Heiß und innig brennt die Liebe.

„Oh Axel, Axel, Axel! Wie liebe ich dich!“ So summe ich vergnügt vor mich hin. Die Muse und der Schweinehund sehen sich irritiert an. Axel! Who the f**k is Axel? Seit Mittwoch geht das jetzt schon so. Mich kümmert das nicht. Ich lasse sie mit fragenden Gesichtern links liegen.

Während alle Welt immer nur Elsa liebt, träume ich von Axel. Elsa, diese Eiskönigin, die speziell von Mädchen im Alter von drei bis dreizehn oder so ungefähr geliebt wird. Ich falle mit Garantie nicht in diese Altersgruppe. Hust hust. Ich stehe mehr auf Männer. Solche wie Axel. Sturmzerzauste Frisur. Herb unterkühltes Wesen. In allem was er tut ein Wirbelwind. Und wenn er sich aufregt, dann hagelt es. Das ist ein Leben. Jedenfalls so hin und wieder. Nicht für eine dauerhafte Liaison, da wäre er mir zu anstrengend. Aber für den Moment passen wir ausgezeichnet zusammen. Weil ich eine waschechte Waldviertlerin bin und laut meiner in Tirol ortsansässigen Freundin selbst die Tiroler das Waldviertel als Sibirien bezeichnen. Wir gehen zum Aufwärmen in den Kühlschrank. So ist das nämlich.
Was drückt mir jedes Jahr der weichgespülte Winter auf die Seele, wenn er sich braun und grau in Plusgraden von seiner sanftesten Seite zeigt? Aber heuer … ja, so mag ich das! Schon um Silvester hat sich Axel angekündigt, da war von ihm noch gar nicht die Rede. Traumhaft schöne Wintertage mit gerade genug Schnee, dass die Landschaft weiß glitzert und dazu Sonne, Sonne, Sonne. Alle Welt ist an diesen Tagen auf den Beinen. Nichts wie raus zum Sonne tanken. Die Kinder sind auf der Rodelwiese. Okay, sie fahren praktisch ausnahmslos mit ihren Bobs, aber Rodelwiese klingt so viel schöner als Bobwiese. Schichten den Schnee mit bloßen Händen um und bauen Sprunghügelchen. Brettern dann mit den Bobs drüber und kosten den Tag bis zum Letzten aus. Bis schließlich die Handschuhe steif gefroren und die Schuhe nass und klamm sind.
Wir haben uns in diesen Ferien die Speibschüssel aka Kotztüte reihum in die Hand gedrückt, aber an den Tagen dazwischen konnte uns nichts im trauten Heim halten, wenn draußen so herrliches Winterwetter lachte. Bestenfalls durfte ein gewisser Maximalabstand zum Klo als gewichtiges Argument gelten.

Doch nun sind alle wieder gesund und wir ernähren aus auch nicht mehr zwingend von Schonkost. Auf den ersten Schnee hat Herr Axel Sturmtief neuen geschichtet und jetzt konserviert er ihn mit entsprechend tiefen Temperaturen. Mit Sturm und Kälte hält er Europa in eisigem Griff. Minus Vierzehn waren es heute Morgen. Pah! Da zucke ich noch nicht einmal mit der Wimper, lieber Axel. Gut, ich weiß, anderswo ist es schlimmer, kälter, ungewohnter, mühsamer. Aber hier finde ich das ganz ganz wunderbar. Meine Muse und der Schweinhund sind natürlich nicht meiner Meinung. Weil der Schweinehund der Muse den Pelzmantel weggenommen hat, damit seine zarte Haut keine Frostbeulen bekommt. Und während er damit durch die Wohnung schlurft und das untere Ende wie ein Wischmop den Lurch mitnimmt, schreit die Muse Zeter und Mordio und nimmt schließlich ein heißes Wannenbad mit Orangenduft. Letzteres zu Beruhigung.

Ich verkrümle mich zu Axel nach draußen. Mein Mann versteht das. Fast zwei Stunden stapfe ich durch Wald und Schnee. Habe meine Kamera dabei und die neuen Handschuhe. Die in Rot. Ja, die sind schon fertig. Und sie wärmen wunderbar. Ich bin beinahe überwältigt vor lauter Freude.

Zuhause dann schäle ich mich aus der Winterhose und der warmen Jacke und laufe nur noch in der Schiunterwäsche herum. Sehr praktisch. Auch wenn ich nicht schifahre. Meine Lieben sind einiges gewohnt. Auch Vanillekipferlhüften in knackig orange-schwarzen Unterhosen. Axel hat ebenfalls ein Einsehen. Er kümmert sich nämlich so überhaupt nicht darum, wie ich mich kleide. Das ist ganz allein meine Sache.

Ich schlürfe heißen Tee und sehe den Blaumeisen am Futterhäuschen zu. Die Nachbarn räumen den Schnee aus ihren Einfahrten, was wir bereits früher am Tag erledigt haben. Und der Streuwagenfahrer befüllt den Streuhänger genau vor unserem Gartentor neu und lässt uns einen mittelgroßen Haufen Riesel liegen, weil er im Überschwang zu lange gekippt hat. Ob ich mit zum Eislaufen kommen will? Fragt mich eine Freundin. Meine Kinder wollen nicht. Auch ich beäuge den feinen Pulverschnee, der wild und ungestüm durch die Luft weht, mit skeptischer Miene. Nein, abends will ich das dann doch nicht mehr, selbst wenn Eisdisco am Eislaufplatz ist. Stattdessen sitzen wir alle vier zusammen und spielen Jolly. Ich koche mal wieder Suppe, weil die so wunderbar wärmt.
Axel aber muss draußen schlafen. So gut kennen wir uns jetzt doch noch nicht. Auch wenn ich Axel sehr mag. Er darf gerne noch ein Weilchen bleiben, wenn es nach mir geht. Nur herinnen mag ich es warm haben. Kalt durch die Luft brausen darf er hier nicht.

Advertisements

2 Gedanken zu “Heiß und innig brennt die Liebe.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s