Buch-Date-Schwierigkeiten.

Ich stehe vor meinem Kasten und bin am Verzweifeln.

„Ich habe nichts zum Anziehen!“

Überflüssig zu erwähnen, dass der Kasten voll ist. Wirklich voll. Trotzdem finde ich nichts.

Der Ernst, die Muse, Rosalind und der Schweinehund sitzen im Bett und schauen zu.

Der Schweinehund ist pragmatisch: „Stell dich nicht komisch an, das ist ein Buch-Date. Du kannst dich völlig undamenhaft aufs Sofa fläzen und den ganzen Tag den Pyjama anbehalten. Ist doch wurscht, was du da anhast.“

Der Ernst zieht die Augenbrauen hoch: „Nein, aber wirklich nicht! Sie muss sich nicht so gehen lassen. Das verdirbt nur den Charakter.“

Als die Muse das hört, fängt sie lauthals zum Lachen an. „Das sieht man ja dann, was sich für ein Charakter bildet.“ Dabei mustert sie ihn kritisch von oben bis unten und wieder retour. „Du bist die totale Spaßbremse. Verklemmt und spießig. Hin und wieder ein Pyjamatag ist gut für die Seele.“

Rosalind sagt gar nichts, sie krabbelt aus dem Bett und stellt sich neben mich vor den Kasten. Greift hierhin und dorthin, zieht ein paar Sachen heraus und hält sie mir vor die Nase. „Da! Das ist nett. Und bequem auch. Notfalls darf sogar überraschend Besuch anläuten und du musst dich trotzdem nicht genieren.“

Dann kehrt sie auf ihren Platz im Bett zurück, zieht sich die Decke bis zur Nasenspitze hoch und beginnt fast sofort zu schnarchen. Rosalind ist praktisch veranlagt und sparsam mit ihren Ressourcen. Sie hat viel gearbeitet und macht sich heute einen faulen Tag.

Der Ernst muss widerstrebend zugeben, dass Rosalind eine gute Wahl getroffen hat. Damit kann auch er leben. Dass sie jetzt einfach neben ihm schlafen geht, findet er nicht angebracht. Damit könnte sie ja warten, bis sie allein ist.

Da fängt die Muse ins Kichern an.

„Was tust denn überhaupt so herum wegen dem Buch-Date. Du hast doch kaum zu lesen begonnen. Das Buch ist auch erst vor kurzem angekommen. Und das Date selber ist auch erst Anfang Oktober.“

Und ja, damit hat sie leider Recht. Normalerweise klappt das ja gut mit meiner Buchhandlung und dem Bestellen. Aber diesmal ist der Wurm drin.

Das erste Mal hat der Lieferant einfach die Bestellung storniert, dann hatte er Lieferschwierigkeiten und jetzt beim dritten Mal ist das Buch zwar da, aber so ramponiert, dass ich mich weigere, es zum vollen Preis anzunehmen. Mittlerweile habe ich aufgegeben und doch beim Internet-Buchriesen bestellt. Angekommen ist es mittlerweile. Zwei Wochen sind ungenutzt verstrichen.

Hm hm hm. Das könnte knapp werden mit Anfang Oktober. Da sollte ich es gelesen haben. Und ein paar Worte dazu geschrieben auch. Und mich virtuell treffen. Ich habe mir das wirklich anders vorgestellt. Entweder suche ich mir jetzt doch noch ein hübsches Kleid heraus. Einfach aus Spaß an der Freude. Oder ich hüpfe wieder ins Bett zur schnarchenden Rosalind und verschlafe ebenso den Tag.

Ich habe zwischenzeitlich ein ganz anderes Buch gelesen. So zwischendurch und zum Warmwerden. Jetzt schleppe ich mein Buchdate-Buch überall mit. Ich bin ziemlich hingerissen. Aber mein Fortkommen gestaltet sich langsam. Ich dachte, ich wäre normaler englischer Unterhaltungsliteratur gewachsen. Aber ich muss feststellen, dass es normales Englisch gibt und wunderschönes wortgewaltiges Englisch. Das hier ist letzteres. Ich greife öfter zum Wörterbuch, als ich für möglich hielt. Ich hoffe, dass ich dann bald die wichtigsten neuen Wörter zusammengesucht habe und flüssiger weiter lesen kann.

Etwas gedankenverloren greife ich nach den gemütlich legeren Anziehsachen von Rosalind, schlüpfe rasch hinein und mache es mir auf der Couch bequem, wie der Schweinehund mir geraten hat. Spontan anläutende Besucher werde ich nicht empfangen. Jedenfalls heute nicht. Ich bin mit meinem Buch beschäftigt.

Falls jemand von euch bei mir vorbeikommt und unbedingt trotzdem mit mir sprechen will, dann muss er oder sie lang anhaltend und nervig klingeln. Vielleicht kriegt ihr mich klein und ich mache euch doch auf. Für eine Tasse Kaffee und ein paar trockene Kekse aus einer gekauften Packung ist ganz sicher Zeit.

Versprochen!

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