Reich und schön.

„Wenn ich noch einmal die Chance hätte, ich würde reich heiraten. Reich UND schön.“

Sagt der beste Kollege, während wir über die Berufswünsche der Kinder sprechen, die sich noch nicht so recht herauskristallisieren. Ist noch nicht so dringend nötig. Sie sind kaum den Windeln und dem Kindergarten entwachsen. Es wird zwar langsam Zeit, sich über eine eventuelle Zukunft Gedanken zu machen. Aber für sorgenvolles Grübeln ist es zu früh.
Ich nehme an, der soeben ausgesprochene Wunsch nach einer reichen Heirat entspringt der Überlegung, wie lange das Fräulein Tochter noch in die Schule gehen wird müssen, bevor sie einen hoffentlich gut bezahlten Job hat.
(Schon galoppiert die Muse mit meinen Gedanken davon. Dreht sich lachend zu mir um und fordert mich heraus, doch mitzukommen. Ich mache mir nichts aus Pferden im Galopp, auch wenn ich Geschwindigkeit grundsätzlich nicht abgeneigt bin.)
Ich muss natürlich auch meinen Senf dazu geben. Gebe zu bedenken, dass reiche Frauen dünn gesät sind. Reiche UND schöne noch dünner, füge ich hinzu. Warum sollten die ausgerechnet auf ihn warten? – Hach ja, Desillusion in Worten. Ich bin ein Realist. Obwohl: Wünschen darf man sich ja schließlich alles!
Vielleicht hätte er ja ausnahmsweise einmal Glück. Weil es sie schließlich irgendwo geben müsse. Die reichen und schönen.
Ich bin skeptisch. Mit „reich UND schön“ hätte ich  als Frau womöglich mehr Aussichten. Reiche Männer gibt es sicher mehr. Schönheit ist bei derlei Auswahlkriterien eine nette Draufgabe. Es heißt ja immer, was ein Mann schöner sei als ein Affe, das sei Luxus. Ganz so mag ich das nicht bejahen. Man Frau will ja schließlich auch hübsche oder ansprechende Ausblicke, wenn sie morgens die Augen aufschlägt. Sonnenschein. Einen frisch rasierten und geduschten Adonis. Der Frühstück ans Bett bringt. Mit einer eben erst gepflückten duftenden Rose, an der noch der Morgentau haftet … Hach! Wünschen darf man sich schließlich alles!
Wir unterhalten uns hier ohnehin nur hypothetisch. Wir sind beide verheiratet. Nicht reich, aber zumindest schön. Nicht miteinander. Das wäre nämlich wieder nicht reich. Und schön? Nein. Egal.
Ich wische mit der Hand an meinem Gesicht vorbei, als müsste ich ein Hirngespinst verscheuchen. Drifte gedanklich ab. Reset und von vorne.
Ich schlage vor, er könne als Frau wiedergeboren werden. Das würde seine Chancen auf „reich UND schön“ vielleicht verbessern. Dauert nur dann noch ein bisserl, bis es soweit ist. Wobei selbst das einem Lotteriespiel gleichkommt. Garantie gibt es keine. Einfahren kann man auch mit dieser Strategie.
Überhaupt erachte ich derlei Chancen hier in unserem unmittelbaren Umfeld für ganz gering. Auch unsere Altersgruppe wirkt dem entgegen. Mitte Vierzig haben die meisten ein Haus gebaut und Familie. Also a) weg vom freien Markt (für manche ein Grund, aber kein Hindernis), b) eventuell schön anzusehen (vergänglich!), aber c) sicher nicht mehr reich (ahja, hier liegt der Hund also begraben).
Selbst wenn man es schaffen sollte mit „reich UND schön“, in diesem Alter geht es rapide mit einem bergab. Die Schönheit schwindet, man kann fast zusehen. Natürlich lässt sich dem mit entsprechenden kosmetischen und chirurgischen Eingriffen gegensteuern. Womit aber das „reich“ in „reich UND schön“ massiv gefährdet ist. Und genau um das geht es ja in erster Linie, nicht wahr?
Womöglich entscheidet sich dann die gute Partie – die man sich mit der Auflage „reich UND schön“ geangelt hat – dafür, einen selber gegen „schön, weil reich bin ich selber“ auszutauschen. Oder viel demütigender und deprimierender gegen „jung UND schön“. Oder die gute schöne Partie will mich, weil reich aber nicht schön, loswerden. Ich denke dabei an einen gewissen Herrn Kleister oder war’s ein Herr Kleber, nein, jetzt habe ich es: der Mörtel war’s! Mit seinem blonden Schatzi und ihren augenfälligen Kurven.
Ehrlich, je mehr ich darüber nachdenke: Das führt zu nichts. Ich lasse das mit dem „reich UND schön“. Ich hüpfe zu meinem Mann auf die Couch und küsse ihm die Sorgenfalten aus dem Gesicht. Kostet nix. Funktioniert zumindest kurzfristig. Wir beide also mit unseren schönen Falten und dem Reichtum Wohlstand um den Bauch. Reich war nie. Schön ist schon ein bisserl her. Wobei Schönheit ohnehin im Auge des Betrachters liegt. Und es beim Reichtum ebenso auf den Blinkwinkel ankommt.
Ich für meinen Teil habe also doch „reich UND schön“ geheiratet. Und der beste Kollege? Was weiß denn ich?! Ich kann ihn ja mal fragen! Oder noch besser. Fragt ihn einfach selber!


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