Ach du lieber Jolly!

Die besten Weihnachtsgeschenke bringt nicht das Christkind. Also schon auch, nicht, dass ihr mich falsch versteht. Aber manche laufen einem erst an den Tagen nach den Feiertagen drein. So wie die Spielkarten. Ich habe wirklich eine umfangreiche Spielesammlung zuhause. Manchmal kommt in mir sogar der Verdacht auf, dass die mehr Repräsentationszwecken dient. So wie in anderen Haushalten der ledergebundene Brockhaus mit Goldprägung. Weil wir nämlich nur sehr wenig gemeinsam spielen. Und da auch nur immer wieder die gleichen Spiele.

Die Oma/Schwiegermama hat jetzt letztens die Spielkarten ausgepackt. Und der mir Angetraute hat von früheren Zeiten geschwärmt, wie er und seine Geschwister mit der Oma stundenlang Jolly gespielt haben. Ich kenne das Spiel nur vom Hörensagen. Wir in meiner Familie haben andere Spiele gespielt. Kuhschweif zum Beispiel. Was sich bei uns aber wie „Kuaschwoaf“ angehört hat. Wie das gespielt wird? Keine Ahnung. Ich kann mich nicht mehr erinnern. Dafür habe ich umso lebhafter vor Augen, wie diverse Partien Mühle oder Fuchs und Henne abgelaufen sind. Mühle habe ich schon sehr bald verweigert. Die Mama hat uns mit ihren Doppel- und Dreifachmühlen einfach vom Brett gefegt. Ich mag dieses Spiel bis heute nicht. Fuchs und Henne haben wir länger gespielt. Das waren ziemlich harte Partien. Bis zu dem Zeitpunkt, wo keiner mehr den Fuchs übernehmen wollte, weil wir mit den Hennen besser waren. Ich würde das gerne mal wieder spielen. Aber nur, wenn sich jemand findet, der mit den Füchsen spielen mag.

Doch zurück zu den Spielkarten. Noch sind sie ganz neu und glatt und rutschig. Aber besonders der Jüngere ist ganz begeistert und will immer wieder spielen. Der Ältere lässt sich auch manchmal dazu herab und räumt dann ab. Ich weiß nicht, wie er das macht, aber er gewinnt fast immer. Was eh auch wieder gut ist, weil er kein guter Verlierer ist und dann das Ganze gar keinen Spaß mehr macht. Wenn ich dann auch einmal mitspiele, bin ich diejenige, die fürs Verlieren zuständig ist. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich bisher auch nur eine einzige Partie Jolly gewonnen hätte. Das frustriert mich etwas. Dagegen hilft nur … Schnaps? Nein, kein Schnaps! … Dagegen hilft nur, dass ich mir immer wieder vorsage: „Pech im Spiel, Glück in der Liebe!“ Womit alles klar wäre. Kein Wunder, wenn ich nie gewinne. Und warum gewinnt dann mein Mann doch hin und wieder? Ähem. Vielleicht sollte ich da jetzt nicht genauer drüber nachdenken.

Der Jüngere verliert auch manchmal. Was er nicht so richtig gut verkraftet. Da haben wir noch Übungsbedarf. Meistens hat er früher gesagt, wir spielen jetzt nur so und es geht gar nicht ums Gewinnen. Mittlerweile ist uns allen klar, dass das nur eine lahme Ausrede ist und keiner sie mehr ernst nimmt. Es geht sehr wohl ums Gewinnen. Immer.

Mein Mann meint übrigens, wenn der Ältere zum wiederholten Male gewinnt, dass wir ihn mal mit meiner Schwester zusammenlassen. Die hat nämlich auch unverschämtes Glück beim Spielen. Bei den Siedlern von Catan brauche ich nur den Platzhalter spielen und ihr beim Rohstoffe einheimsen – tauschen – bauen zuschauen. Das hat ungefähr die selben emotionalen Auswirkungen auf mich wie Mühle spielen mit der Mama.

Immer wieder mal spielen wir auch Würfelpoker. Da ist zum Überlegen, ob nicht der jüngere Ableger vom Spiel ausgeschlossen werden sollte. Der Mensch hat ein Würfelglück! Unglaublich. Nicht erst einmal legt er beim ersten Wurf einfach so eine Straße hin. Fünf gleiche. Zack! Und bricht in triumphierendes Gelächter aus.

Ich habe da gerade so eine Vision. Wir könnten es einmal sehr kuschelig haben. Sind doch Karten und Würfel seit jeher ein Spiel des Teufels. Ich spiele dazu auf dem Akkordeon wilde Sauflieder in einer rötlich-dunkel schimmernden Partylocation, das liegt mir etwas mehr als Kartenspielen und Würfeln. Und der Liebste schenkt den Schnaps aus.

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