Zu wild gespielt …

 

 

Der jüngere vro’sche Ableger hat es geschafft. Er hat mein Spinnrad kaputt gemacht. Während ich im Wintergarten meine Wollknäuel sichte und sortiere, sitzt er am Sessel und malträtiert das Spinnrad. Er hat offenbar noch nicht begriffen, dass es hierbei nicht in erster Linie um Schnelligkeit geht. Er tritt mit voller Kraft ins Pedal und die Spule fliegt nur so. Manchmal beugt er sich drüber, um genauer zu sehen. Was mich leicht beunruhigt innehalten lässt, weil ich Angst habe, er könnte sich die fadenführenden Häkchen in die Nase rammen.

Das ist noch nie passiert, wofür ich dankbar bin. Entweder hätte er dann ein Nasen-Piercing oder – wenn er noch näher ran geht – eine gebrochene Nase. Trotzdem tritt er immer wieder mal was das Zeug hält. Diesmal hält das Zeug aber nicht. Auf einmal macht es Plonk! Und das war’s mit Treten. Das Verbindungsstück zwischen Trittbrett und Antriebsstange zum Schwungrad ist ab. Mir entfährt ein unwilliger Knurrer, weil ich immer wieder, aber völlig umsonst, predige, dass er das sein lassen soll. Jetzt ist es hin! Das Kind rennt heulend davon. Mehr mit verletztem Ego denn aus Furcht vor was auch immer.

Schon wieder ein Patient! Naja, ich hab das Bücherregal hinbekommen. Wird das auch irgendwie gehen. Es folgt das übliche Prozedere! Runter in den Keller, Kreuzschraubenzieher suchen, kein Akkuschrauber diesmal, wieder rauf, Spinnrad in stabile Seitenlage, Erstversorgung. Gebrochene Knochen schient man, gerissene Plastikverbindungsdinger werden besser ersetzt. An der Bohrung klassisch abgerissen. Wäre sowieso irgendwann passiert. Ich bin ja auch so eine, die gern kraft- und schwungvoll ins Rad tritt. Spinnrad wie Fahrrad gleichermaßen. Blöd, dass es gerade dem Jüngeren passiert ist. Aber vielleicht schreckt ihn das jetzt ab. Zumindest für die nächsten Monate. Oder die nächsten Wochen. Oder so.

Am nächsten Tag in der Firma werden meine Kollegin und ich fündig. Ein fünf Zentimeter langes rundes Staberl aus hochwiderstandsfähigem Material. Welches die allerbesten Eigenschaften aufweist. Ich muss das ja wissen. Dynamisch hoch belastbar mit geringer Wärmeentwicklung steht in der Materialbeschreibung. Ich kichere in mich hinein. Habe da Kopfkino, wie ich wie irr ins Spinnrad trete und das Plastikdingelings immer noch nicht warm wird. Da reibt sich eher schon die Lederstreifen-Bremse durch.

Wieder daheim probiere ich das gleich einmal aus. Vorgebohrt habe ich natürlich nichts. Vorbohren ist etwas für Schwächlinge. Ja genau, eh klar! Da hätte ich ja wieder in den Keller runter müssen, den kleinsten Bohrer in den Akkubohrer montieren, dann wieder rauf, dann bohren, dann wieder runter und wegräumen. Nein nein, kein vorbohren. Das muss auch händisch gehen mit dem Mini-Schrauber. Okay. Ist ein bisserl mühsam. Zugegeben. Aber es muss einfach rein. OP ohne Narkose könnte man sagen. Das Material mit den allerbesten Eigenschaften lässt sich eben doch nicht einfach so mit einer Schraube durchbohren. Wahrscheinlich war es der gleiche Kraftaufwand wie einmal Rauf- und Runterlaufen um den Akkubohrer. Dem Spinnrad ist ein bisschen schwummerig, ich zupfte einige Wollfasern vom Schwungrand runter, hänge den Antriebsriemen wieder ein, damit es da einen ordentlichen Eindruck macht und greife nach einer Handvoll Fasern. Rot, rosa, orange. Fröhliche, anregende Farben. Für eine schnellere Rekonvaleszenz!

Mein verschreckter Herr Sohn hat dann später einen schüchternen Krankenbesuch gemacht und erst einmal geschaut, ob wieder alles gut ist. Hingegriffen hat er bisher noch nicht wieder.

 

 

 
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2 Gedanken zu “Zu wild gespielt …

  1. Mich hat das Spinnrad als Kind auch immer gelockt. Ich hatte aber zu viel Respekt davor, es anzurühren. Leider hatte meine strenge Oma immer ein Auge drauf und mich gewarnt, dass ich so ende wie Dornrößchen, wenn ich nicht die Finger davon lasse.

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  2. 🙂 🙂 Hattest du etwa Angst, du könntest enden wie Dornröschen? Am Ende stand da aber der Prinz… Wobei ich persönlich nicht sicher bin, ob ein Prinz wirklich erstrebenswert ist. Außerdem war es ja sowieso ganz anders:
    http://vrojongliert.blogspot.co.at/2016/04/dornroschen.html

    Mein Spinnrad ist grundsätzlich ein sehr robustes. Es hat auch einen Kindergartenbesuch überstanden. Und viele Kinder, die einmal treten wollten.

    LG, Veronika

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