Vorweihnachtlicher Deko-Anfall.

Ich bin kein großer Dekorierer. Zumindest nicht in dem Sinn. Ich habe weder Dekomaterial für jegliche Saison in allen möglichen Farben und Formen in unzähligen Kisten am Dachboden, noch macht mir das sonderlich viel Spaß. Aber die wichtigsten Ereignisse im Jahreskreis verlangen nach ein wenig Deko im Haus. Weihnachten zum Beispiel.
Sobald draußen die Temperaturen kälter werden und der Nebel sich über meine Stadt senkt, um sie unsichtbar zu machen, dass sogar eine Ansicht auf Gugl-Maps nur noch eine Erinnerung an längst vergangene Zeit ist, dann möchte ich das Haus auf einmal behübschen. Dann angle ich unter Lebensgefahr die schwere Holzleiter von der oberen Decke, schlängle mich durch die schmale Dachbodenluke und krame nach der Schachtel mit der Weihnachtsdeko.
Ich suche die ganzen hübschen Windlichter hervor, inklusive der gebastelten Meisterstücke der Jungs aus Kindergarten- und Schultagen. Anschließend stocke ich den Vorrat an Teelichtern auf. Gehe kurz darauf durchs Haus und verteile an strategisch günstigen Stellen die Kerzen. Manchmal illuminiere ich das ganze Haus, wenn ich alleine zuhause bin. Der liebste Mann mag das nicht so gern. Er fürchtet, dass ich die Hütte abfackle. In dieser Hinsicht hat er keinen Sinn für Romantik. Die Kinder sind ein gewisser Unsicherheitsfaktor, wenn sie durch das Haus stürmen. Also auch eher inkompatibel mit offenem Feuer.
Es kommen die 24 gestrickten Söckchen an ihre übliche Stelle, nämlich eine grüne Kordel, die am Stiegengeländer hängt. Die befülle ich dann mit Schokolade für die drei Mannen und mich. Neulich gab es im Internet eine riesige Aufregung um gebastelte Adventkalender, irgendwas mit Konsum und dem Druck auf die Mamas, sich mit Selbstgebasteltem gegenseitig behaupten zu müssen. Echt jetzt? Zuerst dachte ich mir, ich schreib da was dazu. Aber ehrlich? Mir ist es wurscht. Soll einkaufen, wer will. Soll basteln, wer will. Wer am Second-Sock-Syndrom leidet, dem kann ich nur empfehlen, einzelne bunte Socken für einen Adventkalender zu stricken. (Für die Strickunkundigen die kurze Anmerkung: Das Second-Sock-Syndrom ist die Unfähigkeit/Unlust, nach einem schnell gestrickten ersten Socken den zweiten passenden fertigzustellen. Das ist ungefähr so witzlos wie ein Schnupfen.) Falls jemand übrigens trotzdem wissen will, wie das mit der Aufregung bezüglich der gebastelten Adventkalender war, der kann ja mal hier und hier und hier und hier nachlesen. Muss er/sie aber nicht. Es lässt sich auch gut ohne das Wissen darum weiterleben.
Meine 24 Socken habe ich gestrickt, als der Ältere ein Baby war, seitdem kommen sie an die grüne Kordel. Ich verwende sie jetzt also schon ganz schön lange. Sollten im Laufe der Vorweihnachtszeit Karten und Weihnachtsbillets eintrudeln, dann werden sie dazwischen geklammert. Leider schreibt mir keiner kaum einer. Ich mag Weihnachtskarten nämlich sehr.
Ebenfalls jedes Jahr wieder mit von der Deko-Partie sind meine Kugeln. Der Platz in unserem Haus ist relativ begrenzt, deshalb hängt im Stiegenhaus ein Korkenzieherhaselzweig. An den hänge ich so um den Valentinstag herum selbstgenähte Herzen aus rotgemusterten Stoffen. Wenn ich nicht total darauf vergesse, dann wechseln sich die Herzen zur Osterzeit mit Ostereiern ab. Selbst bemalt in grauer Vorzeit oder auf dem Ostermarkt in Budweis gekauft (2003 war das, erinnere ich mich gerade, auch schon lange her). Jetzt hängen da wieder die Weihnachtskugeln. Yep. Genau! Schon wieder selbst gestrickt. Eine Freundin hat mir vorgeschlagen, diese massenhaft zu produzieren und zu verkaufen. Das habe ich dann auch. Massenhaft produziert. Und dann verschenkt. Ich bin keine gute Geschäftsfrau. Aber die Prototypen habe immer noch ich. Die sind mit Rohwolle gefüllt und ein bisschen eingedellt. Rohwolle ist nicht so fluffig wie diese Polyesterfüllung für Kissen.
Vor dem Haus steht ein altes Schmalzhäf’n aus Email. Okay, da gibt’s dann noch kleine glänzende Kugeln an Fichtenzweigen. Und im Vorraum hängt auch noch ein Zweig an der Decke. An den Fenstern und der Deckenlampe in der Küche hängen immer mal wieder kleine Glasengerl oder bemalte Holzloks, die dürfen da das ganze Jahr bleiben.
Wenn dann noch der Duft nach Bratäpfeln durchs Haus zieht, der Tee heiß in den Tassen dampft und Kerzenlichter alles in schummriges Licht tauchen, dann freue ich mich vielleicht doch auch auf Weihnachten.
… da fällt mir plötzlich ein, ich brauche ja noch einen Adventkranz …

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2 Gedanken zu “Vorweihnachtlicher Deko-Anfall.

  1. Echt spannend, was du für Blogs liest. Zum Teil etwas schräg, über was man sich alles Gedanken machen kann, damit man vileicht auch noch schlechtes Gewissen erzeugen darf…hihi
    Ich häng Jahr für Jahr den gebastelten Adventkalender auf, befüll ihn und mach das für meine Familie. Dabei frag ich mich wirklich nicht, was andere dabei denken.

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  2. Ich lese gelegentlich den Blog von dasnuf.de, dort bin ich über die Debatte gestolpert und habe mich dann quer durchgelesen. Das ist ein wenig wie „stille Post“. Ich war erstaunt, dass man sich darüber so viele Gedanken machen kann. 😯
    Liebe Grüße, Veronika

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