Frau Vro heimwerkt in der Leseecke.

 

 

Ich bin unterwegs und kaufe Schulsachen für die Jungs ein. Der Jüngere ist bei einem Freund, der Ältere hat sich welche eingeladen. Ich will schon wieder heimfahren, da reißt es mich zum Möbelriesen mit den vielen X. Ganz spontan kaufe ich ein Regal. Gehe noch interessehalber durch die Wohnzimmer-Abteilung. Da steht er! Dieser Sessel. Kein Ohrensessel. Leider nein, das geht sich mit der Dachschrägung nicht aus. Aber der schaut auch gut aus. Probesitzen. Passt! Gekauft. Ich überlege kurz, wie ich das mit dem Transport hinkriege.

Ich bezahle und fahre weiter zum Lager. Lege die hintere Rückbank um und schiebe den Vordersitz bis zum Anschlag nach vor. Das 148 Zentimeter hohe Regal passt gerade so rein. Der Sessel kommt oben drauf. (Zehn Säcke Gartenerde, eine Schaufel und der dreckige Hund von letztens hätten vielleicht auch noch Platz.) Daheim fahre ich schwungvoll vor, kurve rückwärts in die Einfahrt und wuchte meine neuen Errungenschaften aus dem Auto. Da wird mein Mann Augen machen, wenn er am Abend nach Hause kommt.

Ich schleppe die alte Kommode vom ersten Stock in den Keller. Breitere Hüften zum Abstützen sind ein Segen. Schmale Stiegen in einem Haus aus den 60er Jahren ein Graus. Plage mich mit den Einzelteilen des neuen Regals vom Keller in den ersten Stock ab. Baue sie zusammen. Natürlich sind beide Akkus des Bohrers leer. Männer! Große wie kleine. Ich schraube  notgedrungen händisch. Ich mag nicht warten, bis die Akkus aufgeladen sind oder starke Männer zum Regal schleppen da sind. Ich will das jetzt! Das Regal passt perfekt in die Dachschrägung. Dabei habtt ich in Gedanken schon die eine Kante mit der Stichsäge abgesäbelt. Ich bin da unbarmherzig. Was nicht passt, wird passend gemacht. Beim Runtergehen nehme ich die Verpackung mit. Beim Raufgehen den neuen Sessel aus dem Keller. Das Treppensteigen-Work Out für das nächste halbe Jahr ist damit auch absolviert.

Das Befüllen mit den Büchern braucht mehr Zeit als der Aufbau des Regals gedauert hat. Ich sortiere nicht nach Autoren, sondern nach Farben. Oder so ungefähr halt. Passende Leselampe habe ich noch keine, mein Jüngerer hilft mir mit seiner Schreibtischlampe aus. Ich denke mir nichts. Aber das Kind scheint Hintergedanken zu haben. Bin ich wirklich so naiv?

Am nächsten Morgen habe ich einen Muskelkater, dass ich mich kaum bewegen kann. Aber die ungelesenen Bücher haben endlich einen Platz, wo sie würdig untergebracht sind. Ein bisschen Platz ist noch für Neuzugänge. Endlich hinsetzen und ein Stündchen lesen. Ich gehe mit einer Tasse Tee und reichlich Vorfreude die Treppe hinauf. Denkste! Da sitzt das jüngere Kind in meinem Lesesessel und hat es sich so richtig gemütlich gemacht. Mit seinen eigenen Büchern!

 

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