Of mice and men … die Haustierfrage.


Es ist Coffeetime. Der beste Kollege kommt mit hängendem Gesicht. Bedeutungsschwanger teilt er mir mit, dass sie ein neues Familienmitglied bekommen. Ich warte. Warten geht immer. Die meisten reden irgendwann weiter, wenn das Schweigen zu laut wird. Eine Katze soll einziehen. Sally. Womit die weibliche Übermacht in seinem Haus weiter einzementiert wird. Ich finde das spannend. Und höchst interessant. Haben wir doch in puncto Haustier ähnliche Ansichten. Nur dass er überstimmt wurde und ich eben noch nicht.


Dabei ist mir durchaus klar, dass ich meine Kinder für unendlich lange Zeit (also mehrere Monate bis auch Jahre) glücklich machen könnte, wenn ich nur endlich einer Katze im Hause von Frau Vro zustimme. Ich bräuchte nur den Liebsten überzeugen, wie wertvoll es für die soziale Entwicklung der Kinder ist, wenn sie mit einem Haustier aufwachsen dürfen. Denn der will auch nicht. Keine Frage, dass es eine wichtige und nachhaltige Erfahrung darstellt. Durchaus eine meiner Meinung nach berechtigte Frage bleibt bestehen. Welche Erfahrung mache ich, wenn das jüngere Kind seinen Wunsch und Willen nach einer Katze erfüllt und ich aber die Arbeit und die Kosten übertragen bekomme? Nennt sich das dann Halbe-Halbe? 

Drum bleibe ich vorerst noch standhaft und höre mir erst mal die Geschichten vom Kollegen an, wie sich das Zusammenleben mit dem Katzenkind Sally so entwickelt. Immerhin gibt es ja reichlich Fellnasen in der Nachbarschaft, die sich auch immer mal wieder abknuddeln lassen, ohne dass ich gleich Impfungen, Futter, Inventar bereitstellen müsste. Ich kümmere mich vorerst um ganz andere Tiere. 

Im späten Winter/zeitigen Frühjahr ist mir auf einmal eingefallen, dass ich ja schon die längste Zeit immer ein Futterhäuschen für die Vögel aufhängen wollte. Ja, ich weiß, ihr lacht. Aber vorher habe ich einfach nicht daran gedacht. März ist etwas spät im Jahr, um damit zu beginnen. Egal, ich habe aus einer Plastikflasche einen Futterspender gebastelt, ihn mit Sonnenblumenkernen befüllt und aufgehängt. Gekommen ist keiner. War auch irgendwie klar. Zu der Zeit haben die kleinen Piepmätze rundum schon genug Anderes gefunden und haben mein Futter schlicht nicht entdeckt. Ich wollte das Ganze schon wieder ad acta legen, weil kommt eh keiner, brauch ich mich auch nicht kümmern. So einfach stellt die kleine Vro sich das manchmal vor. 

Rocky – eine Nachbarskatze

Irgendwann im Spätsommer aber habe ich plötzlich die ersten Kohlmeisen fliegen sehen. Damit war klar, dass ich mich jetzt kümmern muss. Immer wieder einmal kamen die kleinen Vögel und haben sich Sonnenblumenkerne geholt. Rausgepickt und in den Sanddorn geflogen und dort die Schale geknackt. Überhaupt scheint der Sanddorn ideal zu sein. Es ist dichtes Wirrwarr aus Zweigen und Dornen. Da mag keine Katze gern rein und sich auf die Lauer legen. Sogar der Sanddorn selbst ist im Frühling knapp vor dem Austrieb sehr begehrt bei den Spatzen, die sitzen dann zu Dutzenden drin und fressen die frischen Knospen. Aber vorerst kommen nur Kohl- und Blaumeisen.


Jetzt im Herbst habe ich voll aufgerüstet. In einem Gartengroßmarkt habe ich einen Kübel voll mit Meisenknödeln und einen Sack Mischfutter gekauft. Vielleicht finden sich ja noch andere Vögel ein. Einen zweiten Futterspender habe ich ebenfalls. Und jetzt geht es schön langsam rund im Sanddorn. Derzeit bin ich die einzige, der das so richtig taugt. Ich bin nicht einmal sicher, ob die Jungs schon bemerkt haben, was da draußen im Garten los ist. Ich bin besonders auch deshalb begeistert, weil ich bequem vom Esszimmertisch aus beobachten kann, wie sich die Meisen gegenseitig jagen. Und außerdem kann ich mich mit der Kamera und dem Teleobjektiv hinter der Bistrogardine verschanzen und ungeniert drauf los knipsen. Die Biester sind verteufelt schnell, man glaubt es kaum. 

Mia – noch eine Nachbarskatze

Natürlich ist mein Ehrgeiz jetzt geweckt. Ich hätte gern noch andere Vögel in meinem Garten. Aber da braucht es etwas anderes Futter. Mein Mann beobachtet mein Treiben mit einem gewissen Amusement. Er meint, ob ich da jetzt Lebendfutter für all die Katzen in der Umgebung anfüttere. Nein, ich schwöre, das habe ich nicht vor! Im Gegenteil denke ich an freistehende hohe Futterhäuschen mit stacheldrahtbewehrter Basis. Ich gehe nicht so weit wie der Vater einer Freundin, der einst auch noch Strom in diesen Draht geleitet hat. Aber ich sehe die Beweggründe. Ein wenig unsicher bin ich noch, wie sicher meine derzeitigen Futterstellen sind, wenn dann das letzte Laub von den Sträuchern fällt. Und auch das nebenbeistehende Spielhaus mit dem Dach als perfektem Lauerplatz habe ich womöglich nicht ausreichend in meine Planungen mit einbezogen. Kann ja sein, dass eine der Nachbarskatzen im Blutrausch zur sabbernden Flugkatze wird und sich ungeachtet eventueller Sanddorn-Kratzer auf meine kleinen Buffetgäste stürzt. 


Wie gesagt, das gilt es noch länger zu beobachten. Und ich darf nicht vergessen, die Futterspender regelmäßig zu befüllen. Denn jetzt habe ich wohl die Verantwortung für diese kleinen Federbälle übernommen.


Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s