Frau Vro und die Muse bedanken sich.

Im März dieses Jahres habe ich meinen Blog gestartet. Ich schreibe, schreibe, schreibe. Wer hätte das gedacht? Wo ich doch immer überzeugt war, dass mein Leben ein ganz durchschnittliches normales welches ist. Geradlinig. Was ich mir vornehme, ziehe ich durch. Was nicht und nicht klappt, kann nicht so wichtig gewesen sein. Schule, Job, Partner, Haus, Kinder. In dieser Reihenfolge. Ohne Umwege. Spießig. Langweilig. Farblos.

Farblos?

Seit nicht ganz acht Monaten schreibe ich also hier täglich. Über mein Leben. Über das reale Leben. Und über das Leben in meinem Kopf. Manchmal über Dinge, die mich sehr beschäftigen. Es überrascht mich selbst, wie voller Worte ich bin. Wie bunt mein Leben ist, wenn ich es in Worte fasse und zu Papier bringe. Mein Leben ist voller Geschichten, dabei bin ich nur ein kleines Licht in einem Meer von Lichtern. Ein kleines Würmchen. Eine winzig kleine Ameise, die mit Milliarden anderen auf der Erde herumkrabbelt inmitten von Milliarden anderen Lebewesen. Ich bin unvorstellbar winzig in diesem großen Ganzen und habe für mich allein gesehen schon unzählige Geschichten. Während ich das niederschreibe, fühle ich mich unsagbar groß in meiner Kleinheit. Weil ich weiß, dass wir alle diese Geschichten mit uns tragen. Du! Und Du! Und du da drüben auch!
Da sind die Geschichten meiner Kinder. Meines Mannes. Die meiner Geschwister und deren Partner und Kinder. Die Geschichten meiner Freundin zwei Straßen weiter oder die des kaffeetrinkenden Kollegen. Die Geschichten vom Freund, der nicht mehr mein Freund sein mag (jedenfalls denke ich das). Selbst die von dem einen, der mir immer unsagbar auf die Nerven geht. Aber auch er hat seine Geschichten. Manchmal zeigen sich auf einmal Brücken zwischen unterschiedlichen Geschichten und ich sehe sie aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Gelegentlich drehen sich Geschichten im Kreis und verbinden die meinen mit den deinen oder die deinen mit denen von jemand anderem. Kann auch vorkommen, dass sie wie Puzzelteile an die richtigen Stellen fallen und ein größeres Bild ergeben. Manche Geschichten kommen zu mir wie auf einer Sternfahrt und ich stehe mittendrin, sehe beide Seiten, während die einzelnen Episoden nur von der Sichtweise des Erzählers gefärbt sind. Schwarz und weiß, rosa und hellblau, grau oder bunt.
Es sind nur wenige, die ein wirklich großartiges Leben haben, so großartig, dass wir noch Jahre, womöglich Jahrhunderte später in Büchern von ihnen lesen. Deren Erfindungen, Wohltätigkeiten oder auch Grausamkeiten in Erinnerung bleiben. Philosophen, die Thesen verfassen. Forscher, die Bedeutsames entdecken. Dichter, die Klassiker der Weltliteratur schreiben, die zum Zeitpunkt des Entstehens noch nichts Bedeutendes an sich haben. Dennoch hat ein jeder von uns seine eigenen Geschichten, die ebenso bedeutsam sind. Vielleicht nicht für das Gemeinwohl aller, aber die trotzdem Auswirkungen haben. Auf einen selber, auf das nähere Umfeld. Wir hinterlassen alle Spuren. Fußabdrücke. Kleine und große.
Die Muse stößt mir ihren spitzen Ellbogen in die Rippen. „Hör auf, hier so pathetisch herum zu sülzen! Da trieft ja das Schmalz aus den Bildschirmen und Smartphones. Denk dir nur, wenn da einer deiner Leser in der Öffentlichkeit den Blog öffnet und dann rinnt das Schmalz …“
„Geh Schatz, du bist total ungustig mit deinen komischen Ideen. Lass mich schreiben. Ich war gerade so schön mittendrin in meiner Hymne …“
„Nein, so geht das nicht. Du schreibst so einen Schmarrn. Reiß dich zusammen. Gar fängst du mir noch rührselig ins flennen an. Immerhin wirft das auch ein schlechtes Licht auf mich. Ich  bin deine Muse.“
„Und was schlägt MEINE Muse mir vor?“
„Kannst ja auch einfach Danke! sagen und damit hat es sich.“
„Ha ha. Das ist wirklich sehr witzig. Ein einziges Wort als Blogeintrag. Muse, du warst schon einmal besser.“
Aber sie hat Recht, meine Muse. Wieder einmal ist es an der Zeit, danke zu sagen. Danke an meine geschätzte und treue Leserschar, die stetig ein wenig wächst. Und auch diesmal meine Worte:
Ich werfe meine Freude wie Vögel an den Himmel, dass es knallt und kracht und jubiliert und die Funken sprühen. Ohne euch Leser wäre ich Schreiberling nichts!
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4 Gedanken zu “Frau Vro und die Muse bedanken sich.

  1. Ich kenne das Problem. Da will man danke sagen und mal darüber reflektieren, was der Blog so mit einem macht und dass man dankbar ist für all die Figuren und Ideen darin … Und die Follower darunter … Und dann wird es kitschig. Das ist okay. Denn mit dem Dankesagen haben wir doch alle Probleme.

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