Haptisches Vergnügen und glasierte Unlust.

Seit Tagen freue ich mich schon darauf. Wie ein kleines Kind auf Weihnachten. Wirklich! Ich bin total aufgeregt. Denn endlich kann ich sie abholen. Meine neuen Meisterwerke! Meine getöpferten Schilder und das Löffelmonster und der ganze Kleinkram sind fertig.
Kleine Geschenke

Ich habe wieder einen Töpferkurs gemacht. Als Kurs in dem Sinn kann man es gar nicht so sehr bezeichnen. Es waren eher Töpferabende mit fachkundiger Unterstützung. Ich bin mittlerweile ein Wiederholungstäter. Seit ein paar Jahren mache ich das jetzt einmal im Jahr. Am liebsten im Spätherbst, wenn man schon ein kleines Bisschen über Weihnachtsgeschenke nachdenkt. Dann reden sich einige von uns zusammen und wir fragen Barbara und Katharina, ob wir wieder kommen dürfen. Die zwei betreiben die Töpferei als ihr Hobby und sind top ausgerüstet. Mit Ton und reichlich Werkzeug zum Gestalten. Mit Stempeln und Nudelhölzern, Messern, Nadeln, Gipsformen. Ungefähr so wie ich mittlerweile mit Wolle und all dem wichtigen Kram zum Spinnen ausgerüstet bin. Meine Schwester und meine Schwägerin sind auch mit dabei.

Stempel

Ich mag Keramiksachen sehr. Aber was soll ich mir daheim noch alles anfangen? Ich mache das gern immer mal wieder für ein paar Tage im Jahr, aber ich habe weder den Ton noch die Glasuren noch einen Brennofen. Vom nicht vorhandenen Platz und der Kosten-Nutzen-Frage rede ich gar nicht erst. Dafür fehlt mir dann nämlich doch die riesengroße Töpfer-Leidenschaft. Aber für ein paar Tage ist das gerade richtig so. Umso mehr freue ich mich immer wieder auf diese Gelegenheit. Wir treffen uns mit den beiden im umfunktionierten Stall in Barbaras Haus. Es begrüßen uns mehrere freundliche tönerne Zaungäste, hocken oben auf den Zaunlatten. Ein Fuchs, eine Kuh und noch ein paar. Drinnen im Hof stehen tönerne Fliegenpilze in einer Gruppe gemeinsam mit einem Eichhörnchen und einem Igel. Jedes Mal entdecken wieder etwas Neues.

Modellierwerkzeug

Ein alter Stall mit dicken Mauern ist also der Arbeitsraum. Kalt ist es da. Gut, dass es einen Holzofen gibt, der wunderbar wärmt. Von außen. Von innen wärmt der uns angebotene Kaffee oder Tee oder auch einmal Punsch. Ein paar Kekse oder Lebkuchen stehen am Tisch zwischen den Gläsern mit Werkzeug. Hin und wieder besucht uns die dreifärbige Glückskatze. Sitzt auf einem der freien Sessel, lässt sich ein wenig abschmusen und trollt sich dann wieder.

Auf den tiefen Fensterbrettern und einem Sideboard stehen Figürchen, Duftsteine, Engerl, Frösche, Wichtel, Schalen. An der Wand hängen Schilder mit Sprüchen. Inspiration wohin das Auge blickt. Bücher und Mappen mit Fotos zum Schmökern. Ein Notizbuch mit Sinnsprüchen. Ich habe den totalen Overkill. Das könnte ich machen. Das vielleicht auch. Dieses unbedingt. Und jenes auch noch. Heuer bin ich vorausschauender. Sammle schon zuhause Ideen. Habe einen Plan. Vielleicht bin ich auch schon etwas übersättigt von meinen gestalterischen Auswüchsen der Vorjahre. Heuer weiß ich, was ich machen will. Meistens jedenfalls. Aber könnt sein, dass ich mich spontan umentscheide.
Glasuren über Glasuren

Natürlich werfe ich immer wieder begehrliche Blicke auf besonders feine zarte Gebilde aus Ton. Die ich gerne hätte. Oder gerne machen täte. Wo ich aber weiß, dass die nie so werden wie ich sie vor meinem inneren Auge sehe. Weil ich dazu nicht perfektionistisch genug bin und auch nicht die Geduld habe. Weil ich feinste Details einfach nicht hinbekomme. Damit habe ich mich abgefunden. Perlen für Schmuck mache ich keine. Bei diesem verdammten Kleinzeugs werfe ich irgendwann die Nerven weg.

Mit dem Glasieren geht es mir ähnlich. Das mag ich nicht. Vorher mit Braunstein einreiben macht mir nichts. Auch wenn es eine Sauerei sondergleichen ist. Der natürliche Charme der unglasierten Keramik mit den mit Braunstein hervorgehobenen Konturen gefällt mir super gut. Aber dieses Glasieren! Es beginnt schon damit, dass die Glasuren als angerührtes Pulver ganz anders aussehen als gebrannt. Jede verhält sich anders. Tropft entweder als dicke Pampe vom Pinsel oder rinnt davon bevor man zum Bestimmungsort kommt. Rot ist ohnehin eine Diva. Braucht dicken mehrfachen Auftrag. Und verträgt sich nicht mit jeder anderen Farbe, wenn ihr heiß wird beim Glasurbrand. Ich glasiere mit einem gewissen Widerwillen und tue das auch ganz offen kund.


Seifenschalen

In diesem Jahr bin ich ganz unabgelenkt. Niemand ruft mich an und lädt mich spontan auf ein kleines Bier ein. Keine Gelegenheit, mich für ein Stündchen vorm Glasieren zu drücken und damit für eine neue Geschichte zu sorgen. So wie mit der anderen welchen, die jetzt seit Jahren für Erheiterung sorgt und immer wieder erzählt wird.

Zwei Wochen nach dem Glasurbrand ist es endlich soweit. Die Sachen sind abholbereit. Ich bin diesmal wirklich aufgeregt. Freue mich wie verrückt. Bin neugierig. Wie werden die Schätze aussehen?


Mein Löffelmonster ist zum Abknutschen!

Mein Jüngerer begleitet mich, wir suchen die Stücke mit dem unvermeidlichen „vro“ auf der Rückseite zusammen. Ich bin begeistert. Sie sind wunderschön geworden. Ein paar werde ich verschenken. Ich tu das. ganz sicher. Im Gegensatz zu meiner Schwester. Sie sagt manchmal, sie wolle das eine oder andere verschenken. Tut sie dann aber nie. Meinem Jüngsten, der Züge über alles liebt, wollte sie einen Mini-Zug mit Mini-Waggons schenken. Ausgestochen mit einem extra Keksausstecher. Herzallerliebst! Das Kind hat den Zug nie gesehen. Foto kann ich auch keines herzeigen. Aber ich weiß, wo der Zug zu finden ist. Er hängt als Deko an der Speiche eines alten Spinnrades, das ebenfalls als Deko bei ihr in der Wohnung steht. Links vorne bei den großen Fenstern. Dort ist der Zug, der eigentlich für meinen Jüngeren gedacht war.

Für heuer ist die Töpferei wieder erledigt. Ich sitze bei meinen hübschen neuen Dingen und freu mich. Nächstes Jahr will ich dann wieder …

Das Türschild ist wunderschön geworden.


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