Von Nordmännern, Tannen und ein wenig Yoga.

Einmal etwas Anderes im Alltagsleben von Frau Vro. Ich bin mit meinen drei Mannen in der hiesigen Sporthalle. Unsere Volleyballer spielen gegen Klagenfurt. Bundesliga. Bisher war unsere Mannschaft das Waldviertel Team, jetzt sind daraus die Nordmänner geworden. Klingt gut. Und hat durchaus eine gewisse Berechtigung. Wir im Waldviertel sind ja wirklich sehr nördlich im hendl-haxerlförmigen Österreich. Manche nennen das Wald- auch das Kaltviertel. Es heißt „wo wir sind, ist oben“. Oder man unterstellt uns, dass wir „vom Sommer reden, wenn der Regen wärmer wird“. Egal, was sonst noch so über uns angeblich verschlossene Waldviertler gesagt wird, die Volleyballer als Nordmänner aufzubauen, das gefällt mir.
Außerdem vereinen die Nordmänner auf diese Weise alle Spieler unter diesem Namen. Denn sie kommen alle aus dem Norden. Aus dem nördlichen Niederösterreich, aus Polen, Island, Deutschland, Kanada, Lettland. Nur der Brasilianer … okay, wenn ich in Patagonien ein Volleyball-Fan der Nordmänner bin, dann gehört auch Brasilien zum Norden. Ja, und Tschechien stellt den Trainer.
Warum das Teamlogo ausgerechnet ein bärtiger Wikinger mit gehörntem Helm sein muss, weiß ich nicht. Wahrscheinlich assoziiert man mit Nordmännern genau das. Ich denke eher an Nordmann-Tannen. Aber da könnte ich mir zu Weihnachten auch keine davon ins Wohnzimmer stellen. Ist doch keiner der Spieler unter 180 cm groß. Für so eine Christbaum-Nordmann-Tanne habe ich keinen Platz. Dabei wirkt der Libero bei der Entfernung von der Tribüne zum Spielfeld so klein mit seinen 182 cm. Na eh klar, wenn alle drum Herumstehenden noch einmal zwanzig Zentimeter größer sind.
Anfangs bin ich irritiert. Erinnern mich die am Boden herum kugelnden Sportler in ihrem eigenartigen Tun doch sehr an Yoga. Meine Freundin – ihr schicke ich das Foto –  meint, sie hätte Volleyball anders in Erinnerung. Ich mache sogar extra ein Foto, damit ich euch das anschaulich zeigen kann. Da ist die Position des Kindes aus dem Vierfüßerstand (1). Das hier könnte mal eine Brücke werden (2). Mit etwas Fantasie ist (3) die Position des Flugzeugs. (4) ist eine schlampige Kobra. (5) ist eine Dehnung der rückwertigen Oberschenkelmuskeln. (6) kommt in die Kategorie „Mich freuts grad nicht“. (7) war einmal ein Herabschauender Hund. (8) hatten wir so in etwa bei (4). Einen Stabsitz ohne den geraden Rücken könnte man (9) nennen. Und (10) ist die Ausgangsposition für das Krokodil oder die Schulterbrücke, vielleicht auch für das Boot.
Ich bin zur Zeit ziemlich Yoga-fixiert. Das ist ja nur das Aufwärmen. Danach kommt dann Volleyball, wie man sich das so vorstellt. Ich erkläre dem Älteren mal wieder die Regeln, soweit ich die selber noch weiß. Flehe den Jüngeren an, er möge endlich ruhig sitzen bleiben. Dabei kann ich mein eigenes Wort kaum verstehen, weil sich die trommelnden Fans schon ordentlich einstimmen und einen gewaltigen Lärm machen.
Der Guru der Nordmänner verteilt in jeder Auszeit Leckerlis. Bananen und Schokolade und Ananas in kleinen Häppchen. Außerdem Getränke und einmal irgendsoeine hellgelbe Pampe, die ziemlich widerlich aussieht. Aber die wackeren Nordmänner trinken ohne Murren. Bis auf einen, der das Gesicht ziemlich verzieht. Aber diese Sache mit den Leckerlis! Wir sehen die nur beim Essen. Immer wieder. Obwohl sie zwischen den Pausen dann echt gut spielen.
Nach mehreren Spielen, die wir bisher besuchten, haben sich meine Kinder auch schon an ihre peinliche Mutter gewöhnt, die in Begeisterungsschreie ausbricht, wenn ihr ein guter Ballwechsel gefällt. Nur dass sie auch tolle Spielläufe der Gastmannschaft beklatscht, das verstehen sie nicht. Wo wir doch zur Heimmannschaft halten müssen. Ich bin nämlich der Meinung, dass man gute Punkte auf beiden Seiten würdigen muss. Allzu offensichtlich für die Gegner jubeln mag ich ohnehin nicht, wenn ich unter lauter Nordmann-Gefolgsleuten sitze. Aber mir tut die Gastmannschaft oft so leid, weil sie da alleine und ohne unterstützende Zurufe spielt. Und noch mehr tut sie mir leid, wenn sie im ersten Satz punktemäßig vom Platz gefegt wird. Bei einem ersten Satz von 25:6 kann man die sechs gegnerischen Punkte schon klatschend honorieren, oder?
Der Ältere geniert sich ein wenig wegen dem Jüngeren und seiner Begeisterung. Außerdem wechselt er maulend und Nase rümpfend den Platz, weil sein Sitznachbar ins Rasierwasser gefallen sein muss. Das nehme sogar ich noch intensiv wahr. Trotzdem gehen wir später zufrieden nach Hause. Immerhin konnten die Jungs ja auch das Buffet plündern, was für vieles entschädigt.

Ich bin ein bisschen heiser und meine Handflächen schmerzen. Aber bis zum nächsten Match in zwei Wochen ist das sicher wieder alles gut.

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