Mein Leben in Zahlen?


Nächstes Jahr im März habe ich Geburtstag. Im März? Wo ich doch ein Maikind bin? Ja, genau! Im März. Da werde ich nämlich genau 16000 Tage alt. Ist ja mal ein etwas anderes Datum, nicht wahr? Warum soll ich immer nur die Jahre zählen? Wobei ich ja jetzt die Zahl 16 nicht so gern mag. Ganz egal mit wie vielen Nullen hintendran.
„Geh sei nicht so, natürlich magst 16. Wenn ein paar Nullen hinten dran sind und vorne das hübsche €-Zeichen, dann würdest auch 16 mögen“, weist mich meine Muse zurecht. Rosalind steht daneben und nickt heftig zustimmend. Sie redet nicht so gern, ist aber sehr praktisch veranlagt. Wahrscheinlich hielte sie am liebsten den Stift in der Hand und würde Nullen malen. Viele viele Nullen.

„Ich mag aber lieber ungerade Zahlen. So wie 17. Oder 5 oder 7.“
„Mit ein paar Nullen hinten dran wird jede 17 zur geraden Zahl“, sagt der Ernst meines Lebens bedächtig. Na danke, der muss ja auch wieder seinen Senf dazugeben.
„Jetzt seid doch nicht so kleinlich. Es kommt auf die Optik an. Mir gefällt halt ein 17000 besser als ein 16000. Überhaupt, wenn es dabei um meinen Geburtstag geht.“
„Da bist aber dann schon wieder um drei Jahre älter …“, sagt die Muse so leicht und doch so hinterfotzig. Der Ernst reißt die Augen auf und holt schon Luft, weil er natürlich genau mitrechnet, dass 1000 Tage nicht gleich drei ganze Jahre sind, genaugenommen seien es drei Jahre, drei Monate und ein paar zerquetschte Tage dazu. Aber die Muse hat das schon kommen sehen. Sie verdreht etwas genervt die Augen und zischt ihn an: „Ja, ich weiß. Es sind mehr als drei Jahre. So ungefähr halt. Hast schon mal etwas gehört von Überschlagsrechnungen?“
Die beiden funkeln sich streitlustig an. Wüsste ich es nicht besser, ich würde den beiden eine Affäre unterstellen. So aber scheint es, dass sie sich nur leidenschaftlich gerne verbal duellieren. So etwas soll vorkommen.
Ich spiele währenddessen weiter mit meinen Zahlen.
Am morgigen Neujahrstag werde ich noch nicht ganz 4900 Tage verheiratet sein. Allerdings kenne ich meinen Mann da bereits 5000 Tage länger als ich mit ihm verheiratet bin. Mit dem Heiraten war es nicht so eilig. Meine Kinder sind ungefähr 4500 und 3100 Tage alt.
„Pfuh, 4500 Tage Kinder versorgen, Jause machen, Wäsche waschen, Windeln wechseln.“ Heinzelmädchen Rosalind sitzt da mit schreckgeweiteten Augen.
„Ach geh, so lange habe ich nicht Windeln gewechselt. Eher immer nur so an die 1000 bis 1200 Tage pro Kind. Da komme ich bei zwei Kindern auf ungefähr 2500 Tage. Aufgerundet eben. Schlimmer finde ich, wie lange ich nicht durchgeschlafen habe. Das mag ich gar nicht in Tage umrechnen. Ich hatte schon Angst, dass ich nahtlos in die Phase der senilen Bettflucht wechsle.“
Im März also dann. 16000 Tage. Weil es so eine hübsche runde Zahl ist. Mir gefiele ja eine ungerade Zahl tatsächlich besser. Womöglich mit einer gewissen Symmetrie. 16061 zum Beispiel. Da könnte ich sogar schon wieder im Mai feiern. Wie sonst auch immer.
Ich könnte mir mein bisheriges Leben auch in Stunden umrechnen lassen. Im Internet finden sich einige Rechner. Ich muss das nicht mal mehr mühseligst selber machen. Ein paar Klicks und fertig. Und dann weiterdenken. Wie oft etwas gegessen? Wie viel davon? Wie oft getrunken? Was getrunken? Wie viele Gehirnzellen dabei vernichtet in den grausamen Tagen der Sturm- und Drangzeit? Wie oft der Gang aufs Klo. Ach wie profan! Wie viele Stunden davon telefoniert? Wie viele Stunden sich unnötig gesorgt? Wie wenige Stunden nur fürs Lachen gebraucht? Wie oft dieses oder jenes?
Riesige Zahlen lassen sich da berechnen. Wenn man die Einheit klein genug wählt. Dann mag man sich schon mal fragen, wer da immer behauptet, das Leben sei kurz. Doch wie gesagt: Nächstes Jahr im März mag ich Geburtstag feiern. Den anderen. Den mit den 16000 Tagen. Vielleicht mag wer mitfeiern …

Ihr lieben Leser! Habt heute einen schönen Jahreswechsel. Am besten so ganz nach eurer Vorstellung. Ich sage noch einmal Danke fürs Dabeisein in diesem Jahr. Wir lesen uns wieder! Dafür hebe ich mein virtuelles Glas und trinke mit euch auf ein gutes Neues …

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