebestolle Gesülze geht schon wieder los. Ich mache dir auch Tee oder Kaffee oder was du willst. Aber nur weg von hier.“

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