ab-här-ten oder: Wie Frau Vro das versteht.

Es ist Tag drei im vro’schen Lazarett und langsam zeigt sich Besserung. Denn gestern war ich am totalen Tiefpunkt angelangt und tränenreicher Verzweiflung nahe, ob denn das nie mehr besser wird. Mit diesem herzzerreißenden Hilfeschrei ans Universum bin ich hineingesunken in einen traumlosen Schlaf und es scheint, dass mein Wunsch Gehör gefunden hat. Denn heute … also heute … geht es mir bedeutend besser. Sogar so viel besser, dass ich die Unordnung in der Küche beseitigt habe. Und danach war ich zwar wieder schlapp, aber es ging mir irgendwie noch ein wenig besser.
Wenn die Brösel vom Semmerl aufschneiden noch auf der Arbeitsfläche neben dem Kühlschrank liegen. Wenn der Griff des Kühlschranks marmeladepickig ist. Wenn die Frühstückshäferl in der Abwasch stehen und der Geschirrspüler nur halb ausgeräumt ist. Ja, wenn …
Das alles gefällt mir gar nicht. Zwei Tage war ich jetzt ganz reduziert auf extrem-couching, schlafen, lesen. Am Morgen ist die Zeit knapp und meine Männer verlassen mehr oder weniger fluchtartig das Haus. Meinem Angetrauten mache ich keinen Vorwurf. Er weiß durchaus Ordnung zu halten, bei ihm ist es eher ein ewiger Zeitmangel. Aber die Herren Söhne! Die sehen das alles gar nicht. Während ich also den Geschirrspüler aus- und einräume, die Brösel wegwische (und diverse Marmelade- und Kakaohinterlassenschaften ebenso), denke ich mir, dass die zwei wirklich perfekt entwickelte selektive Eigenschaften haben.
Während ich mich die letzten Monate darauf konzentriert habe, mich selber mehr zu bewegen, Muskeln aufzubauen und mein Immunsystem zu stählen, habe ich eines offenbar völlig vernachlässigt. Nämlich mich dahingehend abzuhärten, dass ich die Unordnung zuhause öfter einmal übersehe und es gleichzeitig schaffe, mich dabei dann auch nicht so schlecht zu fühlen.  Ich täte gut daran mich gegen die Anfälligkeit für Putzeritis abzuhärten. Leider muss ich feststellen, dass das alles leichter gesagt als getan ist. Nach zwei Tagen der Ignoranz gebe ich auf. Rein gefühlsmäßig ist es eindeutig angenehmer, in einer geputzten Wohnung zu gesunden. Wenn ich krank darniederliegend den Lurch am Boden wallen sehe und auch die Küche vollgestellt ist mit Dingen, die man gerade gebraucht und dann wegzuräumen vergessen hat, dann zupft das an einem und hinterlässt diesen schalen Geschmack des Nichtstuns und des Müßigganges.
Meine Kinder sind perfekt im Wegschauen, Drüberschauen, Gar-nicht-schauen. Sogar ihr Gehör ist perfekt selektiv. Mein Lamentieren hören sie ebenso wenig wie meine eindeutige Befehlsausgabe. Ich müsste vielleicht einmal versuchen, wer länger durchhält im Ignorieren. Ich weiß, ich werde wieder schwanken und zuerst zum Putzen anfangen. Ich bin ein mich ewig kümmerndes Muttertier. Asche auf mein Haupt.
Mein Jüngerer indes hat seine ganz besondere Schläue. Er hat mich doch gehört. (Aber ignoriert.) Und er meinte heute Morgen, als ich ihn bei der Haustür verabschiedete: „Mama, ich hätte dir gerne geholfen. Staubsaugen, Geschirrspüler einräumen, Wäsche in den Keller tragen. Das kann ich alles machen. Aber leider! Leider muss ich ja jetzt zur Schule. Aber wenn ich zuhause bleiben könnte …“ Ha! Daher weht der Wind. Leider! Schule geht vor. Nur wenn er dann wieder daheim ist und seine Hausübungen gemacht hat. Ja! Dann werde ich ihn daran erinnern. Wobei ich schon jetzt befürchte, dass er später einen plötzlichen Anfall von Amnesie haben wird. Mich womöglich mit schreckgeweiteten Augen ansehen wird. Frei nach den Worten meines Älteren, der irgendwann einmal völlig entgeistert anmerkte: „Warum soll ich bügeln und putzen? Das ist doch deine Aufgabe!“
Genau diesem Irrtum gilt es jetzt entgegenzuwirken. Keine Frage, dass ich das gut kann. Weil ich es schon länger mache. Aber das lässt sich ändern. Das muss sich ändern. Schon allein aus Rücksicht auf eventuelle spätere Schwiegertöchter. Und so begebe ich mich wieder auf meine Krankencouch und hänge Gedanken nach. Produktiven Gedanken. Solchen, die die Kinder mehr miteinbeziehen. Änderungen in der Hausordnung.

Die werden sich wundern, was alles geht! Schöne neue Welt!


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