Doch kein vierbeiniger Familienzuwachs.

Es ist später Nachmittag. Ich gehe kurz in den Garten, weil … Ja, warum eigentlich? Das weiß ich jetzt gar nicht mehr. Denn plötzlich huscht ein graubrauner Schatten am Gartenzaun entlang. Was ist denn das?

Eine kleine Katze ist es. Ein Katzen-Teenager. Ich kenne die Menschen in unserer Wohnsiedlung, ich weiß auch um deren Katzen. Diese hier kenne ich nicht. Alleine ist sie auch nicht. Es kommt noch eine zweite daher geschlendert. Geschwister-Katzen-Teenager. Ich rufe die Jungs, dass sie in den Garten kommen und unsere Besucher begrüßen. Von oben kommt unsere Nachbarin. Von unten der andere Nachbar. Offenbar rennen die zwei schon länger hier herum. Also die Katzen. Nicht die Nachbarn.

Unbekannte kleine Katzen. Die können nur von jemandem ausgesetzt worden sein, mutmaßt der untere Nachbar. Er hat auch schon herumtelefoniert. Es gibt da diese eine Frau in unserer Stadt, die sich um herrenlose Katzen kümmert. Aufnehmen will sie die zwei nicht, aber für Tierarztkosten aufkommen. Während wir Erwachsenen diesseits und jenseits unseres Gartenzaunes stehen und fachsimpeln, spielen die Kinder mit den Katzen im Garten. Sie verstehen sich großartig. Es ist ein lautes und wildes Gewusle. Ein mutiger Katzen-Bub und ein nicht ganz so mutiges Katzen-Mäderl. Die abgeräumten Gartenbeete werden inspiziert und gedüngt. Selbst das findet mein Jüngerer irrsinnig witzig. Meine Begeisterung hält sich in Grenzen. Ich sehe ausgerissene Salatpflanzerl und niedergetrampelte Kräuter vor mir.

Ich werde derweilen verbal bearbeitet. Wir haben ja noch keine Katzen. Weil die zwei so hübsch sind. So gepflegt. So zutraulich. Offenbar an Kinder gewöhnt. Praktisch schon perfekt vorbereitet und herangezogen und domestiziert. Falls man das bei Katzen jemals kann. Letztlich bleiben wir doch immer nur so etwas wie Dosenöffner auf zwei Beinen.  Ich lasse nur kurz die Haustür offen und schon sind die zwei neugierigen Nasen drin. Wir haben den vollen Spaß. Ich bin hin- und hergerissen. Vieles spricht für eine Katze als Haustier, einiges auch dagegen. Ich würde ja gern, aber …

In meinem Kopf rotieren Namen. Gin und Fizz. Jim und Bim. Irgendwas Lustiges. Nur nicht Minka, Bärli, Felix oder Schnurli. Ich stelle in Gedanken ein Kisterl in den Keller und baue eine Katzentür in einem der Kellerfenster ein. Ich mache ihnen ein Nesterl mit ungesponnener Schafwolle, von der ich genug habe, in dem sie schlafen können. Ich verräume alles, was die zwei nichts angeht und sehe die Wohnung durch Katzenaugen, damit ich weiß, was weg muss und was bleiben kann. Ich will. Ich will nicht.

Aber allein entscheide ich das ohnehin nicht. Und mein Mann? Der wird sicher nicht begeistert sein. Der eine Nachbar will mir ein Katzenkisterl bringen, das er übrig hat. Der andere Nachbar Futter für die Miezen. Ich bekomme Tipps, wie und wo ich sie am besten unterbringe. Es wird dunkel. Wir tratschen immer noch am Gartenzaun. Die Katzen rennen immer noch wie verrückt herum. Mein Jüngerer ist immer noch glücklich mit den beiden und hofft so sehr, dass die zwei bleiben dürfen.

Wieder eine andere Nachbarin macht ein Foto und stellt es auf Facebook. Später am Abend, wenn ich nicht mehr am Gartenzaun stehe und wir uns endlich von den Katzenkindern losreißen können, werde ich es teilen. Man kann davon halten, was man will, aber Facebook hat durchaus seine positiven Seiten. Weil ich die richtigen Freunde habe und die richtigen Dinge teile und eine Freundin ihre Katzen erkennt. Was für eine Überraschung, wenn da plötzlich ein Foto von Familienmitgliedern auftaucht. Aber das wissen wir, die wir noch immer an unserem Gartenzaun lehnen und den Kindern mit den Katzen zusehen, zu dem Zeitpunkt noch gar nicht.

Ich soll die Katzen gleich in unserem Keller unterbringen, meinen die Nachbarn. Ich winke ab. Ich will meinen Mann ja nicht vor vollendete Tatsachen stellen. Da käme er ja wie die Jungfrau zum Kind. Oder zu zwei Kindern, wenn man genau sein will. Also bringen wir sie in die nachbarschaftliche Garage. Ich stampere die Jungs ins Bett. Der Jüngere seufzt und fürchtet, dass der Papa keine Katze will. Er weint lieber schon mal prophylaktisch ein bisschen. Ich bin untypisch aufgeregt, weil ich weiß, was mein Mann sagen wird. Dass er die besseren Argumente haben wird. Und dass die meinen irgendwie lahm ausfallen werden.

Ich fange zu husten an. Warum auf einmal? Ich weiß von keiner Katzenhaar-Allergie. Vielleicht bin ich nicht restlos überzeugt? Bin ich auch nicht. Ich finde die Fellnasen toll. Aber ich will nicht die Verantwortung übernehmen. Das ist eine Entscheidung, die man nicht leichtfertig treffen sollte. Mir persönlich genügen ja die zahlreichen Katzen aus der Nachbarschaft.

Noch später am Abend klärt sich alles auf. Die beiden Samtpfoten gehören in die nächste Gasse unserer Siedlung. Vielleicht haben sie ihren Aktionsradius erweitert. Jedenfalls strawanzen sie den ganzen Tag herum. Die Besitzerin holt sie ab. Mein Jüngerer schläft tief und fest und weiß von alledem nichts. Er wird traurig sein. Aber vielleicht doch ein wenig getröstet, weil die zwei Katzen-Teenager wahrscheinlich wieder zum Spielen kommen werden.

Ich bin irgendwie erleichtert, dass sich das so wunderbar gelöst hat. Vielleicht bin ich einfach nicht bereit für eine Hauskatze. Auch wenn es mich schmerzt, die große Sehnsucht meines Jüngeren zu sehen. Ich erinnere mich zurück, dass ich immer Wüstenrennmäuse haben wollte. Dass wir alles mögliche Getier auf unserem Bauernhof hatten. Aber Wüstenrennmäuse habe ich nie bekommen. Auch das war eine große Sehnsucht.

Mein Husten ist wie von Geisterhand verschwunden.

 
 
 
 
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Ein Gedanke zu “Doch kein vierbeiniger Familienzuwachs.

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