Ich erinnere mich … Eine Schreibübung.

Anita von der Textweberei hat eine Schreibidee von Michael Staravic mit uns geteilt, die sie in einem seiner Schreibworkshops kennen gelernt hat. Sie heißt: „Ich erinnere mich…“

Der erste Satz beginnt mit der Erinnerung, die einem als erstes einfällt. Der zweite Satz beinhaltet eine Erinnerung an etwas, das nie stattgefunden hat, das der Fantasie entspringt und wortkreativ ist. Immer nach diesem Muster, zehn Sätze lang.

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Ich erinnere mich an das Jahr, in dem wir den Kaufvertrag für unser Haus unterschrieben, an die Aufregung und das Gefühl, ein großes Projekt zu beginnen, an die plötzliche Verantwortung und die hohen Schulden.

Ich erinnere mich an das erste Jahr an der Universität, als ich durch einen glücklichen Zufall mit Lady Isabella Trent bekannt wurde, dieser charismatischen Pionierin, und sie mich auf eine mehrmonatige Forschungsreise in die Berge von Vystrana mitnahm, um das Leben der Drachen in dieser abgelegenen Gegend zu studieren.

Ich erinnere mich an jenen Tag im Advent 2011, als ich innerhalb von nur drei Tagen eine Bewerbung abgeschickt, eine Einladung zum Gespräch und eine Zusage bekommen habe; und wie sich meine überdrehte Euphorie in Panik wandelte, wie künftig Familie-Haushalt-Kinder-Job unter einen Hut zu bekommen seien.

Ich erinnere mich an das Jahr 2008, wo ich wochenlang mit meinem Musikerfreund Lenny Kravitz durch Europa tingelte, weil er mich gefragt hatte, ob ich ihn als seine Schlagzeugerin auf Tournee begleiten würde – es war ein großartiger Sommer!

Ich erinnere mich ans Pendeln im Zug: täglich 4 ½ Stunden schlafen, lesen, schreiben, stricken, die Landschaft vorüberziehen sehen – eine Zeit voll Müßiggang, Langeweile, Zeit-tot-schlagen.

Ich erinnere mich, als ich letzten Monat meinem besseren Selbst begegnete; an die Umstände, wie das geschah, kann ich mich nicht erinnern, aber daran, wie unsympathisch mir diese perfekte Frau war und dass ich lieber so bleibe, wie ich jetzt bin.

Ich erinnere mich an meine Reise nach Assisi mit 15, ich stand am Gang im Zug und hielt das Gesicht durch das Fenster, der Fahrtwind verwirbelte wild meine damals langen Haare und trocknete meine Abschiedstränen, als ich wieder nach Hause fuhr.

Ich erinnere mich an diesen einen August 2001, als ich in den Bergen von British Columbia war – nur mit eigener Kraft in die Höhe klettern und mich oben leicht und glücklich wie ein Vogel fühlen, während ich über das Land blickte.

Ich erinnere mich an ein verschlafenes Löwenkind, dass ich als Zehnjährige im Arm halten durfte, wie warm und kuschelig und … schwer es doch war – daran, wie ich noch heute sein dichtes weiches Fell zwischen meinen Fingern spüre, wenn ich nur daran denke.

Ich erinnere mich an meine erste Expedition in die Höhlensysteme der Alpen und meine Begegnung mit den Bergtrollen, die wider Erwarten und entgegen allem, was wir über Trolle wissen, sehr aufgeschlossene und freundliche Wesen sind, nur leider gänzlich mißverstanden und manchmal etwas unvorsichtig im Umgang mit uns zerbrechlichen Menschen, was ihnen vielleicht ihren schlechten Ruf eingebracht hat.

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Und jetzt probiert es doch selber auch einmal, wenn ihr dazu Lust habt!

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Ein Gedanke zu “Ich erinnere mich … Eine Schreibübung.

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