Halloween und die Montagsfrage auch gleich dazu.

Wieder stellt das Buchfresserchen seine Montagsfrage. Wie passend, dass am Montag Halloween war. Es geht um Bücher mit Gruselfaktor oder Horror und was ich daran weshalb mag. Oder eben auch nicht. Zwar ist heute schon Mittwoch, aber zumindest noch Allerseelen. Darum habe ich für mich entschieden, dass es noch nicht zu spät ist für die Montagsfrage. Und überhaupt, wenn mein Jüngerer (fast) das ganze Jahr von Weihnachten redet, dann darf ich die Zeit ja auch ein wenig dehnen.
Halloween ginge ja komplett an mir vorbei, wenn da nicht die Kinderleins wären. Die das irgendwann auch mitbekommen haben und bei der kollektiven Bettelei nach Süßigkeiten dabei sein wollen. Alljährlich ziehen sie jetzt los. Nein, nicht allein. Jedenfalls nicht der Jüngere. Der Ältere mag eh schon nicht mehr, der macht mit den Freunden lieber eine gemeinsame Übernachtung mit endlos fernsehen oder am Handy süchteln. Was ich persönlich auch gruselig finde.
Ja, das jüngere Kind will mit den Nachbarskindern losmarschieren. Bei Einbruch der Dämmerung füllen sich die Straßen. Ich will um diese Zeit nicht mehr mit dem Auto unterwegs sein. Dunkle Gestalten bewegen sich ziemlich unberechenbar mal links, mal rechts dahin. Aber ich muss ja ohnehin das Kind begleiten, weil es sich allein nicht traut. Anderen Müttern geht es auch so. Was dann im Endeffekt so aussieht, dass vorneweg die lieben Kleinen in ihren Verkleidungen und den Sackerln marschieren und einige Mamas hintendrein mit wachsamen Blick auf eventuellen Verkehr und meist mit Laternen und Taschenlampen bestückt. Irgendwer muss das ganze sicherheitstechnisch überwachen. Was keine geringe Herausforderung ist, denn die Mamas müssen sich dabei unterhalten und endlich mal wieder Neuigkeiten austauschen, während sie immer mal wieder eines der Schäfchen in die Gruppe zurückscheuchen, dass sich zu weit in die Straßenmitte vorwagt, oder sie sich durch gegenseitige Zurufe auf näher kommende Autos aufmerksam machen.
Halloween gibt es noch nicht so lange. Als dieser Brauch über den großen Teich zu uns herüberschwappte, ging dabei einiges in den wilden Fluten des Atlantik verloren.
„Süßes oder es gibt Saures!“ verkam zu „Süßes oder Saures!“. Die beiden Wörtchen „es gibt“ sind offenbar vom Golfstrom abgetrieben worden und dümpeln irgendwo anders herum. Hierzulande nehmen die Kids neben Süßem auch Saures gerne entgegen. Chips oder so. Im Vertrauen gesagt, sollte ich die meinen jemals dabei erwischen, wie sie „ … oder es gibt Saures!“ in die Tat umsetzen, dann war es das letzte Halloween für sie.
In unserer Siedlung wohnen viele alte Menschen. Die Halloween nicht kennen. Die völlig verwirrt reagieren, wenn man sie herausläutet. Auch da greift die Mama-Patrouille lenkend ein. Wir lotsen die Kinderschar zu den Halloween-fähigen Häusern. Jenen der anderen Familien und derer, die an diesem Tag Naschereien für die Kinder bereitstellen. Oft sind die Sprösslinge so verkleidet, dass man sie nur anhand der begleitenden Eltern erkennt. Die sich so weit es geht im Hintergrund halten.
Mein Jüngerer meinte anfangs ja, ich solle ihn nicht nur begleiten, sondern auch noch anläuten und das Sprücherl aufsagen. Bitte!? Geht’s noch? Er musste die leidvolle Erfahrung machen, dass das Muttertier da nicht mitspielt. Wenn er was haben will, dann muss er sich drum kümmern. Sonst geht er leer aus. Tja, denkt sich da Frau Vro, jetzt ist dieses komische, frisch importierte Fest auch noch erziehungstechnisch relevant. Aber er ist älter und reifer und jetzt geht er schon allein mit den anderen Kindern.

Nach zwei bis drei Stunden ist der ganze Zinnober vorbei. Was an Süßigkeiten noch übrig ist, wandert in die Naschlade der Kinder. Diese sichten ihre Beute und fressen sich mit Zuckerzeugs voll. Ein Hoch auf Karies. Die Zahnärzte wollen auch leben. Einmal im Jahr lassen wir alle Vorsätze bezüglich gutem und gesundem Essen sausen. (Ha ha, wer’s glaubt, dass das nur einmal im Jahr sei. Aber probieren kann ich es ja.) Einzig die geschnitzten Kürbisse leuchten noch ein paar Nächte freundlich gruselig in die Nacht hinaus.

Wobei es heuer ein wenig anders war. Denn es war ein sehr halloween-begeisterter Papa dabei, der Knallerbsen und kleine Kracher mithatte, die die Kinder teilweise mehr interessierten als die Bettelei an den Türen. Oder die beiden jungen Katzen aus der Nachbarschaft, die auch mitgingen. Die Kinder waren derart beschäftigt, dass sie fast an den Häusern vorbeiliefen, ohne geläutet zu haben. Nach drei Gassen hatte mein Jüngerer genug, sein Beutesackerl war ihm zu schwer und er stapfte nach Hause. Dabei war der Abendspaziergang doch erst richtig nett geworden. Hmpf.
Um jetzt aber zur Montagsfrage zurückzukommen beziehungsweise sie kurz zu streifen. Nein, ich mag keinen Horror lesen. Außer er ist wirklich total unrealistisch, dann macht es mir nichts aus. Gruselig geht vielleicht eventuell gerade noch. Aber dann war es das. Mir kommt das nämlich dann manchmal nachts unter. Dann träume ich schlecht und stecke plötzlich selber mitten drin in diesen Geschichten. Ich habe einmal leidenschaftlich Stephen King gelesen. Das hat sich aufgehört. Da war dieses Kurzgeschichtenbuch von ihm. Irgendetwas mit Abgrund oder Alpträume. Ich habe beim Lesen herzlich gelacht, fand das alles lächerlich. Bis ich dann ein paar Nächte später plötzlich davon geträumt habe. Es hat geregnet. Ich bin aufgewacht und dachte, es wären Spinnen, die da vom Himmel regnen. Ich habe mich gefürchtet. Ganz ganz schrecklich. Mein Freund wollte mich trösten, es sei nur ein Traum, alles sei in Ordnung. Mit dem Ergebnis, dass ich ihn von mir weg geschubst habe und ihn angefaucht habe, er wolle mich nur in Sicherheit wiegen und er gehöre auch zu denen.
Okay, ab da war ich dann mit Horror vorsichtig. Also in kleinen Häppchen dürfen es Grusel und Horror sein. Wenn es wirklich vollkommen unrealistisch ist. Und ich einen guten Tag habe. Manchmal. Hin und wieder. Ganz selten. Fast nie. Wenn ich es genau betrachte, komme ich auch gut ohne aus. Bei all den Auflagen und Gegebenheiten, die zu berücksichtigen sind, lasse ich es lieber gleich bleiben und riskiere nichts.




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