Kein Mikroskop und auch kein Fußball.

Neuerdings muss ich feststellen, dass Veränderungen nicht immer nur gut sind. So zum Beispiel in meiner Firma. Was ja eigentlich jetzt wirklich Blödsinn ist. Wirklich! Für uns alle sind die Veränderungen an meinem Arbeitsplatz nämlich durchaus gut. Aber ich quengle da wie ein Kleinkind in der Trotzphase herum. Dem etwas weggenommen worden ist. Und ich muss gleich vorweg schicken, dass das eine sehr subjektive und eigensüchtige Denkart ist, weshalb ich da herum jammere.
Wie schon früher einmal berichtet, steht in meinem Büro ein Mikroskop, das hier in unseren Kreisen das optische Prüfgerät genannt wird. Es ist ein Mikroskop, verdammt! Soweit darf ich ja jetzt wohl pingelig sein. Leider muss ich hinzufügen, dass es seit ein paar Wochen nun schon nicht mehr in meinem Büro steht. Was für mich einen tragischen, kaum in Worte zu fassenden Verlust bedeutet.

Wie es dazu kam? Lasst euch erzählen!
Im Februar dieses Jahres hatten wir hier ein Feuer. Ein wirklich großes Feuer. Meine noch junge Blogger-Seele hat es damals hier zu verarbeiten versucht. Danach kam es zu umfassenden Renovierungs- und Umbauarbeiten, in deren Folge ich unseren Kirschbaum  kennen und schätzen lernte. Mein Büro war von all dem kaum betroffen. Okay, wir – meine beiden Kollegen und ich – bekamen zumindest einen neuen Heizkörper. Aber das Mikroskop ist ausgezogen. Dieses treulose Ding! Zum kaffeetrinkenden Kollegen in ein neues Büro irgendwo in eine Weit-weit-weg-Ecke (von mir und meinem Wirkungsbereich aus gesehen; also eindeutig subjektiv). Treulos, sag ich ja!
Nun, diesen Verlust allein könnte ich ja verkraften. Doch! Wirklich! Aber bisher war es ja immer so, dass der kaffeetrinkende Kollege im Laufe des Montags irgendwann einmal zur Tür hereinkam und am optischen Prüfgerät Mikroskop arbeitete. Und gleichzeitig mit meinem Bürokollegen das fußballerische Wochenendgeschehen besprochen hat.
Ihr seid erstaunt? Weil ich von Fußball rede? Ach so, ihr meint das Andere! Ich verstehe. Ja ja, wirklich, es ist tatsächlich möglich, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun. Nicht nur wir Frauen können das. Multitasking ist auch unter Männern verbreitet. Vielleicht ist der Anteil an Multitasking-fähigen Männern in etwa gleich dem Anteil an fußballbegeisterten Frauen? Haltet ihr das für gewagt? Wenn ich hier Äpfel mit Birnen vergleiche? Jedenfalls schaffen es die beiden tatsächlich, während der Arbeit über Fußball zu reden. Beeindruckend, nicht?
Aber zurück zum Mikroskop! Wie gesagt hat es sich davon gemacht. In ein lichtdurchflutetes neues Büro mit Nachmittagssonne und einem Beinahe-Blick auf den Kirschbaum. Wunderschöne neue Arbeitstische mit einer Oberfläche aus schmalen, geleimten Holzleisten. Das Mikroskop hat seinen alten schartigen Tisch mit der Resopalplatte einfach so gegen dieses neue attraktive Ding ausgetauscht. Treulos. Hmpf. Sagte ich schon. Oder?
Der kaffeetrinkende Kollege lässt sich nun auch nicht mehr blicken. Was eindeutige Präferenzen erkennen lässt. Das halte ich aus. Wahrscheinlich! Doch! Ich glaube schon!? Nur dass ich damit um meine Fußball-Zusammenfassung umfalle, das ist ungeheuerlich. Treulos! Treulos auch er!
Wo ich doch mittlerweile wirklich als fortgeschritten in Sachen Fußball gelte. Letztens beim Zappen hat ein kurzer Blick auf den Bildschirm gereicht: „Ah, Atlético spielt gegen Bayern.“
Mein Mann musste erst im TV-Programm nachsehen. Ehrfürchtig hauchte er dann: „Bwoa, du bist gut!“ Möglicherweise bin ich auch nur weitsichtig und konnte den eingeblendeten Spielstand rechts oben besser lesen. Vielleicht war es so. Vielleicht war es auch ganz anders.
Trotzdem bleibt da diese unerfreuliche Sache. Weil ich die Montags-Fußball-Geschichten mittlerweile schätzen gelernt habe. Aber das ist mir erst im Nachhinein klar geworden. Und nur deshalb jetzt ins Weit-weit-weg-Büro pilgern? Meinen Bürokollegen mitnehmen? Weil  ohne geht es ja schließlich nicht. Ihr wisst schon, wegen der gemeinsamen Zusammenfassung. Wäre es nicht viel besser, wenn der kaffeetrinkende Kollege zum Bürokollegen kommt und die beiden ihren Bericht abliefern, damit die Principessa Frau Vro lieb und nett und freundlich bleibt?
Ja, und dann bin ich wohl aufgewacht … aber wünschen darf man sich ja noch was … oder? … bitte!
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